Viele Jahrzehnte war die Fichte ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für die Waldbewirtschaftung. Heute sieht es anders aus. Der schnellwachsende Baum (etwa 30 Zentimeter pro Jahr) wird für viele Waldbesitzer zunehmend zu einem Klotz am Bein. Das liegt nicht am Baum an sich, sondern am Kupferstecher und Buchdrucker, Borkenkäferarten, die der Fichte zunehmend den Garaus machen. Durch die extreme Trockenheit kann die Fichte nicht mehr genug Harz ausbilden, um sich gegen das Eindringen der Käfer zu wehren, und ist damit einem Befall durch diesen schutzlos ausgeliefert. Die einzige wirksame Maßnahme ist, befallene Bäume sofort aus dem Wald zu entfernen. Geschieht das nicht, verlassen über 20000 Käfer eine befallene Altfichte. Diese können wiederum Nachbarbäume befallen, aus denen dann 400000 neue Käfer ausschwärmen.

Durch die Entnahme von sogenanntem Käferholz wird jedoch der Markt mit Holz überschwemmt, was zu einem enormen Preisverfall führt. "Geld wird mit Fichten nicht mehr verdient", betonte der Vorsitzende der Coburger Waldbauernvereinigung (WBV), Wolfgang Schultheiß, bei einer Waldbegehung, zu der die WBV etliche Politiker aus der Region eingeladen hatte. Nur MdL Martin Mittag (CSU) und Christian Gunsenheimer (FW) als Vertreter des Landrates und Klimaschutzbeauftragter des Landkreises hatten die Einladung angenommen.

Holzpreis ist stark gefallen

Dass die Situation der Waldbauern nicht "Jammern auf hohem Niveau" sei, machte Schultheiß deutlich, als er vor Augen führte, dass der Preis für einen Festmeter Holz von 90 Euro auf 25 Euro gefallen sei. "Minderwertige Sortimente und Hackschnitzel sind nicht mehr zu verkaufen", resümierte der Vorsitzende weiter. Als Beispiel nannte er die Biomasse GmbH, die von den WBV aus Lichtenfels, Coburg und Kronach betrieben wird. Nachdem drei Hauptabnehmer weggefallen sind und Fördermöglichkeiten auslaufen, sei der Umsatz von einer Million Euro auf 300000 Euro gesunken, sagte WBV-Geschäftsführer Manfred Herter. Es werde deshalb überlegt, die GmbH aus wirtschaftlichen Gründen aufzulösen.

Wie extrem die Kalamität fortgeschritten ist, zeichnete Schultheiß an konkreten Zahlen auf. So wurden 2017 in der Bundesrepublik sechs Millionen Festmeter Käferholz geschlagen. Ein Jahr später waren es schon elf Millionen Festmeter. Im vergangenen Jahr mussten 32 Millionen Festmeter Käferholz dem Wald entnommen werden. "Es verwundert nicht, dass der eine oder andere Waldbesitzer den Kampf gegen den Borkenkäfer aufgegeben hat", fasste Schultheiß die brenzlige Situation zusammen.

Der Wert des Waldes für das Klima

Kampflos will die WBV dem Borkenkäfer nicht das Terrain überlassen. Dafür ist der Wald nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern auch als Klimaschützer zu wertvoll. Schultheiß rechnete vor, dass der Coburger Wald etwa 200000 Tonnen Kohlenstoffdioxid ( ) bindet. Dies entspreche dem Ausstoß von rund 100000 Personenkraftwagen. Nicht mit Zahlen zu erfassen ist der Wert des Waldes für den Naturschutz, zur Kühlung bei Hitzewellen und als Erholungsgebiet.

Auf dem Papier sehe es leicht aus, befallene Bäume aus dem Wald zu entnehmen. "Aber wer will für seine Arbeit noch Geld mitbringen?", fragte der Vorsitzende. Ein weiteres Problem sieht der Geschäftsführer der WBV Coburg, Manfred Herter, darin, dass es nichts nutze, wenn Einzelne ihren Wald durchforsten, dies aber dies bei angrenzenden Grundstücken geschehe, weil der Besitzer dies nicht könne oder wolle. Wolfgang Schultheiß sprach sich für einheitliche Regelungen aus und wünschte sich Anreize in Form von Förderungen. Als Beispiel nannte er den Frankenwald. Hier könnten private Waldbesitzer beim Freistaat Bayern eine Unterstützung für die Beseitigung von Käferholz in Höhe von 30 Euro je Festmeter beantragen. Werde das Holz im Wald gehäckselt, betrage der Zuschuss sogar 50 Euro je Festmeter. "Warum die Waldbesitzer in Restfranken gar nichts bekommen, müssen die Wahlkreisabgeordneten ihren Waldbesitzern selbst erklären", merkte Schultheiß kritisch an. Er forderte, dass auch die WBV Coburg eine solche Förderung erhalten möge.

"Kein Gift im Wald"

Christian Gunsenheimer betonte: "Es geht gar nicht, dass ein Gebiet gefördert wird und das andere nicht." Man sprach über die Lagerung des Schadholzes (mindestens 500 Meter Abstand zum nächsten Fichtenbestand) und über eine mögliche Behandlung mit Insektiziden. "Viele Waldbesitzer haben aber hier Hemmungen und wollen sich nicht nachsagen lassen, dass sie Gift im Wald verwenden", sagte Schultheiß.

Das nächste Problem, das die WBV sieht, ist die Wiederaufforstung und Verjüngung des Waldes. Unklar ist der WBV, mit welchen Hölzern diese erfolgen soll. Junge Triebe sind außerdem Leckerbissen für Rehe. Eine Lösung wären Zäune um Neuanlagen. Dies müsste mit finanzieller staatlicher Unterstützung erfolgen, sagte Schultheiß. Weiter nahm er auch die Jäger in die Pflicht und forderte eine Reduzierung des Wildbestandes durch eine höhere Abschussquote. Ein dickes Lob sprach er in diesem Zusammenhang den Revierleitern aus. "Sie arbeiten am Limit", unterstrich Schultheiß. "Abschüsse allein lösen das Problem nicht", betonte MdL Martin Mittag.

Um den Wert des Rohstoffes Holz zu steigern, forderte der Vorsitzende die Politik auf, sich dafür stark zu machen, dass vermehrt Holz statt Beton als Baumaterial zum Einsatz kommt. "Das Klimaschutzkonzept des Landkreises hat Wald und Holz als Baustoff zum Klimaschutz noch nicht erkannt", kritisierte Schultheiß. Christian Gunsenheimer widersprach Schultheiß hier nicht.

Im Hinblick auf den Klimawandel malte Gunsenheimer ein düsteres Bild: "Wo wir jetzt stehen, das ist ein Problem der nächsten 100 Jahre."