Wer an Festtage im Theater denkt, der denkt zunächst an Premierenabende. Dass freilich auch eine vermeintliche Repertoire-Vorstellung zum festlichen Abend werden kann, bewies eine Aufführung von Mozarts Oper "Cosi von tutte" in Coburg. Denn in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Weimar bot sie dem Publikum die Begegnung mit jungen Dirigierstudenten, die ihren ersten Abend im Orchestergraben des Landestheaters erlebten.

Zum Abschluss eines Dirigierworkshops teilten sich zwei Studierende die musikalische Leitung des Abends. Der 21-jährige Mauricio Sotelo-Romero dirigierte den ersten Teil, Friedrich Praetorius (25) den zweiten Teil. Am Ende teilten sich beide den begeistert ausdauernden Beifall für einen Theaterabend, der jenseits aller Routine vor Ohren führte, worauf es bei Live-Kultur ankommt: den lebendigen Dialog zwischen den Künstlern, aber auch zwischen Künstlern und Publikum. Gemeinsam mit dem hochkonzentriert agierenden Philharmonischen Orchester meisterten sie die Herausforderung, kurzfristig noch einen Gast in das bereits mehrfach umbesetzte Solistenensemble zu integrieren: Der Tenor Alex Kim vom Staatstheater Meiningen hatte als Einspringer den Part des Ferrando übernommen.

"Den ersten Abend im Orchestergraben vergisst man nie - bei mir war es ,Rigoletto' am Staatstheater Mainz" erinnert sich Johannes Braun (35), in der fünften Spielzeit erster Kapellmeister am Landestheater. Braun, vor einigen Jahren selbst Absolvent in Weimar, leitete den Workshop gemeinsam mit dem Weimarer Dirigier-Professor Eckart Wycik. Im Interview gibt er Einblicke in den Workshop.

Wo liegen bei "Cosi" die Herausforderungen für Dirigier-Studenten?

Johannes Braun: In erster Linie geht es darum überhaupt einmal die Besonderheit eines Grabendirigats zu erspüren. Das ist eine Erfahrung, die man im Studium nur sehr selten bekommt. Daher auch dieser Kurs. Für "Cosi" oder Mozart im Speziellen sind besonders anspruchsvoll die Finali und Accompagnato-Rezitative.

Wie war der Workshop aufgebaut, wieviel Zeit hatte jeder der sieben (?) Teilnehmer?

Es waren 6 aktive und eine passive Teilnehmer/in. An zwei Tagen fanden vier Proben mir den Gesangsensemble, davon 2 mir Orchester statt. Die Probenzeit wurde so gut es ging in gleichen Teilen durch sechs geteilt. Mit dem Orchester waren das insgesamt zwei mal 20 min pro Kandidat.

Welche Kriterien waren entscheiden bei der Auswahl für das Abend-Dirigat?

Bei unserem Kurs entschied das Orchester und unser Generalmusikdirektor Daniel Carter, wer die beiden Kandidaten sein werden. Dabei zählte in erster Linie der Gesamteindruck der jeweiligen Kandidaten.

Welchen Tipp würden Sie kurz vor Beginn der Vorstellung noch mit auf den Weg geben? Oder ist es besser, einfach nur die Ruhe zu bewahren?

Mein Tipp wäre, sobald man im Graben steht und man den Auftakt zum Beginn der Ouvertüre gibt, den Kopf auszuschalten und sich auf das eigene musikalische Gespür verlassen.

Haben Sie eventuell noch einen persönlichen Tipp gegen Lampenfieber?

Auf seine Atmung konzentrieren und an einen schönen Moment denken.

Die Fragen stellte Jochen Berger

Rund um die Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Weimar

Kooperation Die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar und dem Landestheater Coburg besteht seit mehreren Jahren und bietet Dirigier-Studierenden die Gelegenheit, praktische Erfahrungen im Musiktheater zu sammeln. Den Auftakt machte Mozarts "Zauberflöte" in der Spielzeit 2018/2019. In einem Workshop unter Leitung von Johannes Braun, Erster Kapellmeister am Landestheater Coburg, und Ekhart Wycik, Professor für Orchesterdirigieren in Weimar, arbeiteten sieben Studierende gemeinsam an Mozarts "Cosi fan tutte". Zwei Teilnehmer teilten sich abschließend das Dirigat einer öffentlichen Vorstellung im Landestheater - Friedrich Praetorius und Mauricio Sotelo Romero. Sie waren von Generalmusikdirektor Daniel Carter und dem Orchester ausgewählt worden.

Die Gast-Dirigenten Mauricio Sotelo-Romero (21 Jahre, 4. Semester Bachelor-Studium), 2.Teil: Friedrich Praetorius 25 (Jahre, 2. Semester Master-Studium)

Ausblick Mozart "Cosi fan tutte", 29. Januar, 19.30 Uhr