In einer historischen Zeremonie wurden am Donnerstag im Anschluss an die Firmung zeitgenössische Dokumente und Urkunden in die Kugel der Turmzier (vergoldeter Turmknopf) von St. Georg gegeben. Erzbischof Ludwig Schick sprach über alles seinen Segen. Vertreter der Kreissparkasse und der Tageszeitungen brachten die Beigaben, die dann - neben den alten Urkunden, Währungsnoten, Münzen und mehr - in die Kapsel für das Kreuz eingeschweißt wurden. Diese Dinge werden einmal für zukünftige Generationen ein Zeugnis der Zeitgeschichte sein.

"Seit 27. August ist nun der Kirchturm eingerüstet und der Schadensbefund kletterte in schwindelerregende Höhen", erklärte Dekan Kilian Kemmer.
"Aber bald wird der Turm wieder im neuen Glanz erstrahlen", freute er sich.

Bei Beginn der Restaurierungsarbeiten der Turmzier im April hatte Dekan Kilian Kemmer die Zeitkapsel, die zuletzt im Jahr 1977 in die Kugel der Turmbekrönung gegeben wurde, geöffnet und heraus kamen neben den beiden Tageszeitungen viele Urkunden und Beigaben (der FT berichtete).

Oskar Fuchs verlas die neue Urkunde, die der Dekan selbst verfasst hat. Sie benennt sowohl die Gründe für die Sanierungsarbeiten, als auch die aktuellen führenden Persönlichkeiten wie Papst, Erzbischof, Gemeindepfarrer, Bundeskanzler, Bundespräsident bis hin zum derzeitigen Landrat und Bürgermeister von Höchstadt. "In unserem Land herrscht Wohlstand ... Die meisten Menschen meinten, nahezu alles selbst erreichen und bewirken zu können. Die Flutkatastrophe lehrte uns, demütiger zu werden. Innerhalb der Kirche fehlt heute vielfach die Begeisterung für den reichen Schatz des katholischen Glaubens." Dieses und mehr werden einmal nachfolgende Generationen beim nächsten Öffnen der Zeitkapsel - vielleicht in 100 Jahren - lesen.

Abriss über die Restaurierung

Der Architekt Georg Leyh gab einen kurzen Abriss über die Restaurierung und stellte die beteiligten Firmen vor. Die Vergoldung der Turmzier war bis auf die Grundierung verwittert. Die Turmspitze, bestehend aus Turmkreuz mit Wetterfahne und Kugel, wurde in der Werkstatt des Bamberger Kirchenmalers Robert Dörfler mit 23,75 Karat Blattgold neu vergoldet. Die Firma Donath aus Wonsees hat in traditioneller handwerklicher Ausführung die Dacheindeckung der Welschen Hauben mit spanischem Schiefer erneuert.

Die Firma Weißbeck aus Kleinlangheim hat eine durch den Beschuss der US-Armee am 14. April 1945 abgelöste Wandschale mit Nadelankern kraftschlüssig gesichert. Die Außenfassade des Turms renovierte die Firma Bauer-Bornemann aus Bamberg. Tragende Eichensäulen waren 1945 von Panzergranaten durchschossen worden. Die Zimmerei Lederer aus Flachslanden hatte sich dieser Schäden angenommen. Die Firma Rabenstein aus Burghaslach war für die Einrüstung des Kirchturms zuständig. Die Baukosten der Turmsanierung einschließlich Nebenkosten betragen circa 389 000 Euro.

Seinen besonderen Dank richtete der Architekt an alle ausführenden Handwerker: "Mir ist bewusst, dass es angesichts der außergewöhnlichen Witterungsumstände keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir heute im Bau so weit fortgeschritten sind. Meine größte Anerkennung an alle Firmeninhaber und an ihre Mitarbeiter an der Baustelle, dass die Arbeiten weitgehend termingerecht abgeschlossen wurden!"

Alle alten und neuen Dokumente, darunter auch ein Granatsplitter vom 14. April 1945, der im Holz gefunden wurde, legten der Erzbischof, der Architekt, Kirchenpflegerin Tanja Schwägerl und Zweiter Bürgermeister Günter Schulz (SPD) in die Bulle ein, bevor sie zwei Mitarbeiter der Dachdeckerei Janko verlöteten.

Zeitkapsel versenkt

Der Oberhirte versenkte anschließend die Zeitkapsel in der Turmkugel und nach dem Segen brachten die Handwerker Kugel und Kreuz nach draußen zum Aufzug.

Andreas Mätzold sprach einen alten Handwerkerspruch und dann fuhren einige Handwerker im Aufzug mit der goldenen Turmzier nach oben, um sie zu montieren.


