Die Corona-Krise ist fast überstanden, da belastet uns alle der schreckliche Krieg gegen die Ukraine. Trotzdem und gerade auch deshalb ist es in schwierigen Zeiten wie diesen wichtig, auch mal kurz auf andere Gedanken zu kommen. Oder, mit anderen Worten: Lasst uns doch mal kurz den Kopf frei bekommen!

Drei Mitglieder der Redaktion des Coburger Tageblatts verraten, wie das bei ihnen an diesem Wochenende gelingen soll.

"Rad!"

Von Simone Bastian

Eigentlich: Raus. Aufs Fahrrad. Wind um die Nase, surrende Reifen oder meinetwegen das Surren des Elektromotors. Bitte nicht mit der Ausrede kommen, es sei zu kalt. Es gibt nur falsche Kleidung.

Warum Fahrrad? Weil auch fürs Fahrrad zutrifft, was der Kollege im Text nebenan übers Motorrad schreibt. Es macht den Kopf frei. Und es verbessert die Fitness. Außerdem lässt sich ein E-Bike mit Ökostrom fahren statt mit teurem Sprit.

Aber genug der Vorrede. Eigentlich geht es hier ums Mountainbiken, oder, wie es für unsere Gegend richtiger wäre, ums Geländeradfahren. Hügel rauf, Hügel runter. Auf Wegen, die nach diesen letzten nassen Wochen nicht danach aussehen, als seien sie fürs Radfahren gemacht. Egal. Wer aufpassen muss, dass er nicht in den Dreck fällt, hat im Kopf keinen Platz mehr für andere Gedanken. Der ist in diesem Moment auf diesem Pfad, an dieser schlammigen Stelle, an deren Ende noch dicke Äste liegen, er hat keine Zeit mehr zu bremsen oder auszuweichen, da müssen Rad und Mensch jetzt irgendwie durch und drüber - bloß nicht bremsen! Dann stehste erst recht im Matsch! - runterschalten, mit Gefühl treten. Uff!

Egal, dass der Schmodder ins Gesicht spritzt und der Weg ins Haus später eine Herausforderung wird, weil der Flur ja sauber bleiben soll. Das Herz pumpt wegen der Anstrengung, die steile Abfahrt nach dem Matsch jagt das Adrenalin noch höher und steigt zu Kopf. Rein biochemische Vorgänge, natürlich, aber sie bewirken eins: Radfahren macht glücklich.

Wie wäre es noch mit einem Abstecher den Hügel runter, auf ein Radler im Stehen? Der Biergarten hat auf! Den Weg zurück schaffen wir schon noch. Für die E-Biker unter uns ist das gar kein Problem. Und selbst wen es nicht ins Gelände zieht: Frische Luft. Landschaft. Die Aussicht auf eine Einkehr. Das alles ist Radfahren.

"Natur!"

Von Rainer Lutz

Lassen wir all das Negative in der Welt an uns heran, kann es den Kopf schon ganz schön überlasten. Es scheint aber in der Natur des Menschen zu liegen, dass er vor allem dem Negativen seine Aufmerksamkeit schenkt. Eigentlich klar, das Positive bedarf ja keiner Aufmerksamkeit, keiner Änderung. Es ist ja schon positiv. Vielleicht wurden Bücher deswegen keine Bestseller, die in den vergangenen Jahren sehr eindrucksvoll belegten, dass wir im Grunde in den besten Zeiten leben, die unsere Gattung je erlebt hat.

Was ist zu tun, um sich nicht von falschen Gedanken kaputt machen zu lassen? Erster Schritt: Nicht dauernd drüber nachdenken, was womöglich alles an schlimmen Dingen passieren könnte. Damit beschäftigen wir uns, falls sie wirklich passieren. Zweiter Schritt: Ein Motorrad kaufen. Warum? Weil Jürgen Vogel völlig recht hatte, als er mal sagte: "Wenn du Motorrad fährst kannst du an absolut nichts anderes denken." Somit sperren wir die falschen Gedanken erst einmal aus und gleiten genüsslich über kurvige Straßen durch die wunderschöne fränkische Natur - bis wir ein besonders schönes Fleckchen erreichen.

Da steigen wir nun ab und kommen zu Schritt Nummer drei. Natur erleben! Ein Bach plätschert vor sich hin - egal, was auf der Welt passiert. Unter Bäumen oder über Wiesen gehen, Wolken beim Ziehen über den blauen Himmel beobachten - solche Dinge machen den Kopf frei. Das vermaledeite Mobiltelefon in der Tasche tut das übrigens nicht. Lasst es ruhig mal zu Hause! Oh, stimmt, manche haben ja wahrscheinlich gar kein Motorrad. Die können natürlich gleich in die Natur gehen. Dann aber vorzugsweise mit einem Hund. Der lehrt uns nämlich, den Moment zu leben. Von alleine bekommen wir Menschen das nicht so einfach auf die Reihe.

"Club!"

Von Oliver Schmidt

Zugegeben: Sich ein Spiel des 1. FC Nürnberg anzuschauen bereitet meistens eher Kopfschmerzen als dass es dazu angetan wäre, "den Kopf frei" zu bekommen. Dennoch wird es für mich ein besonderes Erlebnis sein, am Samstagabend in einer Coburger Kneipe das Spitzenspiel des "Clubs" gegen den HSV zu verfolgen.

Ja, natürlich ist es ein beruhigendes Gefühl, dass der "Club" in dieser Saison bereits viele Punkte gesammelt hat und deshalb nicht mehr absteigen kann - das ist für "Club"-Fans, die Kummer gewohnt sind, ein ungewohntes und deshalb auch sehr befreiendes Gefühl!

Es sind aber auch die gelockerten Corona-Beschränkungen, die mich erfreuen. Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Wochen galt die Regel, dass Kneipen um 22 Uhr schließen müssen. Für Fußballfans, die sich Spiele im TV lieber in Gemeinschaft anschauen als alleine im Wohnzimmer, war das ein echtes Problem. Beispiel: Champions League. Da erfolgt der Anstoß oft erst um 21 Uhr. Sprich: In einer Kneipe, die um 22 Uhr dicht machte, war gerade mal die erste Halbzeit drin.

Bitter war es neulich auch, als der "Club" an einem Freitag gegen Ingolstadt mit 0:5 unterging. Hier hätte ich mir die zweite Halbzeit sehr gerne erspart - doch weil der Anpfiff bereits um 18.30 Uhr war, konnte ich mir in diesem Fall das ganze Drama anschauen. Den Kummer gemeinsam runterspülen war aber nur bedingt möglich: Um 22 Uhr war Zapfenstreich.

Und heute? Ganz ehrlich: Für mich ist zweitrangig, wie das Spiel ausgeht. Ich freue mich, dass wir Corona langsam überstanden haben könnten. Ich freue mich, dass auch Fans von anderen "Clubs" und Diskotheken ab diesem Wochenende wieder auf ihre Kosten kommen. Und von Herzen gerne würde ich sogar tauschen: Lieber Kopfschmerzen wegen eines Fußballspiels als wegen eines Kriegs.