Die historische Herbst-Orgel in der Schlosskirche von Lahm ist ein Sanierungsfall. Für Gutachten, die den schadhaften Zustand des wertvollen Instruments genau erfassen, hat die Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren bereits rund 60000 Euro ausgegeben. Wie eine umfassende Sanierung finanziert werden kann, ist derzeit noch völlig unklar. Immerhin aber gibt es für die Herbst-Orgel jetzt wenigstens eine künstlerische Perspektive.

Lucas Pohle, Professor an der evangelischen Hochschule für Kirchenmusik, übernimmt Mitte September die künstlerische Leitung der traditionsreichen Lahmer Konzerte. Dazu wird Pohle am Sonntag, 19. September, das Erste Konzert in der Schlosskirche seit Beginn der Corona-Krise gestalten. "Im Dialog mit Bach" lautet beziehungsreich des Motto, bei dem er Werke von Johann Sebastian Bach mit Improvisationen über Themen von Bach kombinieren wird. Im Interview gewährt Pohle Einblick in seine Pläne für die Herbst-Orgel.

Welche grundsätzlichen Linien wollen Sie in der Zukunft für diese Konzertreihe umsetzen?

Die Heinrich-Gottlieb-Herbst-Orgel der Schlosskirche in Lahm

(Itzgrund) von 1732 zählt aus verschiedenen Gründen zu den wertvollsten Orgeln ganz Bayerns und ist ein Kulturdenkmal von internationaler Bedeutung. Dieses Instrument für einen wachsenden Kreis von Hörern bekannt zu machen, ist mein Anliegen. Dazu braucht es Konzerte mit renommierten Organisten; aber auch vielfältige Programmangebote zum Beispiel im Zusammenspiel mit historischen Instrumenten. Die reiche musikalische Tradition, die in der Schlosskirche im 18. Jahrhundert gepflegt wurde, ist Vorbild und Ansporn zugleich. Wie auch in früheren Jahren ist die Herbst-Orgel ein wichtiges Unterrichtsinstrument für die Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth, das für für die Interpretation der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs mustergültig geeignet ist.

Die historische Herbst-Orgel in der Schlosskirche soll saniert werden. Wie erleben Sie den aktuellen Zustand dieses wertvollen Instruments? Wo hakt es besonders?

Tatsächlich ist die Orgel derzeit in einem bedauernswerten Zustand. Die zuverlässige Spielbarkeit zu Konzerten kann nur vorübergehend hergestellt werden; ein umfassender Schimmelbefall ist vorhanden. An der Spielanlage wie am Pfeifenwerk sind umfassende Arbeiten nötig.

Was macht aus Ihrer Sicht den besonderen Reiz dieses Instruments aus? Worin unterscheidet es sich von anderen Orgel jener Zeit?

Für die fränkische, sogar für die bayerische Orgellandschaft ist die Herbst-Orgel etwas Besonderes mit ihrer mitteldeutschen Ausprägung. Sie ist reich an Zungenregistern (Besonderheit: eine 32 Fuß-Posaune in der recht kleinen Kirche!) und Streicherstimmen. Auch wenn man nicht belegen kann, dass Johann Sebastian Bach über seinen in Lahm tätigen Neffen Johann Lorenz Einfluss auf die Gestaltung des Instrumentes genommen hat - gefallen hätte es ihm sicher sehr. Heinrich Gottlieb Herbsts berühmterer Zeitgenosse Gottfried Silbermann, der die sächsische Orgellandschaft prägte, traf mit seinen zwar wunderschönen, aber klanglich weniger abwechslungsreichen Orgeln gewiss nicht die vollkommene Zustimmung Bachs.

Auch wenn das Projekt Orgelsanierung noch ziemlich am Anfang steht: Gibt es eventuell schon Pläne für Benefiz-Konzerte zur Sanierung?

Ab dem Jahr 2022 tragen alle Lahmer Konzerte mit Benefizcharakter. Das wird aber bei Weitem nicht für eine Finanzierung der notwendigen Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten ausreichen. Wir sind auf Fördermittel und großzügige Sponsoren angewiesen. Ich möchte mich gern dafür engagieren, unter anderem mit Orgelfahrten in Oberfranken ab dem nächsten Jahr. Mehrere aufeinander folgende Konzerte in verschiedenen Kirchen sollen Interesse für die "Königin der Instrumente" wecken; die einkommenden Spenden werden für die Orgelrestaurierung in Lahm verwendet. Orgelwerke Bachs bilden den Bezug zur "Bach-Orgel" Frankens in Lahm.

Rund um die Herbst-Orgel und die Konzerte in Lahm

Kultur-Tipp "Im Dialog mit Bach" - Orgelkonzert mit Lucas Pohle - Sonntag, 19. September, 17 Uhr, Schlosskirche Lahm. - Bei diesem Konzert wird die aktuell im Landkreis geltende 3G-Regel angewendet. Unter Einhaltung der Abstände sowie mit Maskenpflicht stehen rund 100 Sitzplätze zur Verfügung.

Lucas Pohle hat Kirchenmusik, Orgel (u. a. bei Leo van Doeselaar) und Improvisation (bei Wolfgang Seifen) in Leipzig und Dresden studiert und alle Examina "mit Auszeichnung" absolviert. Er ist Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe und wird international von Publikum und Fachpresse gleichermaßen hochgeschätzt. Als Kirchenmusiker wirkte er zuletzt an der berühmten Nikolai-Kirche in Leipzig, bevor er zum Sommersemester 2021 einem Ruf als Professor an die Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth folgte.

Herbst-Orgel 1731 wurde das "kostbare und schöne Orgelwerk von Herrn Gottlieb Heinrich Herbst, Orgelbauer von Halberstadt, ... aufgerichtet. Worauf dann endlich auf den Sonntag Jubilate d. 4. May 1732 die solenne Einweihung", heißt es in einer Chronik. Verteilt auf Hauptwerk, Oberwerk und Pedal umfasst die Herbst-Orgel insgesamt 29 Register. Auftraggeber war Freiherr Adam Heinrich Gottlieb von Lichtenstein zu Lahm, der im Jahr 1728 an Stelle der alten eine neue Schlosskirche errichten ließ. Freiherr von Lichtenstein hatte in Paris Architektur studiert und entwarf den Kirchenbau im Stil des französischen Barock selbst. Zuletzt wurde die Orgel Anfang der 80er Jahre grundlegend restauriert.