Ist man derzeit im Raum Herzogenaurach-Adelsdorf unterwegs, fallen auffallend viele bräunlich verfärbte Bäume ins Auge. Man denkt an frühe Herbstfärbung von Laubbäumen. Doch auf den zweiten Blick erkennt man, es sind Kiefern - neben mit Eckern vollgeladenen Buchen. Ein ungewöhnliches Phänomen. Ein Befall mit Schadpilzen oder Insekten? Oder eine Folge des zweiten recht trockenen Sommers?
Das weiß Försterin Heike Grumann nicht, das wissen ihre Kollegen in den umliegenden Forstbezirken nicht, ebenso wenig ihr Chef Peter Pröbstle vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Läuft man auf einem Waldweg irgendwo in der Ecke Haundorf-Beutelsdorf, fallen jedem die ungewöhnlich vielen braunen Kiefernnadeln auf. Ein Blick in die Höhe und man sieht abgestorbene Bäume, die vor einem halben Jahr noch grün waren, und wenige Meter daneben gesunde Föhren wie eh und je.

Die Förster haben sich nun Unterstützung aus der Luft geholt. Christian Schunck und seine Mitarbeiter von der TU München überfliegen mit Drohnen das betroffene Waldgelände und halten seine Oberfläche in vielen Einzelbildern fest. Mit einer normalen Kamera und mit einer speziellen, die über fünf verschieden filternde Objektive verfügt. So erhält der Professor für Ökoklimatologie ein Farbbild des Waldes bis in die Bereiche des Infrarots hinein. Diese Bereiche der Farben bzw. des Lichts sind Indikatoren für die Vegetation: Wie aktiv ist ein Baum, wie gesund sind die einzelnen Nadeln. "Diese Bilder liefern eine Art Früherkennung", erläutert Schunck.
Die Spezialkamera ist erst eine Woche im Einsatz; Auswertungen gibt es deshalb noch keine. Begonnen wurde mit der Aufnahmeserie im Raum westlich von Erlangen, weil hier die größten - schon mit bloßem Auge - deutlich zu sehenden Schäden vorliegen. "Mittelfranken ist insgesamt am stärksten von den absterbenden Kiefern betroffen", hat Steffen Täger von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft festgestellt. Aber um Roth, Fürth, Ansbach oder Uffenheim sind bei weitem nicht so viele Kiefern auf einem Fleck betroffen wie hier bei Beutelsdorf.
Es wird auch nicht bei der einmaligen Befliegung bleiben, durch Wiederholung will man die Schadensentwicklung beobachten. Eine wesentliche Frage für die Förster ist: Was passiert im Winter, was mit Beginn der nächsten Vegetationsperiode? Erholen sich die Bäume vielleicht wieder? Stecken sich andere an, werden sie zu einem Brutherd für Kiefernschädlinge?
"Sicher, der Trockenstress war im Sommer 2015 hoch", sagt Pröbstle. Aber bislang gilt die Kiefer als robust in diese Richtung. Ihn und andere Fachleute irritiert vor allem, dass "grasgrüne" Bäume neben völlig abgestorbenen stehen. Er fragt sich, ob im vermehrten Auftreten der Mistel ein Hinweis auf die Ursachen steckt. Und es schließen sich weitere Fragen an, wie: Müssen diese Kiefern sofort gefällt werden, damit sie nicht die optimale Mahlzeit für den Kiefernprachtkäfer werden? "In einem halben Jahr hoffen wir, den Ursachen auf die Spur gekommen zu sein und den Waldbesitzern entsprechende Ratschläge gegen zu können", sagt Täger angesichts einer gewissen Ratlosigkeit.