"Wo soll ich sonst hin?" Fränkischer Trucker findet Wut-Brief von Anwohner

2 Min
Neustadt: Trucker findet Wut-Brief von Anwohner - "wo soll ich sonst hin?"
Normalerweise parkt Christian Schulz seinen Truck auf dem Schützenplatz in Neustadt. Eine Ausnahmesituation führte jetzt aber zu Ärger.
SplitImage 1689001128
Christian Schulz; Collage: inFranken.de
Das Beschwerdeschreiben klemmte eines Tages am Scheibenwischer des Trucks. Ein wichtiges Detail hat der Verfasser im Text unterschlagen.
Neustadt: Trucker findet Wut-Brief von Anwohner - "wo soll ich sonst hin?"
Christian Schulz

Christian Schulz aus Neustadt bei Coburg transportiert beruflich Waren mit einem 40-Tonner. Wegen eines Stadtfestes musste er zum Parken in eine andere Straße ausweichen und bekam prompt einen in seinen Augen ungerechtfertigten Beschwerdezettel.

Zum Arbeitsalltag von Trucker Christian Schulz aus Neustadt bei Coburg gehört die regelmäßige Herausforderung, seinen 40-Tonnen-Lkw zu parken, wie er inFranken.de berichtet. Unter der Woche transportiere er Waren durch Deutschland und stelle das Fahrzeug am Wochenende auf dem Schützenplatz in Neustadt ab.

"Weil aber Kinder- und Marktfest war, musste ich ihn 14 Tage lang woanders hinstellen." Die neue Adresse sei die Siemensstraße. Es sei zwar ein Wohngebiet, doch auch eine Firma gebe es hier. "Dort stand kein Verbotsschild und es war genug Platz", erklärt er seine Wahl. "Ein Mieter hat sich aber aufgeregt." Das zeige ihm ein anonymer Zettel, den er an seiner Windschutzscheibe gefunden habe. 

Trucker aus Neustadt findet Beschwerdezettel - und kann sich bei Verfasser nicht erklären

Der Brief beginnt mit den Worten: "Sie haben ihr Fahrzeug in einem Wohngebiet entsprechend Bebauungsplan "Süd" der Stadt Neustadt bei Coburg abgestellt." Das "regelmäßige Parken" sei rechtlich für solch einen Lkw unter anderem an Sonn- und Feiertagen untersagt.

Der Verfasser bittet Schulz, anderweitige Parkmöglichkeiten wie den Schützenplatz zu nutzen oder Parkmöglichkeiten auf dem firmeneigenen Gelände abzusprechen. "Falls Sie auch in Zukunft ihr Fahrzeug widerrechtlich in Wohngebieten abstellen, wird das dem Ordnungsamt mitgeteilt."

"Feige" nennt Schulz die anonyme Aktion. "Wenn er einen Namen drunter geschrieben hätte, hätte ich mal geklingelt." So hätte er die Ausnahmesituation durch das Fest erklären können. In einer lokalen Facebook-Gruppe ließ er in zwei Posts in seinen Worten "Dampf ab". Hier schreibt er unter anderem: "Ich bringe euch Lebensmittel und Getränke, damit ihr versorgt seid. Durch das Kinder- und Marktfest kann ich leider nicht oben parken. Tut mir leid. Wo soll ich sonst hin?"

Ordnungsamt klärt auf: Anonymer Verfasser unterschlägt entscheidendes Detail

Im Gespräch mit inFranken.de schätzt Detlef Heerlein vom Ordnungsamt mit 30-jähriger Erfahrung die Lage ein. "Er darf in der Siemensstraße stehen. Dort befinden sich auch Unternehmen und damit handelt es sich um ein Misch- und kein reines Wohngebiet." Denn nur für reine Wohngebiete gelte der in dem Beschwerdebrief zitierte Paragraf. "Diese sind selten", so Heerlein. "Die Straße ist über acht Meter breit. Verkehrsrechtlich gibt es hier gar nichts gegen einzuwenden", klärt Heerlein auf und drückt gleichzeitig Verständnis für den Unmut von Anwohnern aus. 

Wichtigstes Kriterium sei, dass Feuerwehrfahrzeuge mit Drehleiter noch genügend Platz für die Durchfahrt hätten. Das sei in der Siemensstraße gegeben. Inzwischen sei die Tendenz zu erkennen, dass immer mehr Trucker ihre Lkw bei sich zu Hause parkten. Der Bedarf an großen Parkplätzen in der Stadt und Konflikte, wie Christian Schulz es erlebte, könnten damit zunehmen. Das könne schließlich zu einer Anpassung der Straßenverkehrsordnung führen, sodass das Parken auch in reinen Wohngebieten erlaubt sein könnte, mutmaßt Heerlein. So weit sei es aber noch nicht.

Schulz sei indes dankbar über den großen Zuspruch, den er im Netz erfahren habe. Bisher sei auch keine weitere Beschwerde in seiner Trucker-Laufbahn seit Mai an ihn gelangt. "Nächstes Wochenende kann ich wieder auf den Schützenplatz", sagt er beruhigt. Unterdessen geht es für ihn an den Wochentagen weiter auf die Suche nach den knappen Parkplätzen an den Autobahnen Deutschlands. Weitere Nachrichten aus Neustadt bei Coburg findest du auf unserer Übersichtsseite.