Wie oft hört man von älteren Leuten, früher sei alles besser gewesen. Warum? Und: Stimmt das?

Ich bin 1970 in den Schuldienst eingetreten, in einer kleinen Landschule in Wiesentheid bei Kitzingen. Ich war die erste Lehrerin, die mit Jeans in die Schule kam.

Die Schülereltern waren einfache Leute wie Landwirte oder Arbeiter. Das Schulhaus war uralt, die Böden aus knarzenden Holzbohlen, ein Ofen stand im Klassenzimmer und der Hausmeister kam jeden Morgen, um das eiserne Ungetüm anzuschüren. Natürlich waren auch die Bänke aus Holz: der Klappstuhl war mit dem Pult verbunden - schon recht unbequem.

Die Dorfschüler sprachen meist im fränkischen Dialekt ihres Dorfes - und für einige Ausdrücke brauchte ich als auswärtige Lehrerin einen Übersetzer, wie bei "Grummeti heifi" (Grummet ist der zweite Grasschnitt, heifi heißt häufeln). Die Kinder - eine Klasse war zwischen 40 und 50 Schülern stark - waren meist ordentlich und gehorchten dem Lehrer, denn die Eltern bläuten ihnen ein, brav zu sein. Lehrer, Bürgermeister und Pfarrer waren damals die absoluten Autoritäten im Ort. An Weihnachten gab es sogar Geschenke für den Lehrer, in der Regel Butter und Eier, was man auch unbedingt annehmen musste.

Autorität statt Züchtigung

Auch der Umgang war ein anderer: So mancher Vater kam in die Sprechstunde und erlaubte dem Lehrer, seinem Sprössling auch mal eine Ohrfeige zu geben. Heute undenkbar, aber ich machte auch damals nicht davon Gebrauch. Gerechte Strenge ist immer nötig - früher wie heute. Wenn aber ein der Lehrer Autorität ausstrahlt, spürt dies der Schüler und er weiß, wie weit er gehen kann.

Ich erinnere mich noch, dass wir selbst als Schüler mit dem spanischen Röhrchen auf die Finger bekamen und manchen unartigen Jungs wurde der Hosenboden stramm gezogen. Prügelstrafe war gang und gäbe - auch zu Hause! Die Schüler hatten vor allzu strengen Lehrern schon große Angst.

Weil mein Mann bei Siemens eine Anstellung gefunden hatte, zogen wir 1979 nach Adelsdorf. Ein quasi neues Schulhaus, ein Lehrschwimmbecken, kleinere Klassen - ein Traum! Auch hier standen zu Beginn die Eltern voll hinter dem Lehrer, manchmal mehr, als wünschenswert gewesen wäre: "Wenn er/sie a Schelln braucht, nur zu!"

Natürlich war nicht alles besser

Dies änderte sich im Laufe der Zeit und so manches Kind erklärte später dem Lehrer: "Wenn Sie mich anrühren, zeigen meine Eltern Sie an!" Bis 2002 war ich im Dienst, dann musste ich aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden.

Respekt auf der einen, Prügelstrafe aber auf der anderen Seite - es war also mitnichten alles besser! Früher waren vor allem auch die Bedingungen, unter denen gearbeitet wurde, schlechter als heute. Dafür waren die Kinder wesentlich weniger abgelenkt, denn es gab gerade mal drei Programme im Fernsehen, keine Handys und all die elektronischen Spiele waren noch nicht erfunden. Die Kinder sind nach dem Unterricht auf die Straße oder in den Hof zum Spielen und haben sich da ausgetobt - Haltungsschäden und körperlich unausgelastete Kinder gab es weniger als heute.

Aber auch wenn die Klassen damals größer waren, es noch keine Computer und weniger Ablenkung gab, war es eine schöne, interessante Zeit, die ich nicht missen möchte. Meine Grundsätze als Lehrerin gelten denke ich auch heute noch: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück! Kinder muss man da abholen, wo sie stehen und sie immer ernst nehmen.

Mehr Disziplin und Stränge damals

Altbürgermeister Armin Goß erinnert sich an seine eigene Schulzeit in Adelsdorf von 1952 bis 1956:

"Das Schulgebäude war das heutige Rathaus und Doppelklassen - also 1. und 2., 3. und 4. gemeinsam - waren üblich.

Unsere Sitze waren Holzstühle, aber Schulstühle sind ja immer unbequem, weil man so lange darauf still sitzen muss. Bei manchen Lehrern wurde vor Unterrichtsbeginn ein kurzes Gebet gesprochen.

Die Pädagogen verlangten Disziplin und waren insofern auch strenger, wobei sie sich oft aber auch um einzelne (schwierige) Schüler besonders bemühten. Strafen waren in der Regel härter, vor allem die körperlichen, die heute undenkbar wären und verboten sind.

Wir Kinder waren nicht generell artiger, aber in der Schule "bräver" und disziplinierter. Als Heizung dienten in der Regel Holz- oder Kohle-Öfen. In meinem Schulranzen befanden sich eine Tafel mit Griffel, ein Lesebuch (mit Großbuchstaben), später ein Rechenschieber alter Art, Schulhefte und Bücher von der Schule.

Damals gab es noch keine Schulbusse, deshalb musste der Weg zu Fuß oder mit dem Rad (falls vorhanden) absolviert werden. Mein Schulweg verlief noch teilweise auf den Weiherdämmen der Moorweiher. Für die Wiesendorfer, Heppstädter und Nainsdorfer Schüler gab es keine Hilfe. Anfangs mussten die katholischen Schüler aus Heppstädt nach Adelsdorf, die evangelischen nach Neuhaus. Sport wurde klein geschrieben. Im Winter gingen wir gelegentlich gemeinsam zum Schlittenfahren am Uttsberg in Aisch."

Probleme heute

Eine Schulleiterin aus Nürnberg mit Adelsdorfer Wurzeln erklärt zu den Schulproblemen heute:

"Zappelphilippe gab es auch früher schon. Jetzt hat man dafür einen Namen (ADHS). Insgesamt haben wir Lehrer aber den Eindruck, dass schon einige Kinder unbeweglicher geworden sind. Die Konzentrationsspanne ist geringer geworden und auch das selbstständige Hineindenken in ein Thema fällt schwer. Wenn es schwieriger wird, schalten dann so manche Kinder ab und lassen andere für sich denken oder die Lehrkraft darf es ihnen vorkauen. So wie man am Fernseher die Wiederholungstaste drücken kann, muss es die Lehrkraft bitte auch mehrfach wiederholen."