"Ich habe ja Verständnis für Ihr Interesse", sagt Axel Manthei zu den versammelten Medienvertretern und macht mit seiner rechten Hand eine abwehrende Bewegung: "Aber hier gibt es nichts zu sehen!" Da hat der Waffensachverständige des Landeskriminalamts Recht. Aber es wird an diesem Mittwochvormittag am Alten Schützenhaus etwas zu hören geben. Schüsse. Laute Schüsse. Obwohl das Rolltor zum Keller, wo sie nach und nach aus einer Schrotflinte abgegeben werden, komplett geschlossen ist, sind sie noch draußen auf dem Parkplatz der Gaststätte deutlich zu hören.

Rückkehr an den Tatort

Zum zweiten Mal innerhalb des "Schützenhaus-Prozesses" gab es gestern also eine Rückkehr an den Tatort. Diesmal war es jedoch kein offizieller Teil der Verhandlung. Vielmehr sollen die neuerlichen Schüsse im Keller darüber Aufschluss geben, ob die Aussagen des angeklagten Ulrich S. stimmig sind. Denn bislang konnten im Keller keinerlei Blei- oder Schmauchspuren an der Decke oder den Wänden festgestellt werden - obwohl Ulrich S. sagt, dass er dort regelmäßig mit einem Gewehr auf Rattenjagd gegangen ist.

Deshalb wurde jetzt alles noch einmal so genau wie nur möglich nachgestellt.

Letztlich kann die Simulation zu zwei Erkenntnissen führen: Dass die Schilderung von Ulrich S. überhaupt nicht stimmen kann, weil es nach einem Schusswaffengebrauch im Keller auf jeden Fall Blei- oder Schmauchspuren geben muss - oder dass die Schilderung des Angeklagten durchaus stimmen kann, weil im Keller vielleicht aus irgendwelchen Gründen sehr wohl Schüsse möglich sind, die gar keine Spuren hinterlassen.

Axel Manthel wird das Ergebnis der Schießdemonstration am nächsten Verhandlungstag vorstellen, der für Dienstag, 13. August, terminiert ist.

Und damit noch einmal zurück ans Alte Schützenhaus am Mittwochvormittag: Während Axel Manthel und sein Team im Keller mit dem Gewehr zugange waren, wurde der Eingangsbereich von zwei in Zivil gekleideten Polizeibeamten bewacht. Außer einigen Pressefotografen hatten sich allerdings keine Schaulustigen eingefunden. Es gab ja auch nichts zu sehen - nur zu hören.

War es ein Unfall?

Im "Schützenhaus-Prozess" ist der 55-jährige Gastronom Ulrich S. wegen Totschlags angeklagt. Er hatte am Abend des 6. Oktober 2012 im Alten Schützenhaus im Weichengereuth seine Frau Marie erschossen. Ulrich S. behauptet aber, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe. Denn er hätte mit dem Gewehr - wie schon häufig zuvor - im Keller des Gebäudes auf Rattenjagd gehen wollen. Doch dann sei er in der Wohnung über seinen kleinen Hund gestolpert. Dabei habe sich dann der tödliche Schuss gelöst. Anschließend wollte sich Ulrich S. nach eigenem Bekunden selbst töten, doch dies misslang. An den bisherigen Verhandlungstagen waren erhebliche Zweifel an der Unfallversion aufgekommen.


Der weitere Zeitplan

Dienstag, 13. August Der Waffensachverständige Axel Manthei wird das Ergebnis der gestrigen Schießversuche vorstellen. Das Ergebnis hat Einfluss auf die Glaubwürdigkeit der bisherigen Aussagen des wegen Totschlags angeklagten Ulrich S. Beginn dieses fünften Verhandlungstages am Coburger Landgericht: 9 Uhr.

Mittwoch, 14. August Nachdem der Rechtsmediziner Stephan Seidl noch einmal Auskunft geben wird, aus welchem Winkel der tödliche Schuss auf Marie S. abgegeben worden ist, werden Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten. Beginn am Coburger Landgericht: 15 Uhr.

Noch offen Wann der Vorsitzende Richter Gerhard Amend das Urteil verkünden wird, steht noch nicht genau fest. Laut einer Pressemitteilung des Landgerichts von gestern wird aber nicht ausgeschlossen, dass dies ebenfalls noch am 14. August geschieht.