Linda ist mit den Hausaufgaben fertig. Die Zweitklässlerin hat heute alles ganz allein geschafft. Ben hat Fragen. Er versteht nicht, was in der zweiten Aufgabe von ihm verlangt wird. Jana Wöhner kommt und zeigt ihm, auf was er achten muss. Die Erzieherin im Kinderzentrum kümmert sich zusammen mit fünf weiteren Pädagogen (in Teilzeit) um rund 50 bis 70 Kinder, die größtenteils aus der Lutherschule zur Mittagsbetreuung kommen.

Zwischen 11 und 14 Uhr ist Wallung in dem verwinkelten Haus in der Judengasse. Die Kinder essen, machen Hausaufgaben. Danach dürfen sie spielen und toben, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Es gibt ein Jungen- und ein Mädchenzimmer, den Mattenraum und natürlich draußen den Spielplatz.

Doch zurück in den Hausaufgabenraum. Es ist still hier und die Acht- und Neunjährigen sitzen konzentriert vor ihren Heften. "Den Kindern sind die Hausaufgaben total wichtig", erzählt Jana Wöhner. "Sie sind dankbar, dass wir uns Zeit dafür nehmen und fragen, wann sie denn endlich Hausaufgaben machen dürfen."

Doch sind die Schulsachen verstaut und alles erledigt, gibt es kein Halten mehr. Der Mattenraum steht an erster Stelle. Hier können sich alle austoben. Die Polster, die mit buntem Samt bezogen sind, müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Genauso wie die Spielsachen in den anderen Zimmern. "Wir sind auf Spenden angewiesen", sagt Geschäftsführerin Johanna Schilling. Die Stadt stellt die Räume zur Verfügung und übernimmt die Personalkosten.

Da viele Kinder einen Migrationshintergrund haben, legen die Sozialpädagogen und Erzieherinnen Wert auf Spiele, die die Kinder vor allem sprachlich und kognitiv fördern. "Solche Spiele sind teuer und wir bräuchten noch viel mehr", bringt Johanna Schilling das Problem auf den Punkt.

Oase der Geborgenheit

Wo so viel gespielt wird, geht automatisch auch immer wieder was kaputt oder ist abgenutzt. Kreide, Hüpfgummis, Fußbälle haben keine lange Lebensdauer. Auch die Fußballtore im Garten sind durch und die Jungs wünschen sich dringend neue.

Nach der Freispielphase gibt es gegen 15 Uhr Müsli, Obst oder einen Snack. Danach stehen spezielle Angebote auf dem Programm: Basteln für Weihnachten oder gerade heute, ein Fotoshooting in weihnachtlichem Ambiente. Das Bild bekommen die Kinder als Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern.

"Die Kinder, die hierher kommen, lernen vor allem auch den sozialen Umgang miteinander", sagt Jana Wöhner. Da hätten viele Defizite, weil sie es daheim nicht lernen.

Havva strahlt übers ganze Gesicht als sie zwischen den bunten Matten herumhüpft. Wenn sie mit ihrem Bruder am späten Nachmittag nach Hause geht, hat sie einen anstrengenden, aber mit Lernen, Spiel und Spaß angefüllten Tag gemeistert.