Vielleicht ist das Cello ja doch der ausdrucksvollste Sänger in der Familie der Streichinstrumente. Beim Gastspiel des Duos Zaruk in der Johanneskirche Elsa drängt sich dieser Gedanke jedenfalls auf.


Denn bei diesem Konzert in der Reihe "Elsa 47" stehen sephardische Lieder auf dem Programm, dargeboten ausschließlich im instrumentalen Gesang. Vieles ist ungewöhnlich an dieser Abend vor erfreulich zahlreichen Zuhörern. Das beginnt schon bei der Besetzung des in Madrid angesiedelten Duos mit Violoncello und Gitarre.
"Sephardische Melodien" haben die Cellistin Iris Azquinezer und der seit zehn Jahren in Spanien lebende deutsche Gitarrist Rainer Seiferth als Motto gewählt.

Denn das Duo widmet sich mit seinem Repertoire vornehmlich der Musik der sephardischen Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden und sich, heimatlos geworden, anschließend in vielen verschiedenen Ländern des Mittelmeerraumes ansiedelten.


Sehnsucht nach Liebe

Ihre Lieder erzählen von vielen Dingen des Lebens, immer wieder aber von der Suche und der Sehnsucht nach Liebe und Glück. Jüdische Lieder vergangener Jahrhunderte in einem evangelisch-lutherischen Gotteshaus - das lädt gerade im Jahr des Reformationsjubiläums auch ein zum Nachdenken über den bekanntermaßen ausgeprägten Antisemitismus des streitbaren Reformators Martin Luther.


Wie sehr gerade Musik beitragen kann zur kulturellen Selbstvergewisserung heimatlos gewordener Menschen wird jedenfalls in diesem Konzert eindringlich hörbar. In fantasievollen eigenen Arrangements entfaltet das Duo mit Cello und Gitarre einen bemerkenswerten Reichtum an Klangfarben. Auch wenn dem Cello oft die melodisch führende Stimme zukommt, spielt die Gitarre stets eine wichtige Rolle, steuert nicht nur bei Bedarf auch perkussive Akzente bei, sondern tritt sehr wohl immer wieder auch solistisch als Melodieinstrument hervor, zu dem dann das Cello die Bassbegleitung beisteuert.


Bei diesem vorletzten Konzert ihrer kleinen Deutschland-Tournee erweisen sich Iris Azquinezer und Rainer Seiferth als jederzeit bestens harmonierendes Duo, das wunderbar lebendige musikalische Dialoge führt.
Mit feinem Gespür gelingt es den beiden Instrumentalisten, vielerlei Einflüsse in den mündlich überlieferten sephardischen Gesängen hörbar werden zu lassen. Immer wieder klingt die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat in diesen Melodien mit.


Der kraftvolle und schattierungsreiche Celloton von Iris Azquinezer verbindet sich mit Rainer Seiferths sensiblem Gitarrenspiel. Der ausdauernde Beifall der Zuhörer wird am Ende dieses bemerkenswerten Abends noch mit Zugaben belohnt.




Internationale Künstler zu Gast in Elsa



Iris Azquinezer stammt aus einer jüdischen Familie, und sefardische Lieder wurden ihr schon als Kind zum Einschlafen vorgesungen. Einige dieser Melodien finden sich wieder im Repertoire von Zaruk.

Rainer Seiferth Der studierte klassische Gitarrist Rainer Seiferth ist seit Jahren in Jazz-, Alter Musik-, Weltmusik und Folk-Ensembles zu hören. Seiferth spielt neben der klassischen Gitarre auch Vihuela, Barockgitarre und Cittern.

Das nächste Konzert der Reihe "Elsa 47": Samstag, 22. Juli, 19.30 Uhr - Ensemble Movimento