Am frühen Samstagmorgen möchte Silvia Jacobsen gerade die drei Hunde in den Hinterhof ihres Hauses lassen, damit sie ihr Geschäft verrichten können. Als sie nach draußen sieht, erkennt sie eine Gestalt, die über den Hof läuft. Das ist der Nachbar der Jacobsens, der auf dem Weg zur Arbeit gelegentlich über den Hof der Familie abkürzt. Gut, das er es in dem Moment tut...

"Habt ihr euren Hunden gerade Wurst gefüttert?", ruft er Silvia zu und deutet vor sich auf den Boden, wo nun ein zertretenes Stück Wurst auf dem Hof liegt. Silvia verneint verwundert. Bei genauerem Hinsehen stellt sich jedoch heraus: Es handelt sich um einen Giftköder. Insgesamt vier Stücke Wurst, ausgehöhlt und mit blauen und roten Kügelchen gefüllt, findet die Familie dann auf dem Hof. Versteckt unter Holzscheiten oder in einer Lücke zwischen Mauer und Einfahrt.

Die Jacobsens fahren sofort mit den drei Hunden zur Tierärztin. Dort werden die Tiere untersucht und bekommen vorsorglich Brechmittel, sollten sie doch etwas von dem Gift geschluckt haben. Die Tierärztin hat die Kügelchen später als Rattengift identifiziert, sagt Martin Jacobsen. Es soll schon in einem der vier Stücke Wurst genug Gift gewesen sein, um ein Pferd ums Leben zu bringen.

Einer der Hunde hatte offenbar sogar etwas von dem Gift gegessen, ihm ging es mehrere Tage schlecht.

Die Polizei haben die Jacobsens ebenfalls verständigt. Es wurde ermittelt, auch auf anderen Grundstücken in der Umgebung und auf der Straße nach weiteren Giftködern oder Spuren gesucht - die Beamten seien allerdings nicht fündig geworden. Die Familie Jacobsen macht sich nun große Sorgen. Sie wohnt mittlerweile schon seit 12 Jahren mit ihren Kindern und drei Hunden in Ebersdorf. Noch nie hatten die Jacobsens Streit mit Nachbarn und noch nie sei irgendetwas in die Richtung passiert.

"Ich kann seitdem nachts nicht mehr gut schlafen", sagt Silvia. Jeden morgen macht sie einen Rundgang über den Hof, bevor sie die Hunde nach draußen lässt, aus Angst, dass sich der Vorfall wiederholt.

Ob es sich nun um einen gezielten Angriff auf die Hunde der Familie Jacobsen handelte, oder ob der Täter die Giftköder willkürlich über ihr Hoftor geworfen hatte, kann bisher weder die Familie noch die Polizei einschätzen. Sicher ist nur: Der Vorfall ist kein Einzelfall.

Gift, Nägel oder Klingen

Immer wieder werden Hundeköder gefunden, ob in Gärten, im Park oder am Wegesrand. Rattengift ist eine gängige Methode. Aber auch in Hackbällchen oder Wurst versteckte Nägel oder Rasierklingen wurden schon entdeckt.Am vergangenen Freitag fand eine Spaziergängerin auf einer öffentlich zugänglichen Wiese am Ortsrand in Scherneck einen weiteren Giftköder. Die Finderin ruft ebenfalls sofort die Polizei.

Über die Beweggründe der Täter kann nur gemutmaßt werden: Generelle Abneigung gegenüber Hunden oder ein Groll, der gegen einen bestimmten Hund oder seine Besitzer gehegt wird. Viele Menschen sind verärgert über zu lautes Bellen der Vierbeiner oder über Hundehaufen auf Wegen und Straßen, die nicht entfernt werden. Oder über Hunde, die von ihren Besitzern nicht an der Leine geführt werden.

"Mich stört das ja als Hundehalter selbst und der Ärger ist berechtigt. - Doch das Töten eines unschuldigen Tieres geht definitiv zu weit", sagt eine Anwohnerin in Scherneck, die bereits von dem Vorfall am Wochenende gehört hat. "Wenn sich jeder an die Regeln halten würde, dann hätten wir das Problem auch nicht", mutmaßt sie und appelliert damit an die Hundebesitzer, sich verantwortungsbewusster zu verhalten um solchen Vorfällen vorzubeugen. Es gebe in Deutschland sowohl in der Stadt als auch auf dem Land eine Leinenpflicht, an die man sich eigentlich halten müsse. Auch sind Hundetütenspender mittlerweile weit verbreitet, und aus Respekt gegenüber seinen Mitmenschen solle man darauf achten, Wege sauber zu halten.

"Wenn man das mit den Giftködern weiß, liegt es an mir, meinen Hund zu schützen", sagt eine andere Anwohnerin. Das Tier könne ja nicht wissen, dass das Stück Wurst tödlich sein kann. Wenn man dann allerdings einen Giftköder finden sollte, sei es vor allem wichtig, dass eine solche Information so schnell wie möglich die Runde mache, so dass andere Hundebesitzer wissen, dass sie vorsichtig sein sollten. Man sollte den Giftköder dann einsammeln und sofort die Polizei verständigen.

Warnungen im Internet

Möglichkeiten, vor Giftködern zu warnen, gibt es mittlerweile auch im Internet. Auf Seiten wie "GiftköderRadar" oder Apps wie "Dogorama" zum Beispiel können Haustierbesitzer den Fuundort und die Fundzeit solcher Köder angeben.