Es gibt themenmäßig viel anzupacken, im Wahljahr 2017: Sicherheit, Flüchtlinge und Asyl, Europa und Brexit, den neuen US-Präsidenten Donald Trump, den frisch gekürten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz und nicht zuletzt die innerparteilichen Unstimmigkeiten zwischen CDU und CSU. Doch beim CSU-Neujahrsempfang in Coburg am Montagabend zieht zunächst einmal etwas völlig Unpolitisches die Aufmerksamkeit des Ehrengastes, Volker Kauder, auf sich: Das Klavierspiel der drei Absolventen der Coburger Musikschule. Die Art, wie die zwölfjährige Noelle Günther Schubert spielt - völlig ohne Notenblatt - begeistert den Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag zutiefst.

"Ich habe in meinem Wahlkreis eine kleine schnucklige Musikschule. Wenn du so weit bist, werde ich dafür sorgen, dass du dort aufgenommen wirst", verspricht er der jungen Pianistin. Am Ende des Abends muss Kauder sein Angebot allerdings auf drei Aufnahmen erhöhen, wie CSU-Ortsvorsitzender Thomas Bittorf augenzwinkernd feststellt. Denn die beiden anderen Klavier-Schüler, Helen Seckel (11) und Marcel Ruppel (16), spielen ihre Beiträge von Schubert und Beethoven nicht weniger beeindruckend.


Hype ist nur "Kneipen"-Effekt

Doch selbstverständlich hat Volker Kauder im Wahljahr auch einige Punkte auf der Agenda, die vor und vor allem nach dem Gewinn der Wahl abzuarbeiten sind. Denn dass die CDU/CSU wieder den Bundeskanzler beziehungsweise die Kanzlerin stellen werden, ist für Kauder gar keine Frage - Martin Schulz hin oder her. Der derzeitige "Hype" um den SPD-Kanzlerkandidaten kann ihn jedenfalls nicht schrecken. Das sei ein ähnlicher Effekt "wie bei einer neuen Kneipe", sagt Kauder und erntet zustimmendes Gelächter. "Erstmal rennt jeder hin, dann hat er sie gesehen und letztlich geht doch wieder jeder zurück in seine Stammkneipe."


Für Kauder gilt in Sachen Schulz im Übrigen das gleiche Motto wie bei seinem Lieblings-Fußball-Verein, den Bayern: "Egal, wer in die Arena kommt, es muss gewonnen werden."

Ganz abgesehen von der Bundestagswahl bezeichnet Kauder 2017 als "Schicksalsjahr". Einerseits sei es wohl noch keiner Generation so gut gegangen wie der jetzigen. Andererseits liege eine "ungewisse Zukunft" vor den Bürgern und dem ganzen Land. "Wir müssen uns wieder zusammenraufen", fordert Kauder auf - und es ist klar, dass damit sowohl Deutschland allgemein, aber auch CDU und CSU gemeint sind.

"Man soll nicht über uns sprechen, weil wir zerstritten sind", stellt Kauder klar, wobei es den viel zitierten "Riss" zwischen den Schwesterparteien so gar nicht gebe. Ja, er sei vom Coburg/Kronacher Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU) in einer Zeit eingeladen worden, "als sich CDU und CSU gerade nicht so grün waren", sagt Kauder, der im südlichen Baden-Württemberg zu Hause ist, und schmunzelt. "Aber ich fühle mich hier nicht im feindlichen Ausland, ich bin gerne zu meinem Freund Hans Michelbach gekommen."


Sicherheit vor Organisation

Zusammenarbeit beschwört Kauder auch gerade bei den Themen Sicherheit und Terrorismus. "Wir haben gewusst, dass der Terrorismus in Deutschland angekommen ist", sagt Kauder mit Blick auf den Anschlag in Berlin kurz vor Weihnachten. Doch wie mit den Informationen umgegangen wurde, die den Behörden vor dem Anschlag bekannt gewesen seien, mache ihn fassungslos. "Man kennt den Mann und unternimmt nichts!" Stattdessen fühle sich am Ende keiner zuständig. Kauder spricht von "schweren Pannen in der Zusammenarbeit", die dringend intensiviert werden müsse. Wer meint, das sei in einem vom Föderalismus geprägten Staat nicht möglich, dem hält Kauder entgegen: "Wir brauchen die Struktur, die uns hilft, dass solche Pannen nicht noch einmal passieren - Sicherheit geht hier vor Organisation!"

Auf Zusammenarbeit müsse man nach Kauders Meinung auch beim neuen US-Präsidenten Trump ("eine Herausforderung") setzen. "Ich bin mir nicht sicher, ob Trump weiß, was das für seine Wirtschaft bedeutet, wenn der Vorhang zwischen den USA und Europa fällt", sagt Kauder. Sein Rezept: "Wir müssen in die USA fahren und reden, reden, reden!"