Es ist knapp vier Wochen her, da erkundigten wir uns bei den Bäderbetrieben der Region, ob es denn in irgendeiner Weise unliebsame Zwischenfälle mit Flüchtlingen gegeben habe. Es gab keine. Nun taucht die Meldung auf, dass es einen Übergriff gegeben habe.



Es ist eine Meldung auf einer Facebook-Seite, die ihren rechtspolitischen Hintergrund nicht verbirgt. Eine Augenzeugin wird erwähnt, die selbst gesehen habe, wie der Täter von der Polizei abgeführt wurde. Und natürlich wird der Vorfall von der Polizei unter den Tisch gekehrt und natürlich schweigen die Medien. Nein, sie schweigen nicht. Sie berichten nur nicht, wenn es nichts oder noch nichts zu berichten gibt.


Polizei ermittelte


Tatsächlich gab es einen Vorfall. Das bestreitet die Polizei nicht. Das bestreitet auch Jörn Pakoßnik-Kirchner nicht, der das Coburger Aquaria leitet. Es gab einen Vorwurf. "Wir sind damit sensibel umgegangen und haben die Polizei eingeschaltet", bestätigt er. Die Polizei will sich in so einem Fall auch nicht vorwerfen lassen, zu wenig zu tun. Daher übernahm die Kriminalpolizei die Ermittlungen. Doch berichtet wird erst, wenn diese Ermittlungen zu einem Ergebnis geführt haben. Dann werden die Medien informiert und dann informieren die Medien. Wenn wir jetzt berichten, dann berichten wir über Gerüchte.


Was sagt das Presserecht?


Die gern in den sozialen Medien gescholtenen Medien erkennen den Kodex des deutschen Presserates an und arbeiten danach. Sie unterliegen dem Presserecht. Das heißt, sie können per Gesetz zu einer Gegendarstellung oder einer Berichtigung gezwungen werden. Für Leute, die in sozialen Netzwerken verbreiten, was sie gern als Wahrheit hätten, gilt das nur sehr eingeschränkt.


Ermittlungen noch nicht abgeschlossen


Im "Fall" des Coburger Aquaria sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Also wird die Polizei nicht behaupten, es sei nichts gewesen, sie wird aber auch nicht verbreiten, es sei etwas passiert. Dass sie über das Ergebnis informiert, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, das fordern die Medien ein. In diesem Fall werden wir etwas tun, was dem Grundsatz widerspricht, den Rudolf Augstein einmal für den Spiegel aufgestellt hat.

"Schreiben, was ist!" Das hat er von seinen Redakteuren verlangt. Es bringt auf den Punkt, was die Aufgabe der Medien ist. Enthalten ist aber auch der Umkehrschluss: Nicht schreiben, was nicht ist. Im "Fall" des Coburger Aquaria werden wir auch berichten, wenn am Ende der Ermittlungen steht, dass es keine strafbare Handlung gegeben hat.


Was passiert in den sozialen Netzwerken?


Kaum vier Wochen ist es her, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigt haben. Als es andernorts in Deutschland in Bädern zu Übergriffen gekommen ist, haben wir uns bei den Bädern der Region erkundigt. Wir wollten wissen, ob es Vorfälle gab und wie dafür gesorgt werden soll, dass es keine gibt. Überall waren sich die Verantwortlichen des Problems bewusst. Nirgends gab es bis dahin einen Vorfall. Wie auch immer die Ermittlungen in Coburg ausgehen - wir werden schreiben, was ist. Wir werden aber auch einen Blick in die sozialen Netzwerke werfen und schauen, ob denn auch dort berichtet wird, was ist. Wenn da etwas berichtigt werden würde, würde es uns wundern.