Es war diese eine von den 31,536 Millionen Sekunden des Schaltjahres 1984. Diese eine verdammte Sekunde, die alles veränderte. Bis zu dieser Sekunde war Bernd Buchenau ein junger Mann, der mit seinen 23 Jahren hoffnungsvoll in die Zukunft blickte. Er wollte heiraten, eine Familie gründen.

Vielleicht dachte er gerade daran, als er nach der Arbeit aufs Motorrad stieg. Es dämmerte schon. Das Auto ohne Licht, das ihm die Vorfahrt nahm, sah er gar nicht. Er krachte auf die Straße, der Helm brach in Stücke. Seit dieser Sekunde ist Bernd Buchenau vom Hals an gelähmt.

Nach acht Kliniken und acht Jahren Pflege zuhause kam Bernd in ein Heim

Coburg, Bremen, Frankfurt, Bad Neustadt, Bayreuth... . "Insgesamt waren es acht Kliniken, in denen er behandelt oder gepflegt wurde", sagt Helga Conrad, Bernds Mutter. Zusammen mit Papa Gilbert Denche hat sie ihren Sohn auch über Jahre zu Hause gepflegt. Doch irgendwann überstieg das ihre Kraft. Sie fand einen Platz im Pflegeheim des ASB in Cortendorf für Bernd. "Hier wird er liebevoll gepflegt und wir besuchen ihn oft."

Bernds Wohnzimmer ist das Zimmer eines Bikers. Motorradmodelle im Regal und Motorradschnitte an den Wänden erinnern ihn an seine Leidenschaft. Es war ein Motorrad, mit dem er verunglückte. Doch Bikes blieben bis heute seine große Liebe.

Wer diese Liebe zum Fahren auf zwei Rädern teilt, kann vielleicht verstehen, was es für Bernd Buchenau bedeutete, als am Samstag mehr als 20 Bikes in Cortendorf vorfuhren. Die Blue Knights kamen zu Besuch. Ein besonderer Motorradclub, dem nur Gesetzeshüter angehören.

20 Biker der Blue Knights überraschen Bernd 

Es war Peter Mäusbacher, der diesen Glücksmoment für Bernd Buchenau organisiert hat. Der pensionierte Bundespolizist und Mitglied der Blue Knights fährt für eine Apotheke Medikamente aus. Dabei lernte er Bernd Buchenau kennen, erfuhr von seinem Schicksal und kam auf die Idee, ihm eine Freude zu machen. "Ich habe das dann in unserem Club angesprochen und bin damit auf offene Ohren gestoßen", sagt Peter Mäusbacher.

So kam es dann eben, dass über 20 Blaue Ritter sich in Bayreuth trafen und gemeinsam Richtung Coburg rollten, um einem Mann ein besonderes Erlebnis zu verschaffen, den ausgerechnet das geliebte Motorradfahren für den Rest seines Lebens geschädigt hat.

Mitten zwischen schweren Maschinen und den Bikern und Bikerinnen zum Gruppenfoto zu sitzen, das ließ Bernd Buchenaus Gesicht strahlen. Doch der große Glücksmoment kam erst noch. Peter rollte mit seiner Goldwing vor, an der ein großer Beiwagen montiert ist. Mit vereinten Kräften wurde Bernd in den Beiwagen gesetzt. Großcousine Janine Zänger saß neben ihm und hielt ihn fest. So drehten die Blue Knights mit ihm eine Runde - glückliche Minuten für einen Mann, der noch immer für Motorräder schwärmt, obwohl er nie mehr selbst wird fahren können.

Blue Knights überreichen Bernds Mutter eine Spende

Ehe die Blue Knights in Richtung Innenstadt aufbrachen, um an einer Stadtführung teilzunehmen, hatten sie noch eine Überraschung für Helga Conrad. Sie überreichten ihr 500 Euro für ihre Arbeit in der Wachkoma Gesellschaft.

Wer übrigens Lust hat, auch die Kutte der Blue Knights zu tragen, der kann sich gern bei Peter Mäusbacher (Peter.Maeusbacher@t-online.de) melden. "Ich fände es klasse, wenn wir noch ein paar Leute zusammenbekommen würden", sagt er. Die Aktion, die der Club für Bernd Buchenau gestartet hat, könnte doch ein Anreiz sein.