Noch einmal mit einem blauen Auge kam ein 72-jähriger Rentner aus dem Landkreis Coburg davon. Der Mann hortete in seinem Haus 67 Schusswaffen, darunter zwei vollautomatische Maschinenpistolen, die unter das Kriegswaffengesetz fallen. Für die Staatsanwaltschaft hörte damit der Spaß auf: Sie erhob Anklage gegen den Mann wegen vorsätzlichen unerlaubten Besitzes von zwei Kriegswaffen, einer vollautomatischen Schusswaffe sowie 38 halbautomatischen Kurz- und 26 Schusswaffen.

Akribisch listete Staatsanwältin Jana Huber auf, welche Waffen bei dem Rentner beschlagnahmt wurden: Darunter befanden sich neben zwei Repetierbüchsen und einer Kleinkaliberwaffe auch drei Maschinenpistolen, eine davon vom Typ Kalaschnikow, sowie Pistolen und Revolver der Marken Sig Sauer, Colt, Smith & Wesson, Glock, Mauser, Heckler & Koch und Jager Italy. Ein Großteil der Waffen befand sich im Keller des Anwesens.
Die drei vollautomatischen Maschinenpistolen entdeckte die Polizei bei der Durchsuchung versteckt auf dem Dachboden hinter abgestellten Gegenständen.


Nicht eingetragene Waffen

Als Sportschütze verfügte der Mann, der vor seiner Pensionierung als Schlosser und Maschinist arbeitete, über insgesamt neun Waffenbesitzkarten für Lang- und Kurzwaffen, die das Landratsamt Coburg ihm im Zeitraum vom September 1974 bis August 2009 ausgestellt hatte. Die in seinem Wohnhaus gefundenen Waffen waren jedoch darauf nicht eingetragen. Auch eine kriegswaffenrechtliche Ausnahmegenehmigung, die ihn zum Führen der zwei vollautomatischen Maschinenpistolen berechtigt hätte, besaß der Mann nicht.

Der Rentner gab den Besitz der Waffen unumwunden zu. Seit 1974 sei er im Schützenverein, erklärte er. In den 1970er Jahren habe er das erste Mal eine illegale Waffe gekauft. Der Kontakt sei mit dem Inhaber eines kleinen Waffengeschäftes zustandegekommen. Er habe Büchsenmacher werden wollen, erklärte er, doch dafür hätte seine Mutter - sein Vater sei im Krieg gefallen - nicht das Geld gehabt.


Niemals einen Schuss abgefeuert

Aus seinen Waffen habe er niemals einen Schuss abgefeuert, beteuerte der Mann, der bisher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. "Ich war halt sammelgeil, wie man neudeutsch sagt, mich hat halt die Technik interessiert." Die Waffen habe er lediglich betrachtet, auseinandergenommen und wieder zusammengebaut. Pistolen und Gewehre habe er in einer abschließbaren Waffenkammer in seinem Keller gelagert. Dass es nicht in Ordnung war, die Kriegswaffen auf dem Dachboden zu verstecken, sei ihm durchaus klar gewesen. Der Rentner bezifferte den Wert der Waffen auf insgesamt rund 30.000 Euro. Seine Waffenbesitzkarten habe er alle abgegeben, seine legalen Waffen einem Büchsenmacher ausgehändigt. Mit der Abgabe der illegalen Waffen an die Polizei erklärte sich der Mann ebenfalls einverstanden. Er betonte: "Da sind Sammlerstücke dabei, die würde ich nicht einschmelzen."

Staatsanwältin Jana Huber wies in ihrem Plädoyer darauf hin, dass die Taten nach dem Waffenkontrollgesetz mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren geahndet werden könnten. Sie plädierte auf einen minderschweren Fall: "Der Angeklagte hat die Waffen gesammelt und nie genutzt", sagte sie. Zu seinen Gunsten spreche auch sein Geständnis, so dass es keine aufwendige Beweiserhebung habe geben müssen. Der Mann, der im Jahr 2009 einen Herzinfarkt hatte, sei strafempfindlich: "Er ist krank und hat ein hohes Alter", erklärte sie. "Ich gehe nicht davon aus, dass er jemals wieder straffällig sein wird." Huber forderte zwei Jahre Freiheitsstrafe zur Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro.


Verteidiger: Reine Besitzleidenschaft

"Ohne es verharmlosen zu wollen, aber es war reine Besitzleidenschaft", sagte Verteidiger Gernot Kirchner. Er hielt eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, für angemessen. Auf die Verhängung einer Geldstrafe solle verzichtet werden. Die legalen und die illegalen Waffen habe der leidenschaftliche Sammler abgeben müssen. "Das ist schon eine materielle Strafe für sich."

Er könne mit dem Sportschießen nicht so einfach aufhören, äußerte sich anschließend der Angeklagte, der nach eigenen Angaben auch Ehrenmitglied in einem Schützenverein ist. "Ich erziele gute Ergebnisse, es macht mir einfach Spaß." Sein Anwalt ergänzte: "Er will sagen, dass ihn das sehr beschäftigt und einige schlaflose Nächte gekostet hat." Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Melanie Krapf verurteilte den 72-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Zudem wurden dem Mann eine Geldstrafe von 1500 Euro sowie die Kosten des Verfahrens auferlegt. Das Urteil ist rechtskräftig.