Mittagspause im Homeoffice. Das schreit nicht gerade nach Abenteuer. Aber warum eigentlich nicht? Kathrin Planner und Christiane Olgemöller nutzen hin und wieder die Stunde für den ganz persönlichen Kick. Die Diplomdesignerin und die HUK-Angestellte, Freundinnen seit über 13 Jahren, packen gegen 11 Uhr ihre Taschen. Im Gepäck, ein Hammer am Stil, kochend heißes Wasser, verschließbare Plastikbeutel, Bademantel und Yogamatte. Ein kurzes Bad im Eis ist angesagt.

Draußen hat es minus acht Grad. Der Weg zum Teich führt durchs Gestrüpp, doch die kleinen Pfade sind bereits ausgetreten. "Wir waren schon zwei mal hier", erzählt Kathrin Planner. Beim ersten Mal hatten sie einen Flachmann mit Marillenlikör dabei. Zum Aufwärmen danach. Doch das braucht es diesmal nicht. Die Frauen wissen, dass es ihnen danach ganz warm und kribbelig wird.

Sie breiten ihre Matten aus und beginnen am Ufer ein Loch ins Eis zu schlagen. Neulich war die Eisschicht nicht so dick. Gute zehn Zentimeter sind jetzt mit dem Haushaltshammer am Stiel nicht zu bezwingen.

(Gut, dass ich einen Eispickel eingepackt habe. Man weiß ja nie...) Mit vereinten Kräften schlagen wir ein "Sprungloch" frei. Dann geht alles ganz schnell: Die beiden ziehen sich aus und nähern sich bibbernd der Herausforderung. "In der Sauna kann ich mich nie eiskalt abduschen", sagt Kathrin. Auch Wechselduschen am Morgen hören bei ihr beim Bauchnabel auf.

Aber jetzt, hier, ins eiskalte Wasser abtauchen - nur für ein paar Sekunden: "Das ist unglaublich. Einfach wunderbar, wie plötzlich alles machbar scheint."

Auch Christiane nennt das Eisbaden eine Grenzerfahrung, die sie nicht mehr missen möchte. "Ganz im positiven Sinne." Beide finden es erstaunlich, was der Körper aushält, was man ihm zumuten könne. Sie wundern sich nicht, dass Eisbaden gerade groß im Trend liegt. (Auf unserer Boulevardseite berichteten wir am Montag über die eisige Badeszene.)

Und dann atmen beide tief ein und wagen es. Ein kleines Stöhnen, ein Freudenschrei, eintauchen, auftauchen, Daumen in die Höhe, ein Lachen in die Kamera - und schnell wieder raus. Geschafft. Glücklich. Überaus glücklich.

Keine kalten Füße kriegen

Jetzt gilt die ganze Aufmerksamkeit den Füßen. "Die sind nämlich schon ganz schön kalt", sagt Kathrin Planner und holt die mit heißem Wasser gefüllten Plastikbeutel aus ihren Schuhen. Christiane nutzt kleine Plastikflaschen. Es ist eine Wohltat und wärmt beide schnell auf. Abgetrocknet und im Bademantel schauen sie zufrieden auf den ruhenden See. Sie umarmen sich kurz und überlegen, was am Nachmittag auf dem Terminplan steht. Christiane meint, eigentlich könnte sie jetzt noch mal rein. Aber nein, sie freut sich aufs nächste Mal.

Andere Sachen machen, besondere Erfahrungen, das verbindet die Freundinnen. Christiane, überzeugte Veganerin, ist im vergangenen Jahr zusammen mit ihrem Sohn den Rennsteig abgelaufen. Sie fastet auch immer mal wieder streng. Eine Wochen ohne Essen, das halte sie aus. Jetzt aber freut sie sich auf Hirsebrei mit Gemüse.

Kathrin Planner lacht und denkt an ihre Lasagne. Die 41-Jährige mit der Rastafrisur steht auf Standup-Paddeling im Winter. Was es alles gibt.