Kaum sind die längst ausgeblichenen Plakate der Kommunalwahlen abgehängt, zieren schon wieder neue Gesichter und neue Slogans die Straßen. Und sie lassen erahnen: Der Wahl-Marathon ist noch nicht beendet. Mit der Wahl des Europäischen Parlaments am 25. Mai könnten künftig immerhin fünf Franken in Straßburg und Brüssel mitmischen, wenn es darum geht, regionale Interessen zu vertreten.

Einer von ihnen: Martin Kastler (CSU) aus Schwabach, seit 2008 Abgeordneter im Parlament: "Ich sehe mich als Vertreter Mittelfrankens und kann als Verantwortlicher vor Ort verstehen, was die Bürger brauchen." Viele Fördergelder konnten ihm zufolge bereits in Mittelfranken eingesetzt werden.
Sowohl im Forschungsbereich, beispielsweise in der Universität Erlangen oder im Fraunhofer Institut, als auch im ländlichen Raum - 100 Millionen EU-Mittel flossen unter anderem in Dorferneuerungen, Generationenhäuser, Tourismusprojekte oder Landschaftspflege. "Nicht zu vergessen das EU-Gütesiegel für den Aischgründer Karpfen", sagt Kastler. Der Abgeordnete hat mittlerweile ein Netzwerk mit Multiplikatoren aus verschiedenen Verbänden, mit denen er sich regelmäßig trifft. "Dort erfahre ich, was ihnen auf der Seele brennt."

Doch nicht nur auf regionaler Ebene bekommen wir EU-Gesetze zu spüren. Seit neuestem zum Beispiel auch, wenn wir im Ausland sind. Dort sind die Roaming-Gebühren, sobald man mit dem Handy im Internet surfen oder telefonieren möchte, nämlich deutlich gesunken - ein Beschluss des Europäischen Parlaments. Oder, um gleich beim Handy zu bleiben: "Ab 2017 wird es einheitliche Ladekabel für alle Handygeräte geben", kündigt Kastler an.

Und dennoch, das Interesse an Europawahlen ist gering, die Wahlbeteiligung im Landkreis lag 2009 bei gerade mal 47,3 Prozent. Warum ist das so? "Reisefreiheit, im Internet telefonieren, eine gemeinsame Währung - für viele ist das selbstverständlich. Sie sehen nicht die Mühe, die dahinter steckt, beispielsweise Umwelt- oder Lebensmittelstandards aufeinander abzustimmen", sagt Kastler. Früher habe das Parlament für viele Bürger vor allem Symbolcharakter gehabt - "heute ist es aber Gesetzgeber".

Am 25. Mai hat jeder Wähler eine Stimme. Gewählt wird nicht ein einzelner Kandidat, sondern eine von 24 Parteien. Bereits 200 Wähler haben in Höchstadt die Briefwahl beantragt. Gerhard Leicht, Leiter des Bürgerbüros, ist zuversichtlich: "Die Leute haben es jetzt drauf mit der Briefwahl." Statt acht Briefwahlbezirken wie bei den Kommunalwahlen gibt es diesmal vier, ansonsten 17 Wahllokale. Leicht rechnet mit einer Wahlbeteiligung von 40 Prozent.

Umfrage Auf unserer Facebook-Seite "infranken.de" wollten wir wissen, wer am 25. Mai wählen geht und ob die Wahl des Europäischen Parlaments überhaupt interessiert.Nachfolgend einige Kommentare

Doris H.: Bitte geht wählen. Bin eigentlich ein Wahlmuffel, aber die EU-Wahl ist schon wichtig. Da wird Zeugs besprochen, was uns alle betrifft.

Sabrina L.: Langsam nimmt es mit den Wahlen Überhand. Ändern wird sich auch weiterhin nichts. Ich gehe also nicht - jemand Interesse an meinem Stimmzettel? :o)

Alexandra G.: Ich werde wählen, freue mich aber auch, wenn dann erst mal Schluss ist mit Wahlen.

Torsten-Michael S.: Wählen ist die einzige direkte Möglichkeit der Einflussnahme auf die Politik. Wer das verpasst, sollte später auch nicht meckern. Briefwahl ist übrigens ganz easy und bequem.

Christina H.: Ich gehe wählen, auch wenn man sich bei dieser Wahl nicht so auskennt.

Stefanie M.: Gerade auf europäischer Ebene werden reihenweise Gesetze gemacht, die uns alle betreffen... eigentlich die wichtigste Wahl von allen! Leute, wacht auf und geht hin.

Sandra F.: Ganz ehrlich, das interessiert mich null. Das nervt nur noch. Es wird immer ewig viel versprochen und dann, wenn sie gewählt werden, passiert wieder nix!

Michael R.: Briefwahlunterlagen sind beantragt. Wenn ich schon Wahlwerbung der NPD sehe, kommt es mir hoch. Jeder, der nicht wählt, braucht sich hinterher nicht beschweren.