"Diesen Anblick genieße ich", sagt Friederike Möbus, Pressesprecherin der Sommeroperette Heldritt, bei der Premiere am Freitagabend. Mit dem "Anblick" meint sie nicht etwa das Geschehen auf der Bühne - nein, sie ist es, die auf der Bühne steht und ihren Blick über den gefüllten Zuschauerraum schweifen lässt. Im vergangenen Jahr musste die Sommeroperette pandemiebedingt ausfallen, und auch in diesem Jahr ist es keineswegs selbstverständlich, dass auf der Waldbühne Heldritt ein Programm geboten werden kann.

Für die Coburger Operetten-Freunde, den Verein hinter der Sommeroperette, hat die diesjährige Spielzeit hinter den Kulissen einen hohen organisatorischen Aufwand bedeutet. Bei den Proben musste das Ensemble täglich getestet werden, um eine Ansteckung zu verhindern. Deshalb fällt das Programm in diesem Jahr auch vergleichsweise kleiner aus als in den vergangenen Jahren: Auf der Bühne steht ein überschaubares Ensemble, das Bühnenbild ist eher minimalistisch gehalten und das Orchester besteht aus gerade einmal sieben Musikern. Auch das Publikum muss sich bei der Premiere an Hygieneregeln halten: Bei der Ankunft müssen die Gäste ihre Kontaktdaten hinterlegen, bis zum Platz muss eine Maske getragen werden und auf dem Weg zur Gastronomie gilt eine Einbahnstraßenregelung.

Gezeigt werden zwei kurze Stücke, die inhaltlich nur lose miteinander verknüpft sind.

Zuerst erleben die Zuschauer, wie die Holzskulptur einer griechischen Nymphe auf Wunsch ihres Erbauers Pygmalion zum Leben erwacht. Zum Leidwesen von Pygmalion weiß "die schöne Galathée" im gleichnamigen Stück nach Franz von Suppè ganz genau, wie betörend sie auf ihn, seinen Gehilfen Ganymed und den Kunstmäzen Mydas wirkt. Schnell hat sie jeden Einzelnen von ihnen um den Finger gewickelt: Pygmalion versucht, ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, Ganymed kann sich von ihren Lippen gar nicht erst lösen und Mydas gibt sein letztes Hemd, um sie zu beeindrucken - dabei sollte er sie doch eigentlich für seinen Kunden, den "Salon Pitzelberger", kaufen. Dass Galathée ganz gut ins Inventar des "Salon Pitzelberger" passen würde, sehen die Zuschauer im zweiten Stück nach der Pause.

"Wenn ich so höre, wie das Publikum reagiert, dann bin ich mir sicher, dass die Stücke sehr gut ankommen", freut sich Friederike Möbus. Tatsächlich konnten es nicht nur die Künstler kaum erwarten, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen - auch die Besucher haben die Sommeroperette schmerzlich vermisst. So wie die beiden Stammgäste Erika Böhm und Friedel Engelhardt. "Wir wurden hier noch nie enttäuscht - und auch heute waren Musik und Gesang einfach toll", schwärmt Erika Böhm. Friedel Engelhardt hat sich an Hygieneregeln, wie sie auch in Heldritt gelten, mittlerweile gewöhnt: "Natürlich wäre es schöner ohne die Regeln, aber wir halten uns natürlich daran. Ändern können wir es sowieso nicht." Christine Matz stört sich hingegen gar nicht an den Einschränkungen: "Es ist eben eine besondere Zeit, da nehme ich das gerne in Kauf." Sie habe auch schon strengere Regeln erlebt. "Ich bin schon auf Konzerten gewesen, da musste man die Maske auch am Platz noch aufbehalten", erzählt sie. Das erste Stück fand sie schon spritzig und kurzweilig. "So kann es nach der Pause gerne weitergehen."

Auch Friederike Möbus hofft, dass die Spielzeit so weitergeht, wie sie begonnen hat. "Wenn das Wetter bei jeder Vorführung so schön ist wie heute und die Inzidenz stabil bleibt, dann steht einer tollen Spielzeit nichts im Weg", erklärt sie. Aber natürlich habe sich das Team auch auf das Gegenteil vorbereitet: "Unsere Zuschauer bleiben zum Glück auch beim Regen trocken, und die Bühne können wir mit einer Plane abdecken."

Noch Karten verfügbar

Sollte die Inzidenz über 50 steigen, gelte auch für die Zuschauer eine Testpflicht. "Danach sieht es momentan nicht aus, aber wir haben unser Personal am Einlass für den Fall schon geschult." Für alle Veranstaltungen seien noch Karten im Vorverkauf und an der Abendkasse verfügbar. Möbus ist guter Dinge, dass sich nach der gelungenen Doppel-Premiere noch mehr Zuschauer einen Ruck geben und ihren Weg zur Waldbühne finden: "Wir haben uns vom Aufwand nicht abschrecken lassen - deshalb hoffe ich, dass sich auch das Publikum nicht abschrecken lässt."