Der Text der Urkunde

Stat crux dum orbis volvitur - Das Kreuz steht, während sich der Erdkreis dreht

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes wurde heute, am Firmtag, Donnerstag, 20. Juni im Jahre des Heiles 2013 das Turmkreuz der Höchstadter Stadtpfarrkirche St. Georg durch den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof von Bamberg, Seine Exzellenz Professor Dr. Ludwig Schick neu geweiht, nachdem bereits im Herbst des vergangenen Jahres durch erhebliche Wasser- und Witterungsschäden des Gebälk der Turmzwiebeln und auch das Mauerwerk als äußerst schadhaft befunden wurde.

Im Herz Jesu Monat und rechtzeitig zur Höchstadter Kirchweihe, am Sonntag nach dem Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, wurde dieses neu vergoldete Kreuz zur Zier der Turmspitze unseres wunderschönen Gotteshauses. Möge der goldene Glanz der Liebe Gottes, durch welche ER seinen einzigen Sohn für uns am Kreuz geopfert hat, in die Herzen aller Höchstadter strahlen und in allen den Glauben an den einen und dreifaltigen Gott lebendig erhalten, vertiefen und festigen.

Stadtpfarrer von St. Georg in Höchstadt und zugleich Dekan des erzbischöflichen Dekanates Höchstadt/Aisch war Kilian Kemmer. Die Erzdiözese Bamberg wurde seit September 2002 von dem Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick geleitet. In Rom diente dem Herrgott und der ganzen Welt als Stellvertreter Christi und Nachfolger des Heiligen Petrus Papst Franziskus, der am 13. März des Jahres als erster Lateinamerikaner zum Pontifex der katholischen Weltkirche gewählt wurde. Zuvor trat zum 28. Februar des Jahres mit Benedikt XVI. erstmals in der Kirchengeschichte ein Papst freiwillig von seinem Amt zurück. Mit Papst Benedikt XVI., der unserem Bayernland entstammte, verband Stadt und Pfarrei ein herzliches Verhältnis.

Seit 1. Mai 1996 lenkte Herr Gerald Brehm sehr erfolgreich und hingebungsvoll als Bürgermeister die Geschicke der Stadt. In seiner Amtszeit erlebte die Stadt Höchstadt/Aisch einen mächtigen Aufschwung, so dass alle 14.193 Einwohner Wohlfahrt, Bildung, Gesundheit und Sicherheit in dieser Stadt erleben durften. Der prosperierende Landkreis Erlangen-Höchstadt stand seit 2002 unter der Leitung des vormaligen Landtagsabgeordneten Eberhard Irlinger. Bayerischer Ministerpräsident war Horst Seehofer, als Bundeskanzlerin fungierte in Berlin Dr. Angela Merkel und als Bundespräsident Joachim Gauck. In unserem Vaterland herrschte Wohlstand. Wohl die meisten Menschen meinten im Zeitalter einer hochtechnisierten und virtuellen Welt - selbst auf dem Gebiet der Medizin - nahezu alles selbst erreichen und bewirken zu können. Auf diesem Hintergrund lehrte uns die Flutkatastrophe in Teilen Nord-, Ost- und Süddeutschlands demütiger zu werden und mit großer Ehrfurcht den Menschen wieder als Geschöpf und als einen maßgeblichen Teil der Natur sowie in Verantwortung gegenüber seinem Schöpfer zu entdecken.

Die deutsche Gesellschaft stellte sich in Glaubensfragen oft kritisch oder gleichgültig dar und innerhalb der Kirche unseres Vaterlandes fehlte vielfach Begeisterung für den reichen Schatz des katholischen Glaubens. Mit großem Fleiß und treuem Eifer bemühten sich die Pfarrangehörigen um ein treues Bekenntnis zu Glaube und Kirche. Denn sie blieben mit den Worten des Heiligen Apostels Paulus gewiss, dass sie "weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur scheiden kann von der Liebe Gottes, die im Herrn Christus Jesus ist" (Röm 8, 38 - 39).

So soll das Kreuz aufgerichtet stehen, wie schnell sich die Welt und mit ihr die Menschen auch drehen mögen. Das Kreuz sei stets ein Zeichen der Hoffnung, dass letztlich nur der Glaube hilft und siegt: Im Kreuz Jesu Christi wird Zukunft sein! "Wer glaubt, ist nie allein - im Leben nicht und nicht im Sterben!" (Benedikt XVI.)

Höchstadt, 20. Juni 2013

-Dekan und Stadtpfarrer-

Mitglieder der Kirchenverwaltung: Tanja Schwägerl
(Kirchenpflegerin)
Mitglieder des Pfarrgemeinderates Georg Walcher (Vorsitzender)
Mesner Konrad Wichert
Architekt Georg Leyh