Die Uehlfelder Gemeinderäte hatten es am Freitag nicht leicht. Auf dem Tisch lagen drei Bauanträge der Firma Bayerische Asphaltmischwerke (BAM). Sie will ihre veraltete Anlage bei Tragelhöchstädt modernisieren, was im Ort auf Widerstand stößt.

Nach längerer Abwägung stimmte eine Mehrheit von neun zu fünf Räten dafür, dass die BAM zwei neue Bitumentanks und ein neues Verladesilo einbauen darf. Anders sah es beim Vorhaben zweite Zufahrt aus. Dieses wurde mit zehn zu vier Stimmen abgelehnt. Hier wollte offenkundig eine Mehrheit den Bedenken der Anwohnern Rechnung tragen.

Kontroverse über den Gestank

Die Kontroverse: Sinkt die Geruchsbelastung durchs Nachrüsten? Oder bedeutet es ein Mehr bei der Produktion, womit noch mehr Gestank einhergeht? Letzteres befürchten die Tragelhöchstädter. "Ich bin skeptisch, ob das für die Bürger einen Vorteil bringt", sagte Norbert Stoll (FW). "Der Standort ist für die Anwohner unerträglich", sagte Leonhard Dümmler (ÜWS).

Einige Bürger verfolgten die Sitzung als Zuhörer. Diese fand wegen der Coronaauflagen in der Veit-vom-Berg-Halle statt. Zwei Vertreter der BAM stellten ihre Pläne im Detail vor: Kurt Mahlein, Niederlassungsleiter aus Nürnberg, und Michael Buchberger, Leiter Umwelt und Genehmigungen, aus der Zentrale bei München.

Die Anlage gebe es seit 1970. Die bestehenden drei Bitumentanks von 1982 seien veraltet und unzureichend isoliert. In ihnen wird heißes Bitumen gelagert, der Klebstoff im Asphalt. Die zwei neuen Tanks, mit einem Drittel mehr Fassungsvermögen als die bisherigen, seien stärker isoliert. So spare man fast die Hälfte an Energie ein und stoße viel weniger aus.

Gefahr fürs Wasser gebannt?

Künftig wolle man elektrisch heizen. Damit falle die Verwendung von Thermalöl weg. Speziell im Wasserschutzgebiet ein großes Plus, so Buchberger, da das Öl im Fall einer Havarie potenziell wassergefährdend sei. Die Tanks könne man künftig so mit Bitumen befüllen, dass kein Gas mehr entweicht, was Gerüche minimiere.

Für die zweite Zufahrt über einen Weg neben dem Werk bat die BAM um Nutzungserlaubnis. Lkw müssten dann nicht mehr mit viel Lärm rangieren. Bisher können sie nur rückwärts ans Silo anfahren. Die Anwohner vermuten allerdings: bessere Zufahrt, mehr Lkw, mehr Asphalt, mehr Gestank.

Isolieren, abdichten, absaugen

Das geplante Verladesilo, Kapazität 320 statt bisher 190 Tonnen, sei doppelt so stark isoliert, erklärte Buchberger. Man wolle es dichter Einhausen und eine Absaugung einbauen, was Energie spare und Gerüche stärker daran hindere, in die Umwelt zu gelangen. "Ich will ehrlich sein", sagte der BAM-Vertreter. "Ein Asphaltmischwerk wird immer riechen." Eine Kaffeerösterei rieche nach Kaffee, eine Bäckerei nach frischem Brot. "Bei uns riecht es nach Asphalt." Ein Vergleich, der bei den Zuhörern aus dem Ort für Stirnrunzeln sorgte.

Aber er wolle auch ehrlich sein: "Wenn einer denkt, er fällt tot um, dann kann ich das nicht ernstnehmen", so Buchberger zur Angst von Anwohnern, die Abgase seien krebserregend. Alle Messwerte seien im Normbereich. Die Anlage werde vorschriftsmäßig regelmäßig geprüft. Auch das Wasserwirtschaftsamt habe Zustimmung zu den Anträgen signalisiert, was Gemeinderat Stoll lieber erst Schwarz auf Weiß gesehen hätte, bevor er entscheidet.

"Trotzdem stinkt's den Leuten", sagte Dümmler. "Meiner Meinung nach stimmt da was nicht. Entweder es wurde an der falschen Stelle oder zur falschen Zeit gemessen." Gerhard Winkler, Zweiter Bürgermeister (Grüne), nannte es "menschenfeindlich von den Gerüchen her." Anlieger seien "am Ende mit den Nerven". Angst vor Krebs? Er könne es nachvollziehen, sagte Gemeinderat Udo Schmidt (SPD).

Keine wirklichen Alternativen

Bürgermeister Werner Stöcker (CSU) trat für die Werkserneuerung ein, die eine deutliche Verbesserung für die Anwohner bringe. Er erinnerte an den "letzten Boykott" von 2004, als schon einmal eine Nachrüstung abgelehnt wurde. Damals sei die Chance vertan worden, die Anlage emissionsärmer zu machen. Die Bürger hatten damals jedoch vorwiegend gegen eine massive Vergrößerung protestiert.

Die BAM sei 2014 bereit gewesen, an einen anderen Standort umzuziehen, erinnerten Buchberger und Stöcker. Doch die Umsiedlung scheiterte. Niemand wollte die Anlage in der Nachbarschaft, auch nicht in einem Gewerbegebiet. Buchberger betonte mehrfach: Asphalt sei ein unverzichtbarer Baustoff - für jeden einzelnen Bürger im ganzen Land.

Die Anlage schaffe 130 Tonnen pro Stunde. Das sei genehmigt, das bleibe auch so. Die maximal zulässige Menge von 640 000 Tonnen jährlich würde aber nur zu einem Zehntel ausgeschöpft. Die Nachfrage in der Region gebe nicht viel mehr her, so Niederlassungsleiter Mahlein. Das Mischprodukt Asphalt muss warm geliefert werden. Das begrenze den Marktradius automatisch. Obwohl in den nächsten drei Jahren wegen des A 3-Ausbaus vorübergehend mit Mehrausstößen zu rechnen sei. Auch um die anderen Werke zu entlasten, so Mahlein.

In der Zwickmühle

Stoll wies auf die Zwickmühle hin, in der sich die Gemeinderäte befänden. Sollten sie ablehnen, gehe es weiter wie bisher. Sollten sie zustimmen, werde die Laufzeit des Werks verlängert. "Sie müssen sich davon verabschieden, dass Sie diese Anlage kaputtverhindern", sagte BAM-Mann Buchberger in die Runde. Es gebe eine Betriebserlaubnis, so oder so. Walter Prechtel (BB) sagte, er verstehe die Unternehmersicht. "Betriebe haben ein Anrecht, objektiv behandelt zu werden." Aus seiner Sicht stellten die Bauanträge kein Problem dar. Ähnlich Friederike Wio (CSU/FB), die für Nachrüstung sei, statt es zu lassen, wie es ist.

Letztentscheidung: Landratsamt

Obwohl eine Werkserneuerung ohnehin unabwendbar schien. Denn egal wie der Gemeinderat entscheidet: Sehr sicher hätte das Landratsamt Neustadt als höhere Genehmigungsbehörde die Anträge sowieso durchgewunken. "Es ist bitter für die Leute, die daneben wohnen. Leider haben wir es nicht in der Hand", sagte Winkler. Er schlug einen Kompromiss vor. Neue Bitumentanks und Silo: ja, zweite Zufahrt: nein. Und so kam es.

Danach machte sich bei den Anwohnern Resignation breit. Man habe sich gedacht, dass es so kommt. Immerhin, so eine Bürgerin, sei dem Werk mit der verweigerten zweiten Zufahrt vorerst ein kleiner Stein in den Weg gelegt worden.