Am Mittag danach wirkte Matthias Christl, Trainer des FC Coburg, gelöst. "Wie lang es gestern Abend ging? Da waren die Uhren bereits ausgeschaltet", sagte der 42-Jährige grinsend. "Die Feier war ausgelassen, aber das hat sich die Mannschaft auch verdient, das ist ein großer Erfolg für den Verein."

Auch für Christl persönlich ist der Wiederaufstieg in die Landesliga das perfekte Ende seiner zweijährigen Trainertätigkeit. Wie bereits vor zwei Monaten beschlossen, wird Christl zur neuen Saison Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, während Lars Scheler zum Cheftrainer der ersten Mannschaft aufrückt. Scheler darf sich dabei auf eine intakte und hungrige Mannschaft freuen, die ihren Leistungszenit noch lange nicht erreicht hat und mit den Rückkehrern René Knie (vom VfL Frohnlach) und Tevin McCullough (vom FC Sand) weiter verstärkt wird. Der Übergang von Bezirksliga zur Landesliga ist fast fließend, denn aufgrund der Relegation haben die Vestekicker gerade einmal knapp zwei Wochen Sommerpause.

Während man normalerweise Befürchtungen haben müsste, dass eine lange, kräftezehrende Relegation Auswirkungen auf die Vorbereitung der neuen Spielzeit hat, scheint das bei der jungen Coburger Mannschaft kein Thema zu sein. Denn obwohl die Christl-Schützlinge am Sonntag zur Halbzeit - nach einem 1:0 im Hinspiel - wieder mit 1:0 führten und einen Gang hätten rausnehmen können, gaben sie im zweiten Abschnitt noch einmal Vollgas und fertigten Saas Bayreuth mit 5:1 ab. "Die Mannschaft hat richtig Willen gezeigt und nach 50 Minuten bewiesen, dass sie topfit ist", so Christl. In dieser Verfassung waren die Vestekicker zu Saisonbeginn noch nicht. "Wir haben ein bisschen gebraucht, bis wir in Fahrt gekommen sind, da uns im Sommer doch der eine oder andere Spieler verlassen hat und wir die ersten acht Spiele quasi alle auswärts (Anm. d. Red.: wegen Platzsperre des Dr.-Stocke-Stadions) gespielt haben", erklärt Christl.

Die bittere 0:2-Pleite beim TSV Mönchröden - zu dem Zeitpunkt bereits die dritte Saisonniederlage - war für Christl der Wendepunkt. "Danach hat die Mannschaft richtig gut funktioniert und Charakter gezeigt. Die Rückrunde war überragend", sagt Christl, dessen Worte durch die nackten Zahlen eindrucksvoll untermauert werden. 45 von 51 möglichen Punkten sicherten sich die Coburger nach der Niederlage in Mönchröden. Eine meisterwürdige Leistung, die aber in der Endabrechnung noch um einen Punkt vom FC Eintracht Bamberg getoppt wurde. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Coburger als Landesligist noch in der ersten Relegationsrunde gegen den FC Vorwärts Röslau scheiterten, waren diesmal die beiden Bayreuther Vereine, FSV und BSC Saas, nur bessere Sparringspartner. "Wir hatten sicher etwas Losglück mit dem FSV, da die personell doch einige Probleme hatten. So konnten wir uns ganz gut an die Relegation akklimatisieren", so Christl. Auf das 8:0 und 4:1 gegen den FSV Bayreuth folgten ein 1:0 und ein 5:1 gegen den BSC Saas.

Als kleiner Wermutstropfen einer sonst perfekten Landesliga-Relegation muss die Verletzung von Fabian Carl betrachtet werden, der im Hinspiel gegen Saas rabiat von den Beinen geholt wurde und im Rückspiel mit einer Knöchelverletzung zum Zusehen verdammt war. Christl gibt Entwarnung: "An den Bändern ist zum Glück nichts, es ist eine starke Prellung. Fabian hat sich super entwickelt. In der Endphase der Saison war er oft der Mann, der uns mit seinem Speed angetrieben hat."


Ganz ohne Erfahrung geht es nicht

Den Weg als Talentschmiede mit vielen jungen, hochtalentierten Spielern als Leistungsträger wird der FC Coburg auch in der Landesliga konsequent weitergehen, aber auf eine Brise Erfahrung möchte man in der Vestestadt trotzdem nicht verzichten. So hebt Christl auch den Status der Routiniers Daniel Sam, Lukas Mosert und Torhüter Oleksandr Churilov hervor. Während die beiden Letzteren über die komplette Runde überzeugten, kämpfte sich Sam nach einer "Seuchen-Hinrunde", in der er aufgrund einer Verletzung und Sperre nur zu einem Einsatz kam, in den vergangenen Monaten beeindruckend zurück.

Insbesondere in der Relegation knipste der 33-Jährige wie in alten Zeiten (sechs Tore in drei Spielen). Nachdem die Zeichen nach vier Jahren lange Zeit eher auf Abschied standen, macht Christl die Türe noch nicht zu: "Daniel ist einfach ein guter Typ. Ich hoffe, dass man eine Lösung findet, mit der er dem Verein erhalten bleibt." Deutlich kürzer treten wird jedenfalls Calle Schiebel, der in der nächsten Saison die NLZ-U15-Mannschaft betreuen wird.





Die Saison des FC Coburg in Zahlen


Saisonbilanz: 22 Siege, 5 Unentschieden, 3 Niederlagen - 98:33 Tore, 71 Punkte, Platz 2

Höchster Sieg: 7:0 gegen SV Bosporus Coburg; 7:0 gegen SpVgg Lettenreuth

Höchste Niederlage: 0:2 beim TSV Mönchröden; 1:3 beim FC Eintracht Bamberg

Meiste Einsätze: Oleksandr Churilov, Davide Dilauro, Leonhard Scheler (alle 30), Adrian Guhling, Eric Heinze, Lukas Mosert (alle 29), Daniel Kimmel, Sertan Sener (beide 28), Fabian Carl, Jannik Schmidt (beide 27)

Meiste Treffer: Lukas Mosert (33), Sertan Sener (22), Daniel Sam (10), Fabian Carl, Gökhan Sener (beide 7), Adrian Guhling (6), Calle Schiebel (4), Davide Dilauro (3)

Zuschauer: 151 im Durchschnitt (Platz 11); bester Besuch: 391 (gegen FC Eintracht Bamberg), schwächster Besuch: 70 (gegen SpVgg Lettenreuth)