Bei Begriffen wie "Prävention" und "Suchthilfe" denken die meisten an Alkohol, Zigaretten und andere Drogen. Kaum jemand denkt an Smartphones oder Videospiele. Aus diesem Grund findet derzeit an der Mittelschule Herzogenaurach eine Projektwoche statt, in der die Schüler der siebten, achten und neunten Jahrgangsstufe den bewussten Umgang mit modernen Medien lernen sollen.

Das Präventionsprogramm "#Levelup - Gesundheitsförderung und Suchtprävention an Schulen" wird von der AOK Bayern gefördert und in Kooperation mit der gemeinnützigen Stiftungsgesellschaft "neon - Prävention und Suchthilfe Rosenheim" umgesetzt. Die Mittelschule Herzogenaurach hatte sich genau wie die Realschule Herzogenaurach für die Teilnahme beworben, und beide Schulen erhielten den Zuschlag. In der Realschule beginnt die Projektwoche am 17. Februar.

Eltern verschätzen sich

Für die Eltern gab es zum Start einen Elternabend, damit sie ihre Kinder dabei unterstützen können, die neuen Erkenntnisse auch im Alltag zu integrieren. Christoph Simbeck und Sophie Marx von "neon" führten die Eltern in ihrem Vortrag "Im digitalen Dauerstress - warum die permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist" an das Thema Mediennutzung heran und gaben den Eltern Tipps.

Zu Beginn des Abends präsentierten die beiden Referenten einige Fakten und ließen die Interessierten schätzen, wie viel Prozent der Jugendlichen ein Smartphone besitzen (98 Prozent), wie oft sie im Schnitt auf ihr Handy schauen (alle 18 Minuten) und wie viel Zeit sie an einem Tag mit Handynutzung verbringen (fast drei Stunden, bei uneingeschränkter Nutzung eher vier bis fünf Stunden). Viele Eltern waren schockiert über diese Zahlen und hatten mit ihren Schätzungen weit unter den Werten gelegen.

Es gibt einige nützliche Apps, zum Beispiel die "Mental Balance App" oder "Apple Bildschirmzeit", die über solche Daten Auskunft geben, und so wurden die Anwesenden aufgefordert, selbst einmal die Bildschirmzeit ihres Smartphones abzurufen. Landrat Alexander Tritthart (CSU) war zunächst ein bisschen skeptisch und dann umso erleichterter, dass sein Tagesdurchschnitt bei nur 21 Minuten lag.

Nach dieser Einführung in das Thema wurden die Gefahren und Probleme der Handynutzung besprochen. Jugendliche trainierten sich beispielsweise eine Aufmerksamkeitsstörung an, da sie alle Viertelstunde auf ihr Smartphone schauen und somit aus ihren Tätigkeiten gerissen werden. Auch die Empathiefähigkeit vieler Jugendlicher leide, da sie sich beim Kommunizieren nicht mehr in die Augen schauen müssen und Beleidigungen und Schimpfwörter in Sekundenschnelle getippt und abgeschickt werden.

Einfache Regeln aufstellen

Doch bei der Projektwoche geht es nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger vor die Schüler zu treten - viel mehr soll ihnen bewusst gemacht werden, welche einfachen Regeln es zu beachten gibt und dass online viele Wirklichkeiten verzerrt werden. Eltern sollten stets informiert bleiben, welche Spiele ihre Kinder nutzen, und Verhaltensregeln sowie Nutzungszeit mit den Jugendlichen besprechen. Wichtig sei, von vornherein Regeln festzulegen, denn habe das Kind einmal uneingeschränkten Zugriff erhalten, sei es schwierig, im Nachhinein zu schimpfen oder Vorwürfe zu machen.

Es wurde empfohlen, Handys nicht als Geschenk an Jugendliche weiterzugeben, sondern als Leihgabe. Die Leihgabe komme mit Nutzungsbedingungen daher wie dem Einhalten von Zeitkontingenten oder dem ausschließlichen Verwenden ausgewählter Apps. Ab welchem Alter bestimmte Geräte für Kinder geeignet sind, könne man pauschal nicht sagen, stattdessen sollten sich Eltern auf ihr Gespür verlassen und entscheiden, ob ihr Kind die notwendige Reife und Einsicht besitzt.