Ja, die Stadt Coburg gibt viel Geld aus für ihr Landestheater. Erstmals wird der städtische Zuschuss in diesem Jahr die Grenze von sieben Millionen Euro übersteigen. Knapp 7,1 Millionen Euro - damit beträgt der städtische Anteil am Gesamtetat von 14,9 Millionen Euro inzwischen fast 50 Prozent.


Das ist ein erheblicher Zuschuss in Zeiten, in denen die Vestestadt um einen ausgeglichenen Haushalt ringen muss.


Durchaus verständlich, dass angesichts dieses Betrags mancher Stadtrat ins Grübeln gekommen ist. Wie teuer darf das Landestheater für die Stadt denn überhaupt werden? Die Kosten sind immens - und dennoch kein leichtfertig verschwendetes Geld. Denn tatsächlich sind diese gut sieben Millionen Euro eine Investition in Coburgs Zukunft. Das Landestheater ist in vielerlei Hinsicht ein ganz zentraler Standortfaktor für eine Kommune, die es in den letzten Jahren immerhin geschafft hat, ihre Einwohnerzahl zu stabilisieren. Ein Theater mit attraktivem Programm ist auch attraktiv für qualifizierte Arbeitnehmer und damit auch für Unternehmen.


Die Bedeutung reicht freilich weit über das kulturelle Angebot an das erwachsene Publikum hinaus. Gerne wird unterstellt, ein Theater biete Hochkultur für einen kleinen Kreis an Interessenten, sei elitär. Wer nur festliche Premierenabende besucht, könnte manchmal tatsächlich auf diesen Gedanken kommen.


Ort der Begegnungen

Doch Coburgs Theaterpublikum ist ein bunt gemischtes Publikum. Und wer zum Beispiel vor einer Woche die Aufführung "Compose Janácek" mit rund 80 begeisterten und begeisternden Schülern aus Coburg und Neustadt live erlebt hat, der weiß, was Theater auch ist in Coburg: ein wunderbarer Ort für Begegnungen. Und: ein Ort der Bildung, dessen Arbeit so wichtig ist wie die Arbeit der Schulen. Das beweisen auch die intensiv nachgefragten Klassenzimmer-Stücke.


Wer im Vorfeld dieser Stadtratssitzung nach einigen kritischen Stimmen zu den Kosten des Landestheaters in den letzten Wochen mit einem heftigen verbalen Schlagabtausch gerechnet hatte, sah sich auf erfreuliche Weise getäuscht. Irgendwie hatten sich alle Stadträte bei dieser Sitzung lieb - offenkundig hatte die Theaterleitung hinter den Kulissen mit vielen Gesprächen schlüssige Überzeugungsarbeit auch bei skeptisch gestimmten Fraktionen geleistet.


Gut jedenfalls, dass sich Coburgs Stadtrat bei ihrer Zustimmung zum Theateretat letztlich einig war über alle Fraktionsgrenzen hinweg und trotz einiger vorsorglich formulierter Einschränkungen für die Zukunft.


Klar ist aber auch: Diese Zustimmung ist auch ein Auftrag an die Theaterleitung, mit dem zur Verfügung gestellten Geld verantwortungsvoll umzugehen. Und klar ist: Die Stadt wird mit dem Freistaat reden müssen, der seinen Zuschuss in den letzten Jahren trotz steigender (Lohn-)Kosten eingefroren hat. Wie hatte schon der damalige Oberbürgermeister Norbert Kastner schon im Herbst 2013 gesagt: "Wir müssen sehen, dass wir den Freistaat an den Etatsteigerungen beteiligen."


Dass sich der Stadtrat mit der Verabschiedung des Etat zu seiner Verantwortung für das Landestheater bekannt hat, ist zugleich ein gutes Argument, den Freistaat ebenfalls in die Pflicht zu nehmen.