Die Jugendsozialarbeit in Schulen wird in Bayern erweitert. "Für den Landkreis Coburg sieht die Ausbauplanung pro Jahr drei neue Stellen vor", kündigte Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk) bei einer virtuellen Pressekonferenz an. Zum 1. September des laufenden Jahres sollen die Mittelschulen Sonnefeld und Ebersdorf sowie die Grund- und Mittelschule Bad Rodach einen Jugendsozialarbeiter bekommen. Aktuell arbeiten Jugendsozialarbeiter an sechs Schulen im Landkreis. Nach der Mittelschule am Moos und der Glockenbergschule kamen die Heinrich Schaumberger Schule in Coburg, die Mittelschule in Rödental-Oeslau und die Grundschule Heubischer Straße in Neustadt dazu. "Seit 2019 ist auch ein Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule Seßlach tätig."

Hilfe ohne Druck und Zwang

Jugendsozialarbeiter sind im Landkreis seit 2009 im Einsatz. Einer von ihnen ist Steffen Matuschek, der sich in Neustadt an der Mittelschule am Moos und der Glockenbergschule den Problemen der Schüler annimmt. "Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Einzelfallhilfe. Ich berate die Kinder und Jugendlichen in persönlichen Gesprächen." Entscheidend ist, dass die Schüler freiwillig zu ihm kommen. "Eine Hilfe mit Druck und Zwang wäre nicht gut. Außerdem bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet."

Die Schüler kommen auf verschiedenen Wegen zu Matuschek. Oft schicken Lehrer ihre Schüler zu dem 58-Jährigen. Manchmal kommen auch Eltern auf ihn zu. "Während der Pandemie war es immer häufiger der Fall, dass ich von Eltern angesprochen wurde. Die Kinder und Jugendlichen können auch auf direktem Weg zu mir kommen - das funktioniert umso besser, je länger man an einer Schule arbeitet." Entscheidend ist dabei, dass Matuschek gut für die Schüler erreichbar ist - vor allem dann, wenn die Hilfe schnell benötigt wird. "Als Jugendsozialarbeiter muss man flexibel reagieren können und auch über den Dienstalltag hinaus ansprechbar sein. Deshalb bin ich nicht nur vor Ort, sondern auch über Social Media oder per Telefon erreichbar, wenn die Jugendlichen Hilfe brauchen."

Cybermobbing