Der Großteil des Wahlkampfs findet/fand in den Ferien statt - ist das Fluch oder Segen?
Norbert Tessmer: Das kommt auf die persönliche Ausgangslage an. Für einen Neuling, der sich bekannt machen muss, ist es eher ein Fluch. Für jemanden, der sich im "Geschäft" befindet, ist es eher ein Segen, sonst hätte man etwas falsch gemacht. Außerdem hält Wahlkampf von der Arbeit ab.

Was wollen Sie in Berlin für die Region erreichen?
Wir haben in Coburg die vierthöchste Beschäftigungsquote in der Bundesrepublik. Das ist eine gute Ausgangsbasis. Leider haben wir einen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen und es im Landkreis Kronach mit Abwanderungen zu tun. Wir müssen die Region fit machen für den demografischen Wandel. Das gelingt aber nur mit Hilfe von außen.

Worin sehen Sie in der nächsten Legislaturperiode die größte Herausforderung?
Es gibt eine Fülle von dringendem Handlungsbedarf. Hier nur wenige Beispiele: Investition in die Infrastruktur: von den maroden Kanälen, der Schiene bis zu den etwa 120.000 Brücken und 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland, die einer dringenden Sanierung bedürfen. Jede zweite Rente liegt nur unter 700 Euro. Deutschland liegt nach Litauen an der Spitze der Niedriglohnquoten in 17 europäischen Ländern. 300.000 Menschen haben kein Dach über dem Kopf, innerhalb von zwei Jahren hat es hier eine Steigerung von 15 Prozent gegeben. Jedes siebte Kind in Deutschland lebt von Hartz IV - 1965 erhielt etwa jedes 75. Kind Sozialhilfe. Laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes der Industrie bekommt die Regierung schlechte Noten bei der Umsetzung der Energiewende.

Was macht für Sie persönlich die "Faszination Politik" aus?
Der Gestaltungswille, der Drang etwas zu bewirken, nachhaltige Wirkungen zu erzielen.

Wie schalten Sie nach einem langen Arbeitstag oder nach einer langen Arbeitswoche am besten ab?
Für jemanden, der Politik zum Beruf machen will, gibt es nur die Devise: Entweder ganz oder gar nicht. 24 Stunden Einsatz ist angesagt. Natürlich muss man auch schlafen, aber während des Schlafs kann man von der Arbeit träumen. Abschalten kann man nach der aktiven Zeit, so einem der liebe Gott die Zeit dazu lässt.

Welche drei Dinge würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen? Und: was aus unserer Region würde Ihnen auf der einsamen Insel am meisten fehlen?
Ein gutes Buch, das man mehrmals lesen kann, eine zerrissene Jeans und einen Sonnenschirm.
Fehlen würden mir der Sonntagsbraten und Klöß'.


Leben und politischer Werdegang


Norbert Tessmer geboren 1953

Politische Ämter Zweiter Bürgermeister Stadt Coburg, Vorsitzender Sozialsenat, Vorsitzender Jugendhilfesenat, Vor sitzender Schul- und Kultursenats, Vorsitzender des Kulturbeirates, Vorsitzender Seniorenbeirat, Mitglied des Vorstandes der Niederfüllbacher Stif tung, . Tessmer ist außerdem im Aufsichtsrat der Volkshochschule Coburg Stadt- und Land GmbH.

Ehrenamtlich Norbert Tessmer ist Vorstandsmitglied beim TSV Beiersdorf, Vorstandsmit glied beim Diakonischen Werk Coburg; außerdem ist er Vorsitzender des Präventionsarbeitskreises "Friedliches Miteinander".