Zwölf Zeugen hatte Vorsitzender Richter Gerhard Amend bis zur Mittagspause antreten lassen, alle entweder als Schlachter oder Klassifizierer im Coburger Schlachthof tätig. Alle arbeiteten sie für Dellert, sei es als direkt angestellt, sei es über eine Zerlegerei.

Die Aussagen klangen mehr oder weniger gleich: Ja, man habe mehr Fett weggeschnitten, als die Schnittführungsverordnung vorsah; ja, das geschah auf Anweisung von Ludwig Dellert selbst. Dellert ist der Hauptangeklagte in dem Prozess. Er betrieb bis Sommer 2013 eine Fleischhandels- und Zerlegefirma im Coburger Schlachthof. Er ließ das Vieh anliefern, das dann von Mitarbeitern des städtischen Schlachthofs getötet und halbiert wurde. Nach der Fleischbeschau ging das Fleisch an Dellert und andere Metzger über, die im Schlachthof schlachten ließen.

Dellert soll allerdings seine Lieferanten und Kunden betrogen haben. Kunden, indem er "Rindfleisch ausgelöst" verkaufte, das eigentlich als "nicht genusstauglich" eingestuft war. Doch das wussten die Kunden nicht, denn die entsprechenden Stempel fehlten. Das Fleisch stammte aus Keulen, die zum sogenannten "Konfiskat" gehörten. Dellert durfte allerdings in seinen Schlachträumen noch das als tauglich eingestufte Fleisch abschneiden. Schon das war an anderen Schlachthöfen so nicht üblich, wie Zeugen am Mittwoch aussagten. Nach dem Abvierteln hätten die Keulen eigentlich unter der Aufsicht der Amtstierärzte entsorgt werden müssen, doch das geschah nicht. Deshalb sind auch der frühere Leiter des Coburger Schlachthofs, Michael Klein, und seine Frau, die als Amtstierärztin tätig war, der Beihilfe zum Betrug angeklagt.

Die Lieferanten soll Dellert betrogen haben, indem er vorm Wiegen mehr Fleisch und Fett abschneiden ließ, als zulässig war. Doch schon am ersten Prozesstag hatte Dellert betont, dass er damit niemandem geschadet habe. Zum einen hätten die Händler und Landwirte davon gewusst, zum anderen hätten sie bei ihm einen besseren Preis erhalten als andernorts. Zwei Zeugen, selbst als Klassifizierer tätig, bestätigte, dass die vom Oberflächen- und Brustfett befreiten Schlachtkörper in eine bessere (und damit teurere) Fettklasse rutschten.

Interessant auch: Wie viel Fett zuviel jeweils weggeschnitten wurde, lässt sich nur schätzen. Darüber gibt es keine verlässlichen Daten.

Am Nachmittag soll als Sachverständiger Professor Michael Bülte gehört werden vom Institut für tierärztliche Nahrungsmittelkunde in Gießen.