„Es ist wichtig, dass es uns gibt. Wir müssen stark sein, den Frauen zuhören, vor allen Dingen, wenn es Probleme gibt.“ Das betonen Carina Klein und Stellvertreterin Claudia Brunmayr, die beiden neuen Frauenbeauftragten der Regnitz-Werkstätten. Sie wurden im November 2021 in das Amt gewählt, teilt die Lebenshilfe Erlangen e.V. mit.

Im Gespräch mit Dr. Elisabeth Preuß, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe, haben sie über ihre Vorhaben berichtet und was ihnen wichtig ist.

„Wir werden als Frauen mit Beeinträchtigung mehr belästigt als andere. Weil wir schwächer sind und uns nicht so gut wehren können“. Und in der Tat: Frauen mit Beeinträchtigung erfahren besonders häufig Gewalt und Übergriffe.

Es seien fast doppelt so viele Frauen wie im Bevölkerungsdurchschnitt, heißt es in einer Handreichung der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAGWfbM). So ist es dringend nötig, Frauenbeauftragte in den Werkstätten zu haben.

Die Lebenshilfe Erlangen hat die Notwendigkeit zur Prävention von Gewalt an Frauen früh erkannt und schon Anfang 2000 Frauengruppen zu dem Thema angeboten. „Ich finde es sehr bemerkenswert, dass die Lebenshilfe hier vorausgegangen ist. Bereits als Bürgermeisterin habe ich erfahren, dass Selbstvertretung schon lange in vielen Bereichen der Lebenshilfe stattfindet und immer weiterentwickelt wird“, sagt Elisabeth Preuß.

Für die Vertreterinnen in eigener Sache hat das Weibernetz von 2008-2011 ein Schulungskonzept in Leichter Sprache entwickelt. 2016 nahm die erste Frauenbeauftragte der Lebenshilfe an einer Schulung teil. Seit 2017 mit der Reform der Werkstätten-Mitwirkungsverordnung durch das Bundesteilhabegesetz Teil II sind Frauenbeauftragte verpflichtend.

Carina Klein und Claudia Brunmayr sind für ihre Aufgabe im engen Austausch mit Anette Frenzel, Mitarbeiterin des Sozialdienstes. Sie unterstützt die beiden, damit sie ihr Amt gut ausführen können. „Die Unterstützung ist wichtig, manchmal fehlen mir die richtigen Worte“, so Carina Klein.

Aktuell liegt ein Fall auf dem Tisch, den die drei zeitnah besprechen müssen: Eine Mitarbeiterin, die sich verbal nicht äußern kann, wird von Kollegen nicht belästigt, aber berührt, zum Beispiel mal am Arm gefasst. Sie möchte das nicht. „Es ist für Frauen mit Beeinträchtigung oftmals besonders schwer, sich abzugrenzen, stopp zu sagen,“ erläutert Anette Frenzel.

Im Moment arbeiten die Frauenbeauftragten mit Anette Frenzel an einer eine Mappe mit Bildern und in verständlicher Sprache, die in allen Arbeitsgruppen verteilt wird. Darin werden die Frauen ermuntert, mit Fragen und Problemen zu den Frauenbeauftragten zu gehen.

Ebenso ist ein Kurs im Rahmen der Arbeitsbegleitenden Maßnahmen angedacht zum Thema „Nein sagen, ich bin die Chefin“. Gerne möchten die Frauenbeauftragte und ihre Stellvertreterin eine Fortbildung machen, aber in Präsenz. „Da müssen wir wohl noch ein bisschen warten.“

Zum Schluss des Gesprächs versichert Vorstandsmitglied Elisabeth Preuß, dass „wir immer offene Ohren für Sie und ihre Arbeit haben.“