Erlangen
Bösartige Vorwürfe

"Einfach absurd": Fränkische Ukraine-Helfer wehren sich gegen ungeheuerliche Unterstellung

Eine Spendenaktion für die Ukraine sorgte in Erlangen unlängst für Riesenandrang. Nun kursieren bösartige Vorwürfe gegen die Helfer - diese setzen sich gegen die ungeheuerliche Unterstellung aktiv zur Wehr.
Erlangen: Ukraine-Helfer wehren sich gegen ungeheuerliche Unterstellung - "einfach absurd"
Erlanger Ukraine-Helfern wird unterstellt, anstelle von Sachspenden Waffen ins Kriegsgebiet transportiert zu haben. "Das ist einfach absurd", betont Falk Stirkat, der Hauptinitiator der Spendensammlung. Foto: Falk Stirkat
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In Erlangen hat eine Sammelaktion für hilfsbedürftige Menschen aus der Ukraine Anfang März für immensen Zulauf gesorgt. Der Andrang war derart groß, dass das Technische Hilfswerk sogar mit zwei zusätzlichen Zelten aushelfen musste. Nun kursieren in den sozialen Medien allerdings drastische Vorwürfe.

Die Anschuldigungen klingen ungeheuerlich: Den Ukraine-Helfern wird unterstellt, anstelle der Sachspenden Waffen ins Kriegsgebiet transportiert zu haben. "Das ist einfach absurd", sagt Falk Stirkat inFranken.de. Der Erlanger Notarzt und Podcaster hat die Spendensammlung in Zusammenarbeit mit dem Erlanger Gasthaus "Drei Linden" maßgeblich durchgeführt. 

Waffenlieferungen ins Kriegsgebiet? Erlanger Ukraine-Helfer äußert sich zu abenteuerlichen Vorwürfen

Auslöser für die wüsten Unterstellungen ist offenbar ein Foto, das gegenwärtig im Netz die Runde macht. Das Bild zeigt einen gewaltigen Berg an Sachspenden auf einem Areal im oberpfälzischen Auerbach. Im dazugehörigen Text heißt es wörtlich: "Das sind die Dinge die wir nicht sehen sollen. Heute in der Oberpfalz aufgenommen , 6 !!! LKW mit Hilfsgüter für das Kriegsgebiet Ukraine welche wieder entladen wurden um anschließend in der örtlichen Müllverbrennung zu landen. Ob das die Schafe wissen was mit ihren Spenden passiert??? Und es sollen weitere Lkw zur Entladung kommen. Warum fahren sie danach trotzdem weiter in die Ukraine? Leer? Sie haben Zollpapiere über Spendenlieferungen, was ist aber wirklich in den LKWs??? So werden Waffen geliefert."

Wahr ist Stirkat zufolge: In Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) seien die in Erlangen abgegebenen Sachspenden zusammen mit Gegenständen aus mehreren weiteren Hilfsaktionen gesammelt worden, erklärt der Erlanger. Das Foto ist demnach offenbar echt. "Wir waren einer von 13 Spendenpunkten. Sämtliche Waren wurden nach Auerbach gebracht und dort von rund 200 Helfern sortiert und katalogisiert." Dies sei schon allein in Hinblick auf die Frachtpapiere nötig gewesen. In dem Prozess sei dann alles aussortiert worden, das verschmutzt, beschädigt oder anderweitig unbrauchbar gewesen sei.

"Dass jemand auf diese Weise seinen Hausrat entsorgt, kommt wohl bei solchen Aktionen leider immer mal vor", konstatiert der 38-Jährige. Ihm selbst sei zugetragen worden, dass sich unter den Sachspenden auch zweifelhafte Gegenstände wie Dessous, Strapse, benutzte Unterhosen, ein Brautkleid sowie Sexspielzeug wie Dildos befunden hätten. "Das ist einfach pietätlos." Die kursierenden Gerüchte bezeichnet Stirkat indes als "völlig abwegig". "Die Idee, dass wir in die Ukraine Waffen schmuggeln, ist wirklich absolut absurd", betont der Intensivmediziner. "Ich selbst habe den Wehrdienst verweigert und besitze noch nicht einmal ein Messer."

"Natürlich haben das die ganzen Verschwörungstheoretiker wie blöd geteilt"

Wo genau die augenscheinlich böswilligen Vorwürfe ihren Ursprung haben, kann Stirkat allenfalls ahnen. "Soweit ich weiß, hat es zuerst einen satirischen Bericht gegeben." Obwohl deutlich gewesen sei, dass es sich um einen humoristischen Artikel handele, sei der Beitrag rasend schnell im Internet verbreitet worden. "Natürlich haben das dann die ganzen Verschwörungstheoretiker wie blöd geteilt. Dummerweise hat sich das Ganze daraufhin verselbstständigt." Er selbst kenne ähnliche Reaktionen bereits in Bezug auf die Corona-Pandemie, erläutert Stirkat. "In meinem Podcast habe ich schon früh für eine Impfung geworben", berichtet der Erlanger Arzt und Autor. Für seine Aussagen sei er daraufhin im Netz wiederholt angegriffen worden. 

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Ins Bockshorn jagen lasse er sich durch derartige Resonanz aber keinesfalls. "Ich würde alles genau so wieder tun", sagt der 38-Jährige. Die Sammelaktion in Erlangen war demnach - trotz der nun widrigen Begleitumstände - ein voller Erfolg. Mit einem Reisebus und einem Konvoi von rund zwölf Lkw ging es schließlich in die Ukraine. "Insgesamt haben wir um die 300 Tonnen an Spenden ins Krisengebiet transportiert."