Mehr Konzerte der Genres Jazz, Latino, Blues, R&B und Rock, mehr Veranstaltungen für Jugendliche, ein Stadtmuseum und ein Programmkino - das sind nur einige Wünsche, die Coburger bei einer Befragung zum Kulturleben in der Stadt geäußert haben. Es war ein Auftrag des Kultur- und Schulsenats aus dem Jahr 2013. Die Kulturabteilung der Stadt sollte Coburgs Kulturlandschaft unter die Lupe nehmen. Das wurde 2001 schon einmal gemacht - mit Blick auf das Jahr 2010. Nun soll diese Perspektivplanung fortgeschrieben werden bis zum Jahr 2025. Diesmal wurde der Auftrag nicht an Externe vergeben, sondern die Kulturabteilung hat sich der Erforschung des kulturellen Lebens in der Stadt angenommen. Über die Ergebnisse berichtete die Leiterin der Abteilung, Michaela Hofmann, den Mitgliedern des Kultur- und Schulsenats.
"Wir haben uns zweier Methoden bedient. Zum einen der Befragung von Bürgerinnen und Bürgern, zum anderen kamen Experten zu Wort." Unter Experten versteht sie Akteure sowie Mitarbeiter von Kultureinrichtungen.
Die Bürgerbefragung fand von März bis Mai des vergangenen Jahres statt. Während dieser Zeit lagen Fragebögen in deutscher, russischer und türkischer Sprache an verschiedenen Orten aus. 294 Bürgerinnen und Bürger haben sich beteiligt - darunter 163 Frauen und 117 Männer. 14 Beteiligte wollten ihr Geschlecht nicht angeben. Zusätzlich waren 40 Experten angeschrieben worden. "Nur 13 haben aber mitgemacht", stellte Michaela Hofmann fest. "Leider war die Beteiligung an der Befragung insgesamt gering. Wir werden das Thema noch einmal beim Kulturstammtisch aufgreifen", ergänzte sie.
Zu welchem Ergebnis kommt nun die Kulturabteilung nach der Auswertung? Bei allen Vorschlägen und Anregungen wurden die berücksichtigt, die mindestens vier Mal vorkamen. Neben den bereits erwähnten Wünschen im Bereich Musik wurde zum Beispiel empfohlen, die bildende Kunst im Stadtbild st ärker sichtbar zu machen. Kleinkunst, Tanzveranstaltungen, Comedy, Theaterstücke für Jugendliche, mehr Puppentheater stehen ebenfalls auf der Wunschliste der Befragten. Auch die Schaffung einer interkulturellen Plattform wurde angeregt.
Selbst über die notwendige Infrastruktur haben sich die Befragten Gedanken gemacht. Sie wünschen sich ein Kulturhaus oder eine Veranstaltungshalle. Die öffentlichen Verkehrsmittel sollten auch am Abend fahren, damit die Veranstaltungen besucht werden können, ohne dafür das Auto zu nutzen. Dennoch müssten bei größeren Events Parkplätze für den Individualverkehr zur Verfügung stehen. Für den Goldbergsee erhoffen sich die Teilnehmer an der Befragung, dass dort ein Badesee mit Kiosk, Schattenplätzen und Gärten ringsum entsteht.
Und wie geht es jetzt weiter? Zunächst werde beim Kulturstammtisch über die Vorschläge gesprochen, erläuterte Michaela Hofmann. "Unser Ziel ist es, ab 2015 mit Blick auf 2025 einen Prozess anzustoßen, um die Ergebnisse der Befragungen in Aktionen, Initiativen und Veranstaltungen umzuwandeln, die angemessen und realistisch sind sowie ins kulturelle Gesamtbild der Stadt Coburg passen." Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) gab sich indes optimistisch: "Mit dem Ergebnis kann ich leben, wenn ich mir andere Städte im Vergleich anschaue. Aber wir wollen die Kulturszene der Stadt auch weiter beflügeln."

Kulturhauptstadt 2025

Im März 2011 hatten die Stadträtinnen Adelheid Frankenberger (SPD) und Friederike Werobèl (CSU) angeregt, Coburg solle sich um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2020" bewerben. Sie hatten einen entsprechenden Antrag an den Kultur- und Schulsenat gestellt. Eine Entscheidung war aber bislang nicht getroffen worden. Nach neuestem Stand wird sich nun Nürnberg zusammen mit der Metropolregion um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2025" bewerben. "Nürnberg dient dafür als Aushängeschild", berichtete der Leiter des Amtes für Schulen, Kultur und Bildung, Klaus Anderlik, den Senatsmitgliedern. Und er kündigte an, dass dafür im Vorfeld entsprechende Entscheidungen in den Gremien der Städte getroffen werden müssen.