Was will Wachenroth? Das scheinen die Zuständigen im Landratsamt besser erahnen zu können als die Gemeinderäte. Den Eindruck kann man zumindest bekommen, wenn man sich mit dem Werdegang des Bauantrags von Frank Neuner und Michaela Weishaupt befasst.
Das Paar möchte sich im Wachenrother Ortsteil Warmersdorf mit einem sogenannten Erdhügelhaus einen ganz individuellen Wohntraum erfüllen.
Die beiden haben sich bereits ausgiebig mit der Bauweise befasst, Angebote eingeholt und mit Eigentümern ähnlicher Bauprojekte Kontakt aufgenommen.
Der Landschaftsgärtner und die Siemens-Angestellte wohnen momentan noch in Fürth in einer Stadtwohnung. Doch der Traum vom naturnahen Leben auf dem Land steckt derzeit in der Bürokratie fest. Die Gemeinde hat ihnen keine Steine in den Weg gelegt. Den Bauantrag des unkonventionellen Projekts haben die Gemeinderäte sogar zweimal gebilligt. Einstimmig.
Doch anscheinend darf nicht sein, was auf dem Papier nicht vorgesehen ist. Denn das Bauamt des Landratsamts Erlangen-Höchstadt hat bei seiner Prüfung festgestellt: Das Erdhügelhaus verstößt gegen den Bebauungsplan, den sich die Gemeinde gegeben hat. Und da sich darin der "planerische Wille der Gemeinde" widerspiegle, so die Begründung des Bauamts an die Bauherren, könne der Antrag nicht genehmigt werden. Gemeinderatsbeschluss hin oder her.
"Erst einmal war ich schon ziemlich geschockt", sagt Frank Neuner angesichts der formaljuristischen Begründung. Doch was zunächst wie eine feste Entscheidung klang, kristallisierte sich schnell als vielleicht doch noch machbar heraus. Nach einem Telefonat mit dem Amt scheinen sich die Wogen geglättet zu haben.


Protest aus der Gemeinde

Das dürfte auch am Protest der Gemeinde liegen, den diese ans Landratsamt gerichtet hat. "Rechtlich ist das natürlich alles korrekt", räumt Wachenroths Bürgermeister Friedrich Gleitsmann (CSU) ein. Ja, es es entspreche in fünf einzelnen Punkten nicht dem Bebauungsplan: Dachform, Dachneigung, Dachdeckung, Baugrenze Wohnhaus und Baugrenze Stellplatz.
Was Gleitsmann aber nicht nachvollziehen kann, ist, dass keine Ausnahme vom Bebauungsplan gemacht werden könne. Vor allem wenn der Gemeinderat einstimmig dafür ist. Abweichungen seien häufiger in der Vergangenheit schon problemlos genehmigt worden. "Bisher hat es damit doch auch keine Probleme gegeben", sagt Gleitsmann. Würde man den Bebauungsplan ändern, wäre das Erdhaus sofort genehmigungsfähig. Doch das ist ein komplexes Verfahren, das einen unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten würde. Umliegende Gemeinden müssten erst wieder ihre Stellungnahmen abgeben. "Übertriebenen Bürokratismus wollen wir doch verhindern", so Gleitsmann.


Auf die Palme gebracht

Einer, den die Argumentation des Landratsamts mächtig auf die Palme gebracht hat, ist Gemeinderat Andreas Pohle (SPD). Er stellt sich hinter das Paar, das in Warmersdorf bauen möchte und spricht von einer "Hardlinerposition" der Verwaltung.
Für ihn stelle sich die Frage: "Wie bürgernah ist denn unser Landratsamt? Ich erwarte von einem Bauamt einen Hinweis, wie ich das Problem lösen kann. Früher hätte man versucht, eine Lösung zu finden. Warum ist man nun so kompromisslos?" Pohle hat seinem Unmut beim Amt auch schriftlich Ausdruck verliehen.
In diesem Zuge wurde klar: Es habe sich wohl von Anfang an um ein Missverständnis gehandelt, wie das Bauamt betont. Denn das Schreiben an die Erdhügelhausbauer sei mitnichten eine finale Ablehnung des Bauantrags gewesen. Dies bekräftigt auf Nachfrage des FT auch Hannah Reuter, Sprecherin des Landratsamts: "Es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Man wird eine Lösung finden."
Wie Bürgermeister Gleits-mann mitteilt, werde es bald ein gemeinsames Treffen mit Bauherren und Bauamt geben. Frank Neuner ist erleichtert, da mit dem ersten Schreiben seine Pläne für das Erdhaus erst einmal begraben schienen. Wie eine Lösung nun aussehen kann, wird sich herausstellen. Vielleicht besteht die Möglichkeit, den Bebauungsplan nur für diesen Straßenzug (Stangenlohe) in einem vereinfachten Verfahren zu ändern.


Bungalow mit Flachdach?

Oder aber man ändert einfach den Titel des Antrags und nennt das ganze Projekt zum Beispiel "Bungalow mit Flachdach und Begrünung darauf". Falls es juristisch alleine an der Wortwahl liegt, dürfte das das geringste Problem sein.