Wenn Musik einfach klingt, und es in Wahrheit gar nicht ist... Bernhard Schüler grinst verschmitzt. Als der Kopf von Triosence eines seiner Kompositionsprinzipien nennt, da hat er den ganzen proppenvollen Saal von Leise am Markt - nicht in der Tasche, irgendeiner musikalischen Schublade. Da hat er die verzauberten Leute längst in seinem Klangkosmos. Da schweben längst alle mit ihm in Melodien, die das Zeug zum Standard, zum Jazzklassiker haben. Da stürzen sich alle mit Triosence bereitwillig in himmelhoch türmende Klangräusche, die oftmals heftig treibend sind, aber nirgends hektisch.

Die klingen im übrigen gar nicht einfach, sondern ungemein vielschichtig, sehr wohl komplex, aber eben nicht zum vertrackten Selbstzweck konstruiert.

Triosence, 1999 von Bernhard Schüler gegründet, gehört zu den führenden deutschen Jazzbands und ist auch international sehr erfolgreich unterwegs. Dass die Band jetzt bereits zum zweiten Mal ins kleine Coburg, in den kleinen Saal von Leise kam, hat auch damit zu tun, dass der aus Kassel stammende Bernhard Schüler in der Region Wurzeln geschlagen hat. "Ich kenne ja so viele Leute hier", blickt er anfangs in die Runde, das sei viel aufregender als vor tausend Leuten zu spielen.

Er zog in den Frankenwald

Schüler erzählt, wie er von einem Fan an dessen fantastischen neuen Flügel in den Frankenwald gelockt wurde, da eine ganze Weile blieb, bei Teuschnitz dann eine alte Mühle entdeckte, die er für sich okkupiert hat, wo er sich nun öfters zum Komponieren zurückzieht. - Sowas, wir fühlen uns wohlig geschmeichelt. (Auch wenn unserem räumlichen Empfinden nach der Frankenwald noch etwas anderes ist als das Coburger Land.)

Aber so ist es auch mit der Music von Triosence, vom neu en Album "Scorpio Rising", das an diesem Abend ausführlich vorgestellt wird und bei dem sich Bernhard Schüler hörbar seines frühen Idols Keith Jarrett erinnert hat. Schüler galoppiert nicht irgendwohin, auch nicht als sein eigener Interpret und virtuoser Pianist. Seine Stücke sind sehr überlegt und bieten trotzdem die Freiheit zum Flanieren, da kann Schüler noch so tolle Stories als Hintergrund erzählen, wohlwissend, dass sich jeder sein Eigenes dabei denkt. Und so soll es auch sein.

Seine beiden Mitstreiter bleiben verlässlich in eben dieser Dimension, auch wenn sie in die Freiheit des Solos springen. Da geht der Kubaner Omar Rodrigues Calvo, der vom Tingvall Trio kommt und damit Echo-Preis-ausgezeichnet ist, zwar fingerflink und wendig auf Bass-Tour, verliert dabei aber die Grundstimmung des Songs, aus dem er aufgebrochen ist, nicht aus dem Gehör.

Die Gummisau quietscht

Tobias Schulte, der Neue in der Band, der schon mit Nils Landgren und sonst wem spielte, der darf sich schon einige Späße erlauben. Der witzige Perkussionist verblüfft mit immer neuen klanglichen Einfällen. Der beklopfte Ventilator gibt so schöne Plastikgeräusche von sich. Dass Schulte ein Gummischaf in eine mit dem Fuß zu betätigende Quetschvorrichtung und die Gummisau zwischen die Klangteller des Beckens steckt, wo sie nun rhythmisch quieken - das ist ein bisschen befremdlich, spricht aber für die Experimentierlust des Schlagzeugers, für sein Talent geräuschhaft ungewöhnliche Akzente zu setzen. Und es ist auch bezeichnend für das gesamte Ensemble, dass es eben immer wieder schafft, musikalisch weit auszugreifen und doch den Zuhörer so einnehmend zu halten.

Das Publikum ließ sich nicht mit der zum Mitsummen schönen, beruhigenden Melodie nach Hause schicken. Es erzwang eine weitere Zugabe.