Die Bauzeit war rekordverdächtig: 170 Tage dauerte es vom Spatenstich am 10. April bis zur Eröffnung der neuen Halle am gestrigen Freitag. Im Vergleich dazu war der Vorlauf geradezu lang, wie Harald Scheler berichtete, der Leiter der Coburger Schenker-Geschäftsstelle. Das fragliche Grundstück wurde Schenker schon 2008 angeboten. Doch die Finanzkrise verzögerte die Investitions-Entscheidung in der Schenker-Zentrale. Deshalb dauerte es bis Dezember 2011, bis die Fläche gekauft wurde, und ein weiteres Jahr, bis die Planungen abgeschlossen waren.

Dass eine Investition von sieben Millionen Euro auch für ein weltweit tätiges Logistikunternehmen keine alltägliche Sache ist, zeigte sich auch darin, dass der Vorstandsvorsitzende Hansjörg Rodi selbst aus Frankfurt gekommen war, um mit der Coburger Belegschaft und zahlreichen regionalen Kunden die Einweihung zu feiern.
Schenker wolle in Coburg wachsen, sagte Rodi und verwies darauf, dass Schenker seine Logistikleistungen den jeweiligen Kunden anpasst - und da haben Automobilzulieferer andere Ansprüche als die Hersteller von Industriegütern oder Arzneimitteln.

Harald Scheler nannte als Beispiele die Coburger Kunden Kaeser und Brose: So betreibe Schenker ein eigenes Service-Büro für Kaeser und sorge für die passgenaue Belieferung der Produktionsstandorte. Ähnlich geschieht es für Brose, wo Schenker in den vergangenen Jahren das logistische Netzwerk im Nahverkehr optimiert habe. Der Logistiker disponiert täglich die Lkw-Lieferungen von über 100 Zulieferern an die elf Brose-Standorte europaweit.

3200 Quadratmeter ist die neue Halle groß, die neben das vorhandene Lkw-Terminal von Schenker gesetzt wurde. Beide sind durch eine Brücke miteinander verbunden. Wäre die Erweiterung unmittelbar neben dem vorhandenen Standort nicht möglich gewesen, hätte die Schenker-Geschäftsstelle irgendwann verlagert werden müssen, sagte Scheler. Aber so sei "für 15 bis 25 Jahre" der Standort in Creidlitz gesichert.
Dort arbeiten derzeit laut Angaben der Schenker-Pressestelle 160 Beschäftigte, darunter über 30 Auszubildende.

Die können bei Schenker sogar eine kombinierte Ausbildung zum Fachlageristen und Berufskraftfahrer machen. Das hob IHK-Präsident Friedrich Herdan hervor. Vom Thema Logistik kam er schnell zum Thema Verkehrsanbindung: Die IHK setze sich ein für einen Ausbau der Staatsstraße 2205 nach Bad Rodach, einen ICE-Systemhalt ab 2017, eine zusätzliche Schienenverbindung von Coburg nach Südthüringen und "einen zukunftsfähigen Luftverkehr".

"Es ist alles andere als selbstverständlich, eine solche Investition vorzunehmen", sagte Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD). "Das ist immer auch ein Bekenntnis zum Standort und der Mannschaft vor Ort."