Im Schuljahr 2018/19 soll es losgehen mit dem "Bildungshaus": Die Grundschule in der Lutherschule und das Kinderhaus, das dorthin vom Oberen Bürglaß umzieht, sollen zusammenarbeiten. Doch noch ist kein Konzept entwickelt. Aber die Zeit drängt, und deshalb hat das Hochbauamt der Stadt Pläne gezeichnet, wie die Lutherschule und das unmittelbar daneben liegende Gebäude Goethestraße 1 zu einem Bildungshaus umgestaltet werden könnten.

Der Jugendhilfesenat erfuhr zumindest in öffentlicher Sitzung nichts über die Pläne und wenig über das bislang erarbeitete Konzept. Darüber werde er im Herbst berichten, versprach Reinhold Ehl, der Leiter des Amts für Jugend und Familie. Ziel sei es, Angebote für altersgemischte Gruppen zwischen vier und acht Jahren zu entwickeln.


Mit den Umbauplanungen wird sich noch einmal der Stadtrat befassen: Christian Müller (CSB) hat beantragt, die Alternativplanung des Elternbeirats auf ihre Machbarkeit zu prüfen. Diese Planung sieht einen Anbau an der Goethestraße vor. Müllers Antrag war im Jugendhilfesenat am Dienstag kein Thema - zumindest nicht direkt. Müller wies im Senat darauf hin, dass es kein "vollintegriertes" Bildungshaus geben werde. Das sei - noch - gesetzlich gar nicht möglich. Schule und Kita würden also eigenständig bleiben und nur einige Räume gemeinsam nutzen, sagte Müller. Die jetzt vorliegende Planung nehme der Schule jedoch Entwicklungsmöglichkeiten, weil alle noch vorhandenen Freiräume ausgenützt würden.

Aber sowohl Schul- als auch Kindergartenaufsicht bei der Regierung von Oberfranken haben in Aussicht gestellt, dass sie Pläne der Stadt genehmigen werden. Darauf hatte Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) als Sitzungsleiter zu Beginn hingewiesen. Ohne diese Genehmigungen darf nicht gebaut werden.


Sozialarbeiter für Grund- und Berufsschüler

"Jugendsozialarbeit an allen Coburger Schulen!" Das hatte die CSB-Stadtratsfraktion gefordert, aber das ist natürlich auch eine Geldfrage. Rund 39 000 Euro müssen die jeweiligen Schulträger für eine Schulsozialarbeiterstelle aufbringen. Der staatliche Zuschuss beträgt 16 360 Euro pro Vollzeitstelle und Jahr. Deshalb hatte das Amt für Jugend und Familie eine Prioritätenliste erstellt, an welchen Schulen die nächsten Sozialarbeiterstellen eingerichtet werden sollen. Ab dem nächsten Schuljahr sollen in der Melchior-Franck-Grundschule sowie in der Staatlichen Berufsschule I Sozialpädagogen Schülern bei Problemen aller Art helfen.

Während es bei der Melchior-Franck-Schule keine weitere Diskussion gab, hatten bei der Berufsschule einige Senatsmitglieder "Bauchschmerzen", wie Mathias Zimmer (CSU) sagte. Nicht wegen des Bedarfs, den stellvertretender Schulleiter Rolf Sander eindringlich darlegte: 200 von rund 1300 Schülern haben gar keine Ausbildungsstelle, sind aber drei Jahre lang berufsschulpflichtig. "Da fehlt die Motivation", sagte Sander. Allein in diesem Schuljahr gab es bis März 38 Verfahren wegen Schulschwänzen. 17 Prozent der Schüler haben Migrationshintergrund. Aber 57 Prozent der Schüler haben ihren Wohnsitz im Landkreis. Reinhold Ehl, Leiter des Amts für Jugend und Familie, empfahl deshalb, mit dem Landkreis über eine möglich Kostenbeteiligung zu sprechen. Trotzdem solle die Stadt die Jugendsozialarbeit schon zum Schuljahrsbeginn 2016/17 finanzieren.

Die endgültige Entscheidung darüber fällt nächste Woche im Finanzsenat: Der muss die Mittel freigeben. Er zweifle daran, dass der Landkreis sich beteiligen werde, sagte Christian Müller (CSB). "Deshalb müsste ich eigentlich dagegen sein." Aber die Stadt dürfe die Schule nicht allein lassen und sei auch gegenüber der Wirtschaft in Verantwortung, die gut ausgebildete junge Leute erwarte.


Politisch Einfluss nehmen

Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) wies darauf hin, dass die Parteien ja versuchen könnten, auf die Fraktionen im Kreistag einzuwirken, dass auch sie Geld für die Jugendsozialarbeit bereitstellen. Besetzt werden soll die Stelle vom Amt für Jugend und Familie. Das wird mit Beginn des neuen Schuljahres auch die Jugendsozialarbeit an der Rückertschule übernehmen, da Andreas Schlögler-Wolf an die Melchior-Franck-Schule wechseln soll. Er ist beim Diakonischen Werk angestellt. Ehl begründete diese Personalverschiebung damit, dass die Melchior-Franck-Schule viele Kinder an die Rückertschule abgebe. Schlögler-Wolf solle "Aufbauarbeit" leisten.

Die Prioritätenliste, welche Schule vielleicht noch einen Sozialarbeiter braucht, soll jährlich aktualisiert werden. Was Jugendsozialarbeit an Schulen leisten kann, stellte Luisa Weber am Beispiel der Jean-Paul-Schule dar. "Man kann vielen Kindern helfen", bestätigte Schulleiter Hans Haberzettl. Jugendsozialarbeit ist an Grundschulen vorgesehen, wenn der Migrantenanteil über 20 Prozent liegt. An der Jean-Paul-Schule lag er zeitweilig bei 35 Prozent, an der Melchior-Franck-Schule beträgt er 27 Prozent.