Herber Schlag für die fränkische Wirtschaft: Die Folgen der Coronavirus-Pandemie haben den Auto- und Industriezulieferer Schaeffler im zweiten Quartal auch operativ tief in die roten Zahlen gerissen. Für den Zeitraum von April bis Ende Juni beläuft sich der Verlust auf 150 Millionen Euro, wie das im SDax notierte Unternehmen am Dienstag in Herzogenaurach mitteilte.

Im Vorjahr hatte das Unternehmen im gleichen Zeitraum noch ein Plus von 284 Millionen Euro ausgewiesen. Auf das Halbjahr gerechnet konnte Schaeffler dennoch 65 Millionen Euro Gewinn erzielen - im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um rund 88 Prozent.

Schaeffler weiter in den roten Zahlen - wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise dauern an

Der Umsatz schrumpfte im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb ein Umsatzverlust von 168 Millionen Euro nach einem Gewinn von 136 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Besonders betroffen war die Automobilsparte des Unternehmens. Durch die Corona-Pandemie ließ die Nachfrage nach, Folge waren Kurzarbeit, Einstellungsstopps und Schließtage in den Werken. Ein Freiwilligenprogramm für den Abbau von Stellen wurde auf 1.900 ausgeweitete, ob weitere Stellen abgebaut werden, ist bislang nicht bekannt. Am Standort in Schweinfurt beispielsweise sei Stellenabbau momentan kein Thema. Das gab der Vorsitzende des dortigen Betriebsrats Jürgen Schenk gegenüber dem Bayerischen Rundfunk an.

Langsam erholt sich das Geschäft zudem wieder, besonders auf dem chinesischen Markt konnten alle Sparten im letzten Quartal wieder Wachstum verzeichnen. Einen Ausblick für das Geschäftsjahr 2020 wagt der Zulieferer dennoch vorerst nicht. "Aus heutiger Sicht gilt weiterhin, dass sich weder der weitere Verlauf der Pandemie noch die wirtschaftlichen Auswirkungen verlässlich abschätzen lassen", heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Die Schaeffler Gruppe gehe davon aus, dass alle Kennzahlen unter dem Vorjahreswert liegen werden.

Vorstandvorsitzender Klaus Rosenfeld äußerte sich ebenso vorsichtig.- Dank des konsequenten Sparkurses und den Sparten Industrie und Automotive sei Schaeffler "bisher besser durch die Krise gekommen als erwartet." Der aktuelle Stand deute nach dem Tiefpunkt im April darauf hin, dass es wieder aufwärts geht. "Gleichwohl bleibt die Unsicherheit hoch, wann die Vorkrisenniveaus wieder erreicht werden. Das heißt für uns, dass wir weiterhin sehr diszipliniert und vorausschauend agieren müssen."

Auch den Automobilzulieferer ZF hat die Corona-Krise hart getroffen: 7500 Stellen sollen in Deutschland abgebaut werden. Am zweitgrößten Standort in Schweinfurt haben die Mitarbeiter dagegen protestiert.