Als er seine Eltern erblickt, läuft Tobias Greiner mit seiner roten Spielzeuggitarre in der Hand freudestrahlend auf sie zu und begrüßt sie mit einem langgezogenen "Hallo". Dann klatscht er begeistert in die Hände. Vor zwei Monaten ist der 20-Jährige bei seinen Eltern in Hassenberg ausgezogen. Nun wohnt er in einem Apartment auf der Bertelsdorfer Höhe. Dort wurde, eigens für junge Erwachsene mit Behinderung und auf Initiative des Vereins "Neues Wohnen Coburg", ein Mietshaus mit insgesamt 24 Wohneinheiten errichtet. Tobias wurde mit einer Mikrozephalie geboren, sein Kopf und sein Gehirn sind deutlich kleiner als bei anderen Menschen seines Alters. Heilbar ist eine Mikrozephalie nicht.

In Bertelsdorf besuchen Bärbel und Uwe Greiner ihren Sohn regelmäßig. "Letzten Sonntag habe ich früh einen Kuchen gebacken. Dann sind wir hingefahren, waren spazieren und haben noch gemeinsam Kaffee getrunken", erzählt Bärbel Greiner. Nach drei Stunden sind sie und ihr Mann wieder gegangen. Abgesehen von einem "Hallo" kann Tobias sich nicht artikulieren. Somit können er und seine Eltern auch nicht miteinander telefonieren. Persönliche Besuche sind deshalb umso wichtiger.

Wohnort und die Arbeitsstelle gewechselt

Seit Tobias bei seinen Eltern ausgezogen ist, hat sich deren Tagesablauf völlig verändert. Oft ist es ruhig, was nach einem anstrengenden Arbeitstag wohltuend aber eben auch ungewohnt sein kann. "Du kommst abends von der Arbeit heim und kannst einen Tee trinken oder ein Nickerchen machen. Sonst haben wir immer gewartet, dass der Fahrdienst Tobias von der Wefa bringt", sagt Bärbel Greiner. Weil Tobias vor dem Fernseher am besten zur Ruhe kommt, wurde dieser jeden Tag nach seiner Ankunft eingeschaltet. "Jetzt bleibt es ruhig. Und wir können Gegenstände, wie unsere Brillen und Tablets oder Briefe rumliegen lassen", ergänzt Uwe Greiner. Tobias sei immer rastlos in der Wohnung umhergelaufen und unwissentlich habe viel kaputt gemacht. Der Alltag der Greiners hat sich in jeder Hinsicht verändert. "Wir haben keinen Zeitdruck mehr und müssen nicht mehr rund um die Uhr auf Tobias aufpassen."

Pfleger und Ehrenamtliche gesucht

Tobias ist am 15. November, einem Montag, umgezogen. Um ihm die Eingewöhnung in die neue Umgebung zu erleichtern, hat Uwe Greiner die ersten zwei Nächte in Coburg geschlafen. Denn neben dem Wohnort hat Tobias auch den Arbeitsplatz gewechselt. Weil der Weg kürzer ist, arbeitet er jetzt nicht mehr in der Wefa Kronach, sondern in Ahorn. "In den zwei Tagen habe ich dem Pflege- und Betreuungsdienst grundlegende Dinge gezeigt, die die Pflege von Tobias betreffen." Während Tobias und die anderen Mieter in der Schule oder auf der Arbeit sind, kehrt in den vier Wohngemeinschaften, zu denen jeweils sechs Apartments gehören, Ruhe ein.

Weil der Pflege- und Betreuungsdienst derzeit nicht genügend Mitarbeiter stellen kann, können die jungen Erwachsenen die Wochenenden nicht immer in ihrem neuen Zuhause verbringen. "Heute nehmen wir Tobias mit nach Hause und bringen ihn dann am Sonntagabend wieder", sagt Uwe Greiner beim Besuch am Freitagnachmittag. Die beiden Pflege- und Betreuungsdienste, die Tobias und seine 20 Mitbewohner versorgen, brauchen noch weitere Mitarbeiter, um auch die letzten Schichten im Dienstplan besetzen zu können.

Auch Ehrenamtliche, die mit den Mietern Karten spielen oder spazieren gehen, sind willkommen. "Wir suchen auch noch händeringend einen Sozialpädagogen für die Freizeit- und Urlaubsplanung", sagt Uwe Greiner. Er und die anderen Eltern können es sich durchaus vorstellen, in Zukunft kürzere Reisen für die jungen Erwachsenen über den Verein zu organisieren. "Wir wollen langfristig auch gemeinsame Aktivitäten und Unternehmungen planen." Denkbar wären unter anderem Grillabende im Außenbereich des Gebäudes. Für die kalte Jahreszeit und regnerische Tage verfügt dieses außerdem über einen großen Gemeinschaftsraum im Untergeschoss mit Zugang zur Terrasse.

Tobias kann jederzeit besucht werden

Bärbel und Uwe Greiner konnten in den vergangenen zwei Monaten beobachten, wie sich ihr Sohn nach und nach in seinem neuen Zuhause eingewöhnt hat. "Als wir ihn neulich besucht haben, ist er alleine in sein Apartment gelaufen, er weiß, dass es seines ist", sagt Uwe Greiner. Aus seinem alten Zimmer in Hassenberg haben seine Eltern unter anderem sein Pflegebett in sein neues Apartment gestellt. Das höhenverstellbare Bett verfügt über eine Tür und Gitterstäbe, sodass er in der Nacht nicht hinausfallen kann. "Tobias kann jederzeit besucht werden. Und zu Familienfesten holen wir ihn nach Hause."

Projekt "Neues Wohnen Coburg"

Verein Der Verein Neues Wohnen Coburg setzt sich dafür ein, dass junge Menschen mit Behinderung ambulant betreut wohnen können. In einem Gebäude auf der Bertelsdorfer Höhe, das über 24 Apartments und Gemeinschaftsräume verfügt, sollen sie möglichs eigenständig leben und individuell gefördert und gefordert werden. Weitere Infos gibt es auf der Website: www.neues-wohnen-coburg.de

Interessierte Vier Apartments sind noch zu vermieten. Wer einziehen darf, entscheidet der Verein, nicht der Vermieter.

Arbeitsplätze Für das Projekt wird

noch Pflege- und Betreuungspersonal gesucht. Der Verein freut sich auch über Ehrenamtliche, die mit den jungen Erwachsenen unter anderem spazieren gehen oder Karten spielen.

Spenden Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende (Bankverbindung: VR Bank Coburg eG, IBAN: DE15 7836 0000 0003 5349), eine Fördermitgliedschaft oder ein Sponsoring tun.

Kontakt Interessierte können sich per Mail (info@Neues-Wohnen-Coburg.de) mit dem Verein in Verbindung setzen.