Des hat gebasst wie die bayerische Faust aufs frängische Auge, die Well-Brüder zum Auftakt des kulturellen Lebens in der neuen Veranstaltungshalle Witzmannsberg. Weil diese Teilformation des nachwirkenden Biermösl-Blosn-Kosmos, der Stachel im bayerischen Fleisch, wie es einmal in einer Kritik hieß, im Grunde auf der gleichen subversiven Humorwelle segelt wie die Franken, die gerne ein Stachel im bayerischen Fleisch wären, haben die 300 Leut' in dem ausverkauften Saal gelacht und gelacht. Man hat sich bestens verstanden; schließlich haben die Frangn über die lange Zeit der Usurpation hinweg die Sprache der Besatzer aus dem Süden gelernt.

Umgekehrt gstanzln die Wellbrüder fassungslos, dass jetzt a Franke bayerischer Ministerpräsident ist. Mach mer uns halt zusammen über die Österreicher her, ein gemeinsamer Feind is was wert.

Vor einer Woche eingeweiht, hat die Rödentaler Veranstaltungsagentur Friedrich mit diesem ersten Gastspiel in der neu en Halle am Freitag gezeigt, wo es - unter anderem - hier hingehen soll. Vier bis fünf Mal im Jahr will Friedrich die neue Halle mit professioneller Kleinkunst und Kabarett bespielen. Schließlich geht es hier nicht nur um einen neuen Ortsmittelpunkt, der von Bürgern und Vereinen bittschön intensiv genutzt werden möge, wie zur Eröffnung letzte Woche ausdrücklich betont wurde, sondern um ein unter anderem mit EU-Mitteln gefördertes Kulturzentrum für den gesamten Landkreis. "Wenn die Coburger jetzt Kultur erleben wollen", so sehen das die Well-Buam, "dann können sie nach Witzmannsberg kommen".

Tatsächlich ist aus dem maroden Schwimmbad eine ansprechende Veranstaltungshalle mittlerer Größe geworden, wie man sie hier in der Region brauchen kann, durchaus auch von Coburg aus gesehen; selbstverständlich nicht so urig wie etwa der Schwarzer Bär in Beiersdorf, dafür aber größer, andererseits aber auch wieder nicht zu groß.

Die einseitig ansteigende Decke und der gesamte Raum werden durch dimmbare Lampenkreise unterschiedlicher Größe auch graphisch gestaltet. Keine schlechte Atmosphäre. Für die Well-Brüder und ihre tausend Instrumente bis zu den Alphörnern war die Akustik einwandfrei Sonstiges muss sich erst noch erweisen.

Nur furchtbar warm is es in den zweieinhalb Stunden Konzert dort drin geworden. Die sollten noch mal nachguggn, ob sie wirklich die Sauna ausgebaut haben. Empfahlen auch die Well-Brüder.

Was die alles können!

Die drei haben bei ihrem Kabarett-Konzert wirklich was geboten. Was der Stofferl musikalisch virtuos alles bringt, is irre, von der Trompete (aber schließlich war der auch Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern), über die Harfe, die Quetschn, die Geige, Zupfinstrumente - och, irgendwie lässt der nix aus. Aber auch der Michael, der Große, der der allmächtige Organisator der Truppe sein soll, mit Tuba, Drehleier, Gitarre, Cello, Steirisches Akkordeon spieln sie ja alle, Solo-Brummtopf...

Und der Karli, der Älteste kanns auch mit der Klarinette, und so weiter und so weiter und auch mit seinem Kugelbauch, der bauchtänzerisch zum Einsatz kommt, als der Stofferl doch tatsächlich in einen Schuhplattler springt, dass man Angst kriegen muss, und der Michael einen wahnsinns Stepdance liefert, weil doch die 17-köpfige Lehrersfamilie aus dem Beerenmoos bei Fürstenfeldbruck von dem im 16. Jahrhundert aus religiösen Gründen aus Schottland abgezogen McWell-Clan abstammt. Von der wunderbaren - echten - Volksmusik mit vielerlei witzigen Einfällen und Erweiterungen abgesehen, ist es aber das Biermösl-Blosn-Mundwerk, das die Well-Brüder ebenso wie ihre Schwestern, die Wellküren, über die Jahrzehnte ins heute gesellschaftlich-politisch Aufspießende weitergeführt haben. Von der satirischen Widerspiegelung des dörflichen Vereinslebens über die ländliche Kommunalpolitik bis zu den obersten Granden des Freistaates geht's frech bis böse rund und immer wieder rund.

Die Leut' hier kriegen ihr Fett weg

Übrigens haben wir bei den Well-Brüdern, vom sonstigen willigen Mittun des Publikums abgesehen, auch das Kleine Latinum nachgeholt. ("Habt's ihr überhaupt a Abitur?" So werd' ma scho amol angeschrien, aber des vergraffdn mir.) "Veni, vidi, fik di" lernen wir in diesem Gymnasium bavaricum chaoticum der Wells. "G8 erat Hirnschiss", aber dafür konnten doch die Well-Buam nichts.

Des Schönste bei denen ist ja aber, dass die sich in ihren Spottliedern immer auch ihren Auftrittsort vornehmen. Mitgekriegt haben sie, dass der Landrat Straubel rigoros tut, was er mag. Des einzige is, dass er vorher den Stoschek fragt. Och übrigens, wenn des mit dem Kastner und dem Stoschek nicht endlich aufhört, dann wird am ehemaligen Schlachthof a Uno Blauhelm-Truppe installiert.

Dass die drei Maulhelden gegen sämtliche Dörfer rundum fotzen, des haben wir erwartet. Aber dass sie uns mit so was Gehässigem meinen loben zu müssen: Dass unnere Brodwörschd fast so gut seien wie die Thüringer, also das geht doch ins Elementare. - Basst blos auf, ihr Bubn, do is die Grenz' erreicht.

Die Well-Brüder entstammen der 17-köpfigen Familie des Schulmeisters Hermann Well und seiner Frau Gertraud aus der Gemeinde Günzlhofen bei Fürstenfeldbruck. Christoph, Stofferl Well wurde als 14. Kind geboren und trat schon mit drei Jahren mit seinen Eltern und Geschwistern öffentlich auf. Mit neun erhielt er eine Trompete, um sich das Spielen selbst beizubringen. Er studierte er an der Musikhochschule München Trompete. Mit 18 wurde er Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern. Nach einer Herzoperation gab er diese Stelle mit 21 Jahren jedoch auf und erlernte Harfe. Vom 17. bis 52. Lebensjahr spielte er mit seinen Brüdern Michael und Hans in der Biermösl Blosn. Nach deren Auflösung gründete er mit Michael und Karl Well die Formation "Wellbrüder aus'm Biermoos", die zusammen mit den Wellküren auch als "Geschwister Well" auftreten. Er ist musikalisch vielseitig aktiv. Seine musikalische Heimat ist jedoch die bairische Volksmusik, deren Weiterentwicklung ihm ein großes Anliegen ist.

Karli Well, Nummer 12 in der Geschwisterfolge, spielt unter anderem Klarinette, Steirisches Akkordeon, Gitarre, Saxophon, Kontrabass, Blockflöte. Er ist Schreiner, Kindergärtner und Erzieher.

Michael Well, der 13. Spross, spielt unter anderem Tuba, Drehleier, Banjo, Gitarre, Cello. Bei seinem Bruder Stofferl lernte er anfangs Tenorhorn. Nachdem sich dieser jedoch als Lehrer unmöglich aufführte, flüchtete er zu Tom Walsh von den Münchner Philharmonikern. Sein Beruf ist eigentlich Sozialpädagoge und Kindergärtner, aber seine Berufung ist Tanzmeister und das Management der drei Brüder, der Wellküren und verschiedener anderer Formationen. Er sei "der eigentliche Imperator des Wellperiums",heißt es auf der Homepage der Well-Brüder.