Meist ausverkauft, wurde das 7. und letzte Sinfoniekonzert der Saison am Landestheater Coburg in doppelter Aufführung angesetzt. Allerdings geriet der Sondertermin am Samstag im Hinblich auf den Zuschauerandrang eher intim, wie Generalmusikdirektor Roland Kluttig in seinen humorigen Begrüßungsworten anmerken musste. Das äußerst packende und zugleich stimmige Programm ist am Montag, 12. Juni, im regulären Rahmen zu erleben.
Kluttig spannte einen interessanten Bogen zwischen den Komponisten des Abends: Antonin Dvoràk, Béla Bartók und dem in Ahorn lebenden Gerhard Deutschmann. Effektvoll und spritzig stand dessen "Scherzo" am Beginn eines fulminanten Konzertabends, das später die Brücke zu Bartók schlagen sollte. Das wirbelnde Thema zieht sich mit ungezügelter Spielfreude, immer wieder kontrastreich, unterstrichen von gelungenen Soloeinsätzen des Orchesters, durch das ganze Stück und gipfelte in majestätischer Brillanz.
Er ist einer der ganz Großen: der Cellist Norbert Anger. Auf zahlreichen internationalen Konzertpodien zu Hause, gleichzeitig Konzertmeister der Violoncelli der Staatskapelle Dresden und seit 2015 Solocellist der Bayreuther Festspiele. Er spielt auf einem Montagnana-Cello von 1721.


Tiefe Sehnsucht

In Coburg interpretierte er mit Dvoràks Cellokonzert eines der anspruchsvollsten Werke für dieses Instrument und betonte mit intensivster, schattierungsreicher, lyrischer Ausdruckskraft einmal mehr tiefe Sehnsucht, Leidenschaft und Traurigkeit des im freiwilligen Exil in New York lebenden Komponisten, dessen Wahlspruch lautete: "Gott, Liebe und Vaterland! Und nur das führt einzig zu einem glücklichen Ziel."
Dynamisch vielschichtig von bezaubernder Traurigkeit bis hin zu großem Expressivo verströmte Angers Spiel große Beseeltheit, immer lebendig dialogisierend eingebunden in den Orchesterpart. Mit den berückenden Schlusstakten stand große Sehnsucht im Raum, die erst nach kleiner Stille begeisterten Applaus zuließ. Ganz hinreißend zelebrierte der Künstler als Zugabe die Sarabande aus der dritten Suite von Bach.


Mit großer Gestik

Auch Béla Bartók lebte im Exil in den USA, jedoch nicht freiwillig und nur wenig beachtet. Neue Werke wollte er keinesfalls komponieren. "Ich schreib euch was Brillantes" gab er dann doch der Anfrage der Koussevitzky-Stiftung zur Antwort, und nach 44 Tagen war das Konzert für Orchester fertiggestellt. 1944 gelangte es zur Uraufführung und wurde von dem Dirigenten Serge Koussevitzky als "bestes Orchesterwerk der letzten 25 Jahre" bezeichnet.
Temperamentvoll und mit großer Gestik lässt Kluttig hier den musikalischen Funken Bartóks auf das Orchester überspringen Die typischen Klangfarben und die unregelmäßige Rhythmik des fünfsätzigen Werkes faszinierten vor allem im spielenden Wechsel der einzelnen Instrumentengruppen, wobei am Samstag die Holzbläser im Besonderen gefielen. Diesem "Spiel der Paare" folgten tonschöne Blechbläserpassagen. Unendliche Traurigkeit verströmte das herrliche Thema der Bratschen. Das Werk erfährt eine lebensbejahende Wendung. Sehr lebendig gelangen die Persiflage des Lehár-Zitats und das brillante Feuerwerk, in das immer wieder elegische Tonfolgen eingeflochten sind.
Exzellente Teamarbeit präsentierte das Orchester mit seinem Dirigenten Roland Kluttig, der mit straffen Zugriff für eine spannungsvolle und lebendige Interpretation sorgte. Stürmischer Beifall für einen bemerkenswerten Konzertabend.