Nicht "Ein Bett im Kornfeld", wie Jürgen Drews einst sang, sondern: Ein Boot als Übernachtungsmöglichkeit, an Land und weitab nutzbarer Wasserflächen. Was sich zunächst wie eine Schnapsidee anhört, könnte in Bad Rodach bald Realität werden. In seiner jüngsten Sitzung genehmigte der Ferienausschuss einen entsprechenden Bauantrag.

Der Bauantrag sah auf den ersten Blick harmlos aus. Auf dem Campingplatz neben dem Waldbad will ein Grundstückspächter drei baugleiche Stelzenhäuser mit Podesten errichten. Als die Stadträte sich die Entwurfszeichnungen ansahen, fragte Markus Geflitter (SPD) nach, warum an den Podesten eine Art Steg angebracht sei. Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) erläuterte hierzu, dass dieser Steg als Verbindung zu den Booten gedacht sei, die neben den Stelzenhäusern platziert würden und den Bewohnern dann als Übernachtungsmöglichkeit dienen sollen. Dem Gesichtsausdruck von Markus Geflitter war anzusehen, dass er dem Ganzen nicht so richtig Glauben schenken konnte. Er ließ sich daher bestätigen, dass der Pächter des Grundstückes die Stelzenhäuser samt Boot untervermieten will. "Und das ist Camping?", fragte er etwas ungläubig. Tobias Ehrlicher erläuterte, dass das Areal für 25 Jahre verpachtet sei und er daher von einer langfristigen Nutzung ausgehe. Als eine "tolle Alternative" bezeichnete Dritte Bürgermeisterin Nina Klett (CSU) diese Art von Urlaub. Auch Bürgermeister Ehrlicher sagte, er sehe eine Aufwertung des touristischen Angebotes. Bei zwei Gegenstimmen wurde der Bauantrag befürwortet.

Über ein anderes Thema wurde aber länger diskutiert

Eine längere Diskussion rief die Absicht hervor, im Stadtrat einen so genannten "Ältestenrat" einzurichten. Dieser soll sich dann treffen, wenn es für nötig erachtet wird, bestimmte Themen im kleineren Kreis zu beraten. Tobias Ehrlicher schlug vor, dass dem Gremium neben den drei Bürgermeistern ein Vertreter jeder Fraktion sowie ein Mitglied der Ausschussgemeinschaft aus ÖDP, SBB und ZKF, die alleine keinen Fraktionsstatus haben, angehören sollten. Dies wollte Klaus Geuther (SBB) nicht hinnehmen. Er meinte, dass die Ausschussgemeinschaft benachteiligt werde, da von den drei Gruppierungen nur einer in den Ältestenrat entsandt werden dürfe. Er forderte, dass die Gemeinschaft drei Sitze erhalte und dafür die stellvertretenden Bürgermeister dem Gremium nicht angehören sollten. "Damit ist die Personenanzahl gleich und der Rat wird nicht aufgebläht", meinte Klaus Geuther und fügte hinzu, dass es bei der Kommission darum ginge, Meinungen einzuholen und keine Beschlüsse zu fassen.

Weder Nina Klett noch Axel Dorscht (SPD) konnten sich Geuthers Argumentation anschließen. Die Dritte Bürgermeisterin fragte rhetorisch: "Jede Fraktion hat einen Vertreter und ihr wollt drei?" Am Ende wurde die Besetzung des Ältestenrates bei einer Gegenstimme (Klaus Geuther) wie vorgeschlagen beschlossen.

Matthias Thumser (ÖDP) brachte den Antrag ein, die Stadt möge Rede und Antwort stehen bezüglich des Ausbaustandes der Mobilfunktechnik 5G und des dazugehörigen Gesundheitsschutzes. Thumser formulierte hierzu zehn umfangreiche Fragen. Hauptamtsleiter Uwe Schmidt machte unmissverständlich deutlich, dass die Stadt keinerlei Einfluss darauf habe, ob die Mobilfunkbetreiber die 5G-Technologie einsetzen oder nicht. "Die Betreiber müssen sich ihre Genehmigungen von den staatlichen Aufsichtsbehörden einholen", betonte Schmidt. Bürgermeister Ehrlicher zeigte sich offen dafür, einen Fachmann einzuladen, der im Rahmen einer Informationsveranstaltung über die 5G-Technik referiert. "Keinesfalls wird es hier zu einem Duell zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Technik kommen", stellte Ehrlicher klar. Er sprach sich dafür aus, hier ein klares Signal zu setzen, dass Bad Rodach diese Technik wolle. "Wir müssen auch hier aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden." Ehrlicher weiter: "Wenn jemand eine Veranstaltung unter dem Motto will ,5G ganz schlimm‘, so kann er diese gern machen."

Nachdem Werner Zoufal (Grüne/offener Kreis) kritisiert hatte, dass über den Ältestenrat wesentlich länger diskutiert worden sei als über das Thema 5G, meinte Bürgermeister Ehrlicher: "Die Wichtigkeit eines Tagesordnungspunktes misst sich nicht daran, wie lange über ihn gesprochen wird." Ohne Namen zu nennen, brachte er zum Ausdruck, dass manche Themen von manchen aufgebauscht würden, nur um sich in Szene setzen zu können.