Warum in Coburg 2021 doch nicht alles schlecht war

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Für viele Coburger war 2021 zum Vergessen. Doch nicht alles war schlecht: Wir haben die Bürger nach ihren schönen Erlebnissen in diesem Jahr gefragt.
Für viele Coburger war 2021 zum Vergessen. Doch nicht alles war schlecht: Wir haben die Bürger nach ihren schönen Erlebnissen in diesem Jahr gefragt.
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Janina Görtler, 39.
Janina Görtler, 39.
 
Johannes Wagner, MdB
Johannes Wagner, MdB
 
Elsa Klemt, 20, Studentin
Elsa Klemt, 20, Studentin
 
Hans-Dieter Böhl, 79, Coburg
Hans-Dieter Böhl, 79, Coburg
 
Steffi Cestone, Ladenbesitzerin
Steffi Cestone, Ladenbesitzerin
 
Anja Falkovski, 48, Mediatorin
Anja Falkovski, 48, Mediatorin
 
Daniel Carter, Generalmusikdirektor
Daniel Carter, Generalmusikdirektor
 
Kerstin Pilarzyk mit Joshua, Rödental
Kerstin Pilarzyk mit Joshua, Rödental
 

Viele werden denken: Gut, dass '21 endlich vorbei ist. Aber war alles schlimm? Und: Was kann man selbst tun, um schwere Zeiten leichter zu machen? Tipps von einem Coburger Experten.

Janina Görtler, 39:

"Letztes Jahr an Weihnachten mussten wir uns wegen der Ausgangssperre trennen, als es am schönsten war. Das wollten wir an Silvester nicht noch einmal. Also haben meine Brüder und ich bei unserer Mutter in Johannisthal (Kreis Kronach) übernachtet. Die ganze Familie an Silvester unter einem Dach, das hatten wir Jahre nicht. Das Feuerwerk in London haben wir dann alle zusammengekuschelt von der Couch aus im Fernsehen gesehen, und das hätten wir nicht erlebt, wenn es die Ausgangssperre nicht gegeben hätte."

Johannes Wagner, Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Coburg-Kronach:

Joe Biden hat Donald Trump als Präsident der USA abgelöst. Er ist ein verlässlicher Partner. Der Impfstoff - der kam zwar schon 2020, aber er wirkt und lässt sich schnell anpassen. Das ist ein solches Wunder der Wissenschaft, das es traurig ist, dass viele es nicht sehen, weil eine Minderheit dagegen ist. Der hat uns viel Leid und Elend erspart.

Mein Wunsch für 2022: Wenn alles eingespielt ist, würde ich mich freuen, wenn ich auch mal Zeit mit meiner Familie verbringen kann (und dem neuen Neffen) in Bamberg, wo ich zur Schule gegangen bin. "

Elsa Klemt, 20, Studentin:

"Auch wenn ich 2021 jetzt nicht gerade das Studentenleben gelebt habe wie man sich das normalerweise vorstellt, kann ich mich nicht (sehr) beklagen. Ich würde nicht gerade sagen, dass ich froh bin darüber, dass ich jetzt schon die ganze zeit online studieren muss, aber dadurch hatte ich mehr Freiheiten und das war schön. Ich konnte trotz Studium verreisen und war nicht an meine Uni Stadt oder feste Vorlesungszeiten gebunden. Und ich habe dennoch viel Zeit mit Freunden verbringen können, eben nicht auf großen Partys, aber ehrlich gesagt macht es mir in kleineren Gruppen eh viel mehr Spaß Leute kennen zu lernen."

Hans-Dieter Böhl, 79, Coburg:

"Ich freue mich, dass ich so viel Zeit mit meinen Kindern und meinen Enkeln verbringen konnte. Mir ist meine Familie sehr wichtig. Außerdem bin ich froh trotz Pandemie meinen Leidenschaften nachzugehen. Trotz all der Einschränkungen kann ich Tennis spielen, spazieren gehen, in meinem Garten arbeiten oder ins Theater gehen. Großveranstaltungen besuche ich sowieso eher nicht, deshalb reicht mir das völlig aus. Trotzdem finde ich das alles könnte langsam mal ein Ende haben, vielleicht ja nächstes Jahr. *lacht*"

Steffi Cestone, Ladenbesitzerin:

"Ich bin glücklich über meine tollen Kunden, die mir auch in diesem Jahr die Treue gehalten haben. Und über die tolle Zusammenarbeit mit den Stadtmachern, die gerade auch in der Pandemie die Einzelhändler mit verschiedenen Aktionen unterstützt haben und den Gastronomen entgegengekommen sind. Außerdem haben ja auch trotz Pandemie alle mitgeholfen, dass im Sommer eine gemütliche Atmosphäre in der Stadt herrscht. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen und die Stadt schön gestaltet, seine Ladenfassaden dekoriert oder Stühle vor den Restaurants aufgestellt. Ich bin auch froh, dass die Händler sich gegenseitig unterstützt und aufgebaut haben."

Anja Falkovski, 48, Mediatorin:

"Ich habe gelernt, dass Zeit mit sich selbst verbringen eigentlich wunderschön sein kann. Man kann sich nach innen wenden und auf sich selbst besinnen und auf Dinge die einem nahe gehen. Ich hatte durch die Pandemie viel Zeit zum Nachdenken und ich habe gelernt, dass Glücklich sein nicht unbedingt von äußeren Bedingungen abhängig sein muss, sondern dass es eigentlich in vielen Lebensbereichen nur auf die eigene Einstellung ankommt."

Daniel Carter, Generalmusikdirektor:

"Alles war nicht schlecht, da ich in meiner neuen musikalischen Heimat endlich anfangen durfte, und schon mehrere schöne musikalische Erlebnisse mit dem Orchester und Ensemble haben durfte.

Ich wünsche mir, dass wir im Theater weiterhin spielen dürfen, und dass unser Publikum sich genauso freut wie wir, dass dem so ist, und zahlreich erscheint!"

Kerstin Pilarzyk mit Joshua, Rödental:

"Wir konnten 2021 dafür nutzen, um wichtige familiäre Weichen zu stellen: Unser ältester Sohn Joshua wird den Brauereigasthof übernehmen! Außerdem hat mich der Rückhalt unserer Gäste gefreut. Als es darum ging, Teilhaber der neuen Brauerei zu werden, war die Resonanz riesig. Das zeigt, dass unsere Gäste an uns glauben. Übrigens: Der Neubau der Brauerei wurde von Joshua geplant.

Ich wünsche mir, dass wir endlich mal wieder nach Berlin fahren können! Seit Corona waren wir nicht mehr dort - aber für 2022 haben wir uns jetzt Karten für das Scorpions-Konzert gekauft!"

Experte rät: Statt Frust zu schieben lieber etwas suchen, was Freude macht

"In Krisensituationen fällt es vielen Menschen schwer, ihre innere Mitte zu halten und Lebensfreude zu finden", sagt der Coburger Professor für Gesundheitswissenschaften und Psychologe Niko Kohls. "Es ist alles andere als leicht, mit den Herausforderungen der Pandemie und den Einschränkungen und Unsicherheiten angemessen umzugehen." Menschen, die das schaffen, nennt man "resilient". Das lateinische Wort resiliere bedeutet "abprallen, nicht haften an". "Wir alle kennen Beispiele resilienter Menschen, die auch unter widrigen Umständen souverän, positiv und gefasst bleiben. Denken wir nur an die, die im Gesundheitsbereich arbeiten." Resilienz ist also Fähigkeit, widrige Lebensbedingungen zu meistern, ohne dass es zu psychischen oder körperlichen Schäden oder solchen im sozialen Bereich kommt. Manche wachsen sogar durch die widrige Situation. Aber sowohl beim Einzelnen als auch in der Gesellschaft stellt Corona die Resilienz auf eine große Probe. "Nur wenige Aspekte von Resilienz sind angeboren." Das heißt: Man kann sich Dinge aneignen, die einen resilienter machen ohne seelisch zu verhärten. Kohls: "Ich selbst habe auch irgendwann gemerkt, dass mir die Pandemie zusetzt. Der Hochschulalltag war weg, alle Urlaubspläne dahin, Vorträge abgesagt." Folge: "Wenn wir gestresst sind, wird unser Wahrnehmungstrichter enger und wir fokussieren - wie mit einem Mikroskop oder Teleskop - auf das Problem und tendieren dazu, alles andere weitgehend auszublenden." Nur: Wenn das Problem bleibt, führt die Fokussierung zu Überforderung. "In diesem Fall kann es sinnvoll sein, sich andere Aufgaben oder Projekte zu suchen, die einen stabilisieren und Freude machen." Kohls hat das getan und seine Erkenntnisse niedergeschrieben. "Mehr Lebensfreude durch Achtsamkeit und Resilienz - Gelassener und stärker durch die richtige Balance" heißt das Buch, das im Frühjahr erscheinen wird.

Wie trainiere ich Resilienz? Fünf Tipps:

Das Leben lieben, das Gute wertschätzen. "Resiliente Menschen wissen, dass das Leben riskant, zerbrechlich und endlich ist." Sie verdrängen diese schmerzhafte Erkenntnis nicht und sind gerade aufgrund dieser Einsicht in der Lage, ihr Leben wertzuschätzen und mit Dankbarkeit, Ehrfurcht und Demut zu genießen. Auch wenn die Lage schwierig ist, kann man sich daran erinnern, dass wir in Deutschland der Pandemie in einem der reichsten Länder mit einem stabilen Sozial- und Gesundheitssystem begegnen.

Aufs Machbare konzentrieren, nicht unnötig jammern und hadern.

Resiliente Menschen können unter Stress ihre Aufmerksamkeit auf die Aspekte fokussieren, die sie verändern können und lernen, die Faktoren zu akzeptieren die sie nicht verändern können. Durch dieses Mindset können resiliente Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Dinge verändern, und können so selbstwirksame Erfahrungen machen.

Beispielsweise kann dies ein Projekt zuhause sein, dass Sie schon lange vorhaben, wie das Streichen der Garage oder der Ausbau des Kellers. Wenn Sie das jetzt angehen, haben Sie später mehr Zeit, um in den Urlaub zu fahren!

Gut mit sich selbst umgehen.

Resiliente Menschen praktizieren ein angemessenes Maß an Selbstfürsorge, achten auf ausreichend Schlaf, Ernährung und Bewegung und behandeln sich selbst, wie sie gute Freunde behandeln würden: wohlwollend, wertschätzend, aber auch ehrlich und kritisch.

Dazu zählt auch eine regelmäßige Selbstreflexion und gegebenenfalls auch die Anerkennung von Ängsten, Traurigkeit und Sorgen. "Das sind gerade unter Stress normale Reaktionen, für die Sie sich nicht schämen müssen und diese auch nicht unter den Teppich kehren, sondern mit Angehörigen und Freunden besprechen sollten", empfiehlt Kohls.

Andere lieben wie sich selbst. Resiliente Menschen sind in einem vertretbaren Ausmaß empathisch, mitfühlend und fürsorglich, unterhalten so sinnhafte und stabile, soziale Beziehungen ohne sich dabei jedoch zu überfordern. Eine Möglichkeit besteht darin, sich vorzunehmen jeden Tag eine Person zu unterstützen und am Ende eines Tages mit Dankbarkeit positive Begegnungen mit anderen Menschen in Erinnerung zu rufen.

Nach vorne schauen und das Gute sehen. Kohls: "Resiliente Menschen kultivieren einen realistischen, aber trotzdem hoffnungsvollen Optimismus, der die Fähigkeit einschließt, motivierende Pläne für die Zukunft zu machen."