Die Lehrer sitzen doch so oder so bis zum letzten Tag der Sommerferien auf dem Campingplatz in Italien. Ein böses Klischee. Das wird deutlich, wenn man sich zum Ende der Ferienzeit in die Schule begibt.

Denn in Höchstadts Schulen herrscht eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres geschäftiges Treiben. Stempeln, bekleben, katalogisieren: Juliane Holzner und Silke Budnikov stehen vor einem Tisch voller Büscherstapel. Mathe, Englisch, Naturkunde, Deutsch. Die beiden Lehrerinnen sind für die Lehrmittelverwaltung zuständig. "Das fängt schon im Juli an, wenn wir die alten Bücher überprüfen, Schäden zählen und auflisten, was neu bestellt werden muss", erklärt Budnikov.

Mehr als tausend neue Bücher müssen an der Ritter-von-Spix-Mittelschule bis zum Schulstart am Dienstag so geordnet sein, dass bei der Ausgabe an die derzeit 593 Schüler kein Chaos entsteht.

Der Etat für neue Schulbücher sei mit 30.000 Euro heuer besonders hoch, sagt Rektor Michael Ulbrich. Im vergangenen Jahr seien es nur 20.000 Euro gewesen. Das liege daran, dass im kommenden Schuljahr ab der fünften Jahrgangsstufe ein neuer Lehrplan gilt. "Da werden natürlich Massen an neuen Büchern nötig", sagt Ulbrich.


Ausgefranst und durchgebüffelt

Alte verschlissene Bücher werden ausgesondert. Nach fünf Schuljahren sei ein Buch kostentechnisch abgeschrieben. Es gebe aber auch Bücher, die sieben bis acht Jahre benutzt werden. Und was passiert mit den alten? Die werden unter anderem bei Elternabenden zum Mitnehmen ausgelegt.

Dass die Bücher aber überhaupt in Höchstadts Schulen landen, dafür sorgt Elke Reit-mayer von der Höchstadter Bücherstube.

Sie hat sich um den öffentlich ausgeschriebenen Auftrag von Stadt und Landkreis beworben und beliefert alle Höchstadter Schulen. Gymnasium, Realschule, Grundschulen, Mittelschule, Förderzentrum, Berufsschule: Rund 4000 Bücher habe sie heuer in Dutzenden der grauen Plastikwannen vom Buch-Großhändler an die Schulen ausgeliefert. Ein schweißtreibender Job für sie und ihr Team. Grobe Arbeitshandschuhe sind hierbei ratsam.
Ein guter Deal für die Buchhandlung am Vogelseck? Er könnte besser sein, sagt Reit-mayer. Denn sie muss für den öffentlichen Sammelauftrag einen festen Prozentsatz an Rabatt gewähren. Dies ist in der gesetzlichen Buchpreisbindung geregelt.

Die Marge, die sie vom Großhändler eingeräumt bekommt, werde dadurch ein großes Stück aufgezehrt. Doch sie wolle nicht jammern. "Mir als örtlicher Buchhandlung ist ein guter Draht zu den Schulen wichtig", sagt Reitmayer.


Sind Schulbücher altmodisch?

Bücher zum Anfassen, so richtig mit Papier und so: Ist das in der digitalen Zeit von Internet und Tablets nicht rückständig? Braucht man Schulbücher überhaupt noch? Rektor Ulbrich, mit dieser provokanten These konfrontiert, ist sich sicher: "Die Arbeit mit Büchern und Heften ist essenziell wichtig."

Eine moderne Schule, die Internetzugang in jedem Klassenzimmer hat, brauche auch noch Papier. Digitale Medien seien sinnvolle Ergänzungen, aber kein Ersatz für klassische Schulmedien. Auch die klassische grüne Tafel habe lange nicht ausgedient, sagt Ulbrich, der in der Woche vor Schulbeginn gut beschäftigt ist.

Da ist nicht nur die Schulbuchanlieferung. Auch der Stundenplan will ausgetüftelt sein. Zugezogene Schüler melden sich noch an. Die Mittagsbetreuung muss organisiert werden. Bald gibt es die erste Lehrerkonferenz des neuen Schuljahres. Von wegen Campingplatz bis zum Ende der Ferien.