Wenn Wildtiere verletzt sind oder aufgefunden werden, ist der Coburger Tierarzt Joachim Lessing der Fachmann, der helfen kann. Derzeit päppelt er zwei Rehkitze auf, deren Mutter sich so schwer verletzt hatte, dass sie von ihrem Leiden erlöst werden musste.

Mit der Flasche zieht Joachim Lessing die beiden Kitze auf und das viermal am Tag. Die Lämmeraufzuchtmilch schmeckt den Kleinen sichtlich. Aber auch die antibakteriell wirkenden Weidenblätter mögen sie. Tagsüber nimmt Lessing seinen kleinen Schützlinge mit in seine Tierarztpraxis, um sie wohlbehütet zu wissen und ihnen zwischendurch die Flasche geben zu können. Der Tierschutzverein übernimmt die Kosten für die medizinische Versorgung und das Futter. Die beiden Rehkitze mit den Kulleraugen sind nur zwei von vielen Wildtieren, die Joachim Lessing in den vergangenen Jahren aufgepäppelt hat. Die Kitze werden sich zu stolzen Rehböcken entwickeln, ist sich der Tierarzt sicher. Noch eine Weile werden sie unter seiner Obhut leben, um dann im Kordigast ausgewildert zu werden.


Im Drahtgewirr verheddert

Aber wie kam es dazu? Am Dienstag, 22. Mai, klingelte bei Rainer Wolf das Telefon. Anwohner der Straßburger Straße teilten ihm mit, dass sich ein Reh bei einem Sprung über einen Maschendrahtzaun verletzt habe. "Das ist immer wieder eine unangenehme Situation", erzählt der Jagdpächter für den Bezirk Coburg-Seidmannsdorf-Creidlitz, denn man fragt sich: Was erwartet einen, was ist mit dem Tier passiert und wie ist weiter zu verfahren." Keine fünf Minuten später stand er vor dem besagtem Grundstück, der Hauseigentümer schilderte den Vorfall und zeigte ihm, wo das verletzte Reh liegt. Mit einer Stoffdecke war das Tier abgedeckt, um es ruhig zu stellen. Das Tier hatte sich beim Sprung über einen etwa 1,20 Meter hohen Maschendrahtzaun in einem zusätzlich dort angebrachten Drahtgewirr verheddert, war beim Sprung mit dem Lauf nicht mehr aus dem Draht herausgekommen und war mit dem Kopf auf einen Betonweg gestürzt.

Der Jagdpächter erkannte, dass das Reh atmete, sich aber nicht mehr bewegen konnte. Der Versuch, es durch Berührung an den Hinterläufen dazu zu animieren aufzustehen, blieb jedoch ohne Erfolg. "Leider blieb mir in dieser Situation nichts anderes übrig, als den Fangschuss anzubringen", schildert Rainer Wolf die Situation. Zuhause bemerkte er, dass das Reh geschwollene Milchleisten und Zitzen hatte. Das bedeutete: Es ist ein Muttertier. Nun hieß es, das Kitz zu suchen. Mit dem Hauseigentümer wurden einige Grundstücke abgesucht - ohne Erfolg. Auch der Einsatz des Hundes "Jai-Runa" brachte kein Ergebnis. Zwar zeigte die Hündin diverse Rehbetten an, von einem Kitz jedoch keine Spur. Da wurde die Suchaktion erst einmal abgebrochen. Alle in der Straße wurden gebeten, auf Kitzrufe nach der Mutter zu achten.

Gegen 15 Uhr ging erneut ein Anruf ein und es wurde der Bereich nochmals abgesucht, aber wieder erfolglos. Drei Stunden später: Endlich der Anruf, in einem brachliegenden Grundstück sei ein Kitzrufen zu hören. Erneut war der Jagdpächter zur Stelle und die Nachbarn des besagten Grundstücks baten ihn, in ihr Wohnzimmer zu kommen. Dort wurde das kleine Reh bereits bestens versorgt.


Auch das zweite Kitz wurde gefunden

Am nächsten Morgen bekam der Jagdpächter eine WhatsApp-Nachricht von einer Dame. Sie habe in der Nacht ein Fiepen gehört. Es war das Rufen eines weiteren Kitzes. Die Frau kümmerte sich liebevoll um das Tier liebevoll, bis es in den frühen Morgenstunden ebenfalls Joachim Lessing übergeben werden konnte. Wolf staunte, dass sich so viele Anwohner an der Suchaktion beteiligten.

Dass ein Jäger Tiere erlegt, sei jedem bekannt, dass er sich aber darum kümmert, hilflose Kitze zu finden, und ihnen hilft, dass sie gut versorgt werden, werde von vielen nicht wahrgenommen, sagt Rainer Wolf. Er brachte die fünf Tage alten Kitze zum Coburger Tierarzt Joachim Lessing, der sich auf solche Notfälle mit Wildtieren spezialisiert hat. Das Tierheim Coburg war ebenfalls verständigt worden und verwies auf den Spezialisten Lessing.


Um Spenden wird gebeten

Der Tierschutzverein Coburg bittet um Unterstützung für die Pflege von Wildtieren. Das Spendenkonto: Sparkasse Coburg, IBAN DE08 7835 0000 0092 0052 97. Stichwort: Wildtiere und Kitze.