Dass ein junger Mann über ein Praktikum zu seinem späteren Beruf findet, ist nicht so ungewöhnlich. Doch René Holzweißig wollte eigentlich ein kreatives Praktikum für sein Fachabitur im Bereich "Kunst" machen. Er landete bei einem Friseur. Das Abitur machte er dann auch - und danach eine Ausbildung zum Friseur.

Den Meistertitel schob er gleich hinterher, fand dann aber, dass er nun doch noch studieren wollte. So kam es, dass der gebürtige Einbecker sich in der Hochschule Coburg fürs Fach Soziale Arbeit einschrieb. Zwei Semester lang studierte er - dann zog es ihn zurück in den Beruf. "Ich bin doch lieber mit Haaren beschäftigt", sagt der 30-Jährige, der mit seinem gepflegten Vollbart und den bunten Tattoos bis zu den Fingerspitzen selbst eine auffällige Erscheinung darstellt.

Bei Claus-Kestel-Friseure fand er vor zwei Jahren sofort eine Anstellung und neue Herausforderungen. "Du könntest doch mal an einem Wettbewerb teilnehmen": Diese Idee stand eines Tages im Raum, sagt sein Chef Claus Kestel. Ein bisschen ging es den Coburger Friseuren auch darum, zu beweisen, "dass man nicht aus Berlin oder Düsseldorf kommen muss".

René Holzweißig fragte eine Bekannte aus Nürnberg, ob sie sich als Frisurenmodell zur Verfügung stellen würde. "Da braucht man jemand, der ein bisschen mutig ist. Sie hat ja kein Mitspracherecht!" Holzweißig wollte eine alltagstaugliche und wandelbare Frisur kreieren. Das gelang ihm mit einem Fransenschnitt für die naturgewellten Haare des Modells. An der Luft getrocknet, fallen die Haare in natürliche Locken, glattgeföhnt wirkt die Frisur sehr urban. "Es sollte eine Frisur werden, mit der auch eine Kundin den Laden verlassen würde", erläutert Claus Kestel mit Blick auf die oft aufwendigen Schau- und Wettbewerbsfrisuren.

Die Jury des "German Hairdressing Awards" urteilte nur aufgrund der eingereichten Fotos. René Holzweißig wurde zweimal nominiert: Einmal für die Region "Süd" und außerdem für den Publikumspreis. Über den entschieden die Nutzerinnen des Internetportals "Wunderweib".

Als Nominierter wurde René Holzweißig zur Preisgala nach Hamburg eingeladen. Dass er von dort auch einen Pokal mitbringen würde, hatte er nicht erwartet, wie der 30-Jährige nun erzählt. Auch für seine Chefs Claus und Christina Kestel war es die erste solche Wettbewerbsteilnahme. Und dann gleich gewonnen - "da war die Feier groß", erzählt Claus Kestel mit einem Schmunzeln.

Über 1500 Fotos wurden für den Wettbewerb eingereicht. Kestel zufolge ist es einer der wenigen Wettbewerbe der Branche, die nicht firmengebunden sind - entsprechend groß sei die Konkurrenz und entsprechend hoch der Stellenwert eines Preises. Die German Hairdressing Awards werden von der Firma Schwarzkopf Professional ausgerichtet. Sie fanden heuer zum zwölften Mal statt. Preise werden in zehn Kategorien vergeben; acht von der Jury, dazu ein Presse- und ein Publikumspreis.