Tiefe Töne von Vuvuzelas dringen am Montag um die Mittagszeit durch die Innenstadt. In den Klang, der dem Trompeten eines Elefanten gleicht, mischen sich Trommeln und immer wieder der warnende Hupton eines kleinen Radladers. Anstelle der Schaufel prangen Plakate mit den Forderungen der Gewerkschaft an der Baumaschine.

Am späten Vormittag haben sich rund 130 Bauarbeiter aus Franken vor der Pakethalle auf dem früheren Güterbahnhofsgelände versammelt. Aus dem Lautsprecherwagen werden Pool- oder Schwimmnudeln ausgeladen und verteilt. "So halten wir den Mindestabstand zueinander ein", erklärt IG-BAU Regionalleiter Hans Beer. Auch das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes hat das Ordnungsamt vorgegeben. Der Zug führt durch den Sonntagsanger, über den Markt- zum Schlossplatz.

Mit dem lautstarken Protestzug wollen die im Bauhauptgewerbe Beschäftigten folgenden Forderungen Nachdruck verleihen: mehr Lohn und Gehalt, eine Vergütung der Wegezeit und gleiche Bezahlung in Ost und West. Bei den aktuellen Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Bauhauptgewerbes, die am Montag in Mainz stattgefunden haben, fordert die IG BAU 5,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Tarifverhandlungen für bundesweit 890000 Bau-Beschäftigte gingen am Montag in die zweite Runde. In mehreren Städten im Bundesgebiet gehen an diesem Tag Bauarbeiter auf die Straße.

"Das muss endlich bei den Arbeitern ankommen!"

Eine Entschädigung für die Wegezeit zu den Baustellen müsse endlich bei den Beschäftigten ankommen, fordert Gewerkschaftssekretärin Kathrin Winkler. Bei der Abschlusskundgebung vor dem Landestheater spricht auch Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD). Sauerteig, vor der Wahl zum Coburger Stadtoberhaupt Teamleiter beim DGB Rechtsschutz in Würzburg, sagte in seinem Grußwort: "Es ist nachvollziehbar, dass gut und fleißig arbeitende Menschen an den hohen Aufträgen einen angemessenen Anteil fordern." Sauerteig kritisierte, dass es bislang in Bayern kein Tariftreue- und Vergabegesetz gebe, und wandte sich "gegen ein höheres Renteneintrittsalter für Beschäftigte aus Branchen mit harter körperlicher Arbeit". Eine neue Bundesregierung müsse sich den gesamtgesellschaftlichen Aufgaben verantwortungsvoll stellen.

Das Baugewerbe in Stadt und Landkreis Coburg hat im vergangenen Jahr 237 Millionen Euro erwirtschaftet - und damit maßgeblich zur Stabilisierung der heimischen Wirtschaft in Zeiten der Corona-Krise beigetragen. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit. Die Gewerkschaft beruft sich auf eine aktuelle Schätzung des Pestel-Instituts in Hannover. Danach stieg die Bruttowertschöpfung im Coburger Bausektor innerhalb eines Jahres um neun Prozent.

"Auch in Nordbayern laufen die Arbeiten auf den Baustellen trotz Pandemie nach wie vor auf Hochtouren - vom Wohnungsbau über die Instandhaltung von Straßen bis hin zum Gleisbau", sagt Hans Beer, Regionalleiter der IG BAU Franken. Die Beschäftigten sollten nun an den guten Geschäften ihrer Firmen beteiligt werden. Die Protest-Kundgebung in Coburg sei Teil eines bundesweiten Aktionstages.

Außerdem soll es eine Entschädigung für die sogenannten Wegezeiten, also die langen, meist unbezahlten Fahrzeiten zu den Baustellen, geben. Darüber hinaus müssten die Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland mehr als 30 Jahre nach der Einheit überwunden werden.

Das Bauhauptgewerbe beschäftigt laut Arbeitsagentur in Stadt und Landkreis Coburg aktuell knapp 1100 Menschen.