Eigentlich sollte am Erntedankfest dieses Jahres ein Jubiläumskonzert zum 150. Bestehen der Kantorei von St. Moriz stattfinden. Leider musste es wie so vieles in diesen Corona-Zeiten abgesagt werden. 2020 ist ja eigentlich ein "Beethoven-Jahr", aber der Meister wird verzeihen, wenn stattdessen ein Bach-Konzert veranstaltet wurde, hat er doch selbst verkündet: "Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen wegen seines unendlichen, unerschöpflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien".

Kunstvolle Choralvorspiele

Wie unerschöpflich die Musik Bachs ist, demonstrierte eine Reihe anspruchsvoller Orgelwerke des Barockmeisters. Peter Stenglein konzentrierte sich bei seinem Konzert auf zwei Toccaten und Fugen nebst einigen der reifen "Leipziger Choräle" - kunstvolle Choralvorspiele.

Den gewichtigen Auftakt bildete die "dorische" Toccata d-Moll BWV 538, die der Organist in zügigem Tempo mit motorischer Präzision gestaltete. Anstatt sofort mit der Fuge fortzufahren, folgte quasi als Intermezzo ein erster aus den 18 Leipziger Chorälen: "Allein Gott in der Höh' sei Ehr" mit klangvoll hervorgehobenem, reich verziertem Cantus firmus im Sopran.

Die darauf folgende Fuge der d-Moll-Toccata erfuhr mit ihrem energischen, sprunghaften und synkopenreichen Thema eine dichte Wiedergabe.

Bewegtes Laufwerk, flüssig von Peter Stenglein dargeboten, prägte das Trio super "Jesu Christ, dich zu uns wend", bevor wiederum mit Cantus firmus im Sopran "Nun danket alle Gott" erklang. Seine letzte Komposition, das Choralvorspiel "Vor deinen Thron tret ich hiermit" diktierte Bach seinem Schwiegersohn auf dem Totenbett in die Feder. Es wird häufig am Ende seiner unvollendeten "Kunst der Fuge" als besinnlicher Abschluss angefügt. Stenglein interpretierte das eindrucksvolle Vermächtnis angemessen verhalten in fahler Registrierung.

Krönender Ausklang

Den krönenden Ausklang des Erntedank-Konzerts bildete die gewaltige Toccata und Fuge F-Dur BWV 540, wiederum mit einem dazwischen gestellten Choralvorspiel, dem mit zartem Cantus firmus im Pedal gehaltenen "Von Gott will ich nicht lassen". Als wahrer Meister der Tasten und Töne bewältigte Peter Stenglein mit überlegener Technik und virtuosen Pedalsoli die Toccata und ließ die gravitätische Fuge mit ihrem wuchtigen chromatischen Thema in durchgehend festlicher Registrierung eindrucksvoll erklingen.

Immer wieder erweist sich die Morizkirche - worauf auch Stenglein in seinen Begrüßungsworten hinwies - als idealer Aufführungsort für Barockmusik, stammen doch das Kirchenschiff sowie der Orgelprospekt samt einigen Registern der heutigen Schuke-Orgel aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also noch zu Lebzeiten von Johann Sebastian Bach.

Rund um die Schuke-Orgel von St. Moriz

Hintergrund Im Herbst 2019 erhielt die Schuke-Orgel von St. Moriz zwei zusätzliche Bass-Register. Der Grund liegt letztlich in der zweijährigen Generalsanierung der Kirche zwischen April 2014 und April 2016. Diese Generalsanierung hatte auch nachhaltigen Einfluss auf die akustischen Bedingungen des Kirchenraums. Die Hallzeiten wurden verlängert und auch das gesamte Klangbild der Orgel wirkt verändert. Vor allem in der Tiefe fehlt nach Ansicht von Experten die wünschenswerte klangliche Abrundung und Durchsetzungskraft. Abhilfe schaffen zwei neue Register - die beiden Bass-Register Untersatz und Posaune 32 Fuß. "Der Klang wird runder, weicher und steht auf einem besseren Fundament", so Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein.. Kostenpunkt: rund 120000 Euro. Prospekt Die Orgel von St. Moriz wurde von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke 1989 geschaffen. Das teilweise rekonstruierte Hauptwerksgehäuse und der Prospekt stammen noch von der historischen Orgel, die Wolfgang-Heinrich Daum 1740 geschaffen hatte.