Es gibt Nachrichten, die verbreiten sich wie Lauffeuer. Die folgende gehört dazu: Das "Waldkrankenhaus" in Obermembach schließt, hört man seit dem Wochenende an Biertischen und auf der Straße in Herzogenaurach. Zum Leidwesen der vielen Gäste aus der gesamten Umgehung, die das Dorfwirtshaus mit dem Kultstatus schätzen, ist das mehr als nur ein Gerücht: Hans Gumbrecht hat den Wahrheitsgehalt auf Anfrage bestätigt. Zum 1. April - kein Scherz! - soll tatsächlich Schluss sein.

Das Wirtsehepaar gibt für diese Entscheidung zwei Gründe an: "Wir sind zu alt", ist der eine. Und auch die Gesundheit der beiden spielt nicht mehr so mit wie es erforderlich wäre.

Obermembach: "Waldkrankenhaus" will schließen

Allerdings gibt es noch einen Hoffnungsschimmer, dass die Wirtschaft, die 1997 ihr 125-jähriges Jubiläum feierte, ihre Pforten nicht komplett schließt. Es sei schon möglich, sagt der 68-jährige Senior Hans Gumbrecht, dass man noch an bestimmten Tagen stundenweise öffnet. Aber auch das hänge von verschiedenen Faktoren ab. Bis zum April ist ja noch etwas Zeit, sich das zu überlegen. Wenig erbaut ist er von dem Gedanken, das Lokal zu verpachten. Schlicht deshalb, weil er daran zweifelt, einen passenden Nachfolger zu finden. Überhaupt sei es sehr schwierig geworden, in der heutigen Zeit das richtige Personal zu finden. Von dem Stapel an Auflagen, die auch den Wirten aufgebrummt werden, ganz zu schweigen.

Wenn das Dorfwirtshaus mit dem idyllischen Biergarten direkt am Weiher jetzt aufgibt, dann gibt das durchaus zu denken. Ist es doch ein Familienbetrieb mit einer Tradition über mehrere Generationen hinweg. Mitgeholfen haben manchmal alle vier Kinder, fest dabei war der jüngste Sohn Stefan (28) als Koch und zumeist auch sein Bruder Christian (42) am Ausschank. Täglich hängen da zwölf bis 14 Stunden dran, sagt Stefan. Freilich könnte man versuchen, mehr Personal zu finden. "Aber wennst nur noch Angestellte hast, dann stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr", schiebt er hinterher. Und dann gebe es bei den Gästen, die es günstig gewohnt seien, einen Aufschrei.

Das "Waldkrankenhaus" war zum einen wegen seiner lauschigen Außenplätze beliebt, aber auch wegen der Brotzeiten, Karpfen und Schlachtschüssel. Vater Hans sorgte als gelernter Metzger gemeinsam mit seinem Sohn Stefan als gelerntem Koch für die Speisen.

Das Wirtshaus ist auch Treffpunkt des Imkervereins. "Die dürfen auch weiterhin kommen", sagt Chef Hans Gumbrecht.

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