Nicht immer gelingt das Zusammenleben mit einem Neugeborenen so, wie es sich Vater und Mutter gewünscht haben. Die Nerven werden oft bis zum Zerreißen strapaziert und dann hängt auch häufig noch der Ehesegen schief. Rat, aber auch Trost bietet in dieser Situation die "Babywerkstatt" in der Fortuna Kulturfabrik in Höchstadt, die unlängst zu einer Schreisprechstunde eingeladen hatte. Viele junge Mütter und ein Vater waren mit ihren Säuglingen gekommen, um sich beraten zu lassen.

Die drei Gruppenleiterinnen Gabi Andres (Familienkrankenschwester), Margit Höppner-Burgheim (Familienhebamme) und Gabriele Kröner (Diplom-Sozialpädagogin) wechseln sich jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat ab, um den jungen Eltern bei jedem Problem kostenlos mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. "Beim letzten Treffen vor 14 Tagen kamen so viele Fragen zum Schreien und schlechten Schlafen der Babys auf, dass wir uns entschlossen haben, heute eine Schrei-Sprechstunde anzubieten", sagte Gabriele Kröner zu Beginn des Treffens.

Die Pädagogin Nicole Geyer stellte sich all den Fragen der zum Teil beunruhigten Mütter. Die wichtigsten Sorgen drehten sich um die angemessenen Schlafzeiten eines Säuglings, ob man das Schreien aushalten soll, wie das Baby in den Wachphasen drauf ist, welche Schreiphasen es gibt und wie man der Situation Herr wird. Krankheiten, Hunger, Zahnen und volle Windeln sollten als Ursache schon vorher ausgeschlossen sein.

Jedes Problem müsse natürlich speziell behandelt werden, erklärte Nicole Geyer. Aber das Grundprinzip sei eigentlich immer gleich: Kinder spüren die Haltung der Mutter oder des Vaters. Sind die Eltern nervös, haben Stress und fühlen sich überfordert, wird das Kind leichter und häufiger schreien, als wenn sie mit Ruhe an die Sache gehen. "Es muss für euch Mütter und Väter alles passen, dann passt es auch fürs Baby", erläuterte Geyer. "Ihr müsst die Grundbedürfnisse eures Kindes in den ersten Lebensjahren adäquat erfüllen, was nicht bedeutet, dass ihr es verwöhnen sollt."

"Dass Babys schreien, ist ganz natürlich", stellte die Pädagogin klar. Wenn das Kind schreit, sollte man einfach dabei sein, seinen Schatz nicht alleine lassen, das Händchen halten, dann langsam die Hand wegnehmen und schrittweise immer mehr Abstand schaffen, erfuhren die besorgten Mütter. Wichtig sei es, diese Schritte unbedingt konsequent durchzuziehen.


Nach Ursachen suchen

Aber nicht nur die erfahrene Pädagogin gab viele Ratschläge, auch die Mütter tauschten sich untereinander aus und trösteten sich gegenseitig. Babys machen nun einmal verschiedene Entwicklungsphasen durch, und da gibt es auch oft Grund zum Schreien. Wichtig sei es auch zu reflektieren, was eventuell vor der "Schrei-Attacke" war, hörten die jungen Mütter.

Dass es kein vorgefertigtes Schema zur Lösung des Problems gibt, erkannten alle Teilnehmer gegen Ende der Sprechstunde. Wichtig sei es, dass sich die Mütter Freiraum für sich schaffen und sich selbst etwas Gutes tun, "dann fühlt ihr euch besser und dies überträgt sich auch auf euer Baby", so die Pädagogin.

Aufschlussreich war für alle die Erkenntnis, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind. Auch früher haben die Mütter schon ähnlich empfunden. Einen Trost gibt es: Es wird mit der Zeit besser und leichter.