Die Auseinandersetzung mit Albert und Victoria erfolgt sehr indirekt, muss erklärt werden. Die Ausstellung "Affektive Allianzen" auf Schloss Callenberg ist aber sehr wohl als weiterer Schwerpunkt, als markanter Abschluss zum Jubeljahr gemeint. "Prinz Albert war visionär, dem Modernen gegenüber sehr aufgeschlossen", stellt Prinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha eine geistige Beziehung zu den 32 modernen Kunstwerken her, die 16 Studierende oder Absolventen der Akademie der bildenden Künste Nürnberg in Auseinandersetzung mit Schloss Callenberg hervorgebracht haben, in Beschäftigung mit Architektur, Ausstattung, den dort zu sehenden Bildersammlungen, mit Blickbeziehungen und Fortführung historischen Kunstschaffens in modernen Mitteln. "Das ist ein ganz anderer Blickwinkel, sehr spannend in diesen von Geschichte durchtränkten Räumen", so Hubertus.

Tatsächlich hat bei der Presseführung die Kuratorin Gergana Todorova viel zu den einzelnen Objekten, den Bildern, Installationen und Videos zu erzählen. Ohne gewisse Informationen würden sich die Werke tatsächlich meist nicht unbedingt erschließen. Obwohl sie selbstverständlich, weil sie in den Salons sind, umgeben von diesen vielen auf sie blickenden Porträts der herzoglichen Familie, ihre Wirkung haben.

Einfach ist das noch bei Helen Hetzels tierisch inspirierten Kaminecken. Da liegen arrangiert Krallen, statt des üblichen Bärenfells, ein an der Hundeleine festgebundenes Stück Plüsch mit Füßen. Da gibt es im Schloss doch auch diese bepfoteten Tische und Stühle... "Strategien der Beseelung" nennt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Todorova das.

In das Video, in dem zwei Frauen die Moves ihrer Discojugend reproduzieren, aber auf abgeerntetem Stoppelfeld, drängt sich die intensive um Callenberg liegende Landschaft durch die nahen Fenster. So kann man es sehen. Irgendwo in diesen Räumen ist es doch auch so, als stiegen Prinzessinnen in tanzenden Positionen von den Wänden.

Spielkarten

Es gibt ein Tentakelwesen aus mythischen Figuren, von Raphaela Vogel, in dem auch noch auf einen weißen Stofffetzen Projektionen erscheinen, Reflexionen von Geschichte, die Frage nach dem Umgang mit Geschichte stellend in diesem Haus, das ein einziger "Speicher von Geschichte" sei. Das ist interessant an sich, egal an welchem Ort es steht.

In einem grünen Holzrahmen liegen Spielkarten, auf denen die Porträts der umgebenden Wände abgedruckt sind, von Guoxin Tian.

Eine Soundinstallation

Es gibt auch zwei geteerte Bilder, von Norbert Witzgall. Unter einem hat der Künstler ein Porträt, das ja immer Selbstdarstellung ist, also mit Eitelkeit zu tun hat, verschwinden lassen. Über dem Teer stattdessen Pfauenfedern, die Augen und Mund markieren. Michael Akstaller wiederum hat mitten in der Nacht Geräusche aus der Umgebung von Schloss Callenberg aufgenommen, einschließlich seiner eigenen Schritte; die gibt er in seiner Soundarbeit wieder, womit er sich auf das Thema des müßigen Flaneurs beziehe, erklärt die Kuratorin.

Das Projekt war im Frühjahr durch die Marketingabteilung der Stadt Coburg initiiert worden. Die 16 ausgewählten Künstlerinnen und Künstler der Nürnberger Akademie seien allesamt begeistert gewesen von der Chance, in diesem Rahmen zu arbeiten, betont Gergana Todorava.

Die Korrespondenz mit dieser sehr persönlichen Sammlung, den über die Generationen und verschiedene Epochen hinweg zusammengekommenen Gegenständen in dem ehemaligen Privatsitz der herzoglichen Familie sei sehr inspirierend gewesen. - Vielleicht könnte man auch der Inspiration der Besucher noch mit Titeln und kurzen Erklärungen zu den Objekten, die gestern noch nicht angebracht waren, auf die Sprünge helfen.

Die Flecken in den Tapeten, die von abgenommenen Bildern, also verschwundenen Porträts zeugen, gehören übrigens zum weitergreifenden Gesamtgedanken dieser Schau.

Die Ausstellung Affektive Allianzen. Ein Projekt im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Prinz Albert und Queen Victoria unter der Schirmherrschaft von Queen Elizabeth II.. Akademie der Bildenden Künste Nürnberg

in Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg und dem Herzogshaus Sachsen-Coburg und Gotha. Kuratoren: Judith Grobe und Gergana Todorova. Schloss Callenberg, bis 23. Februar, Dienstag bis Sonntag, 13 bis 16 Uhr, nicht am 24. Dezember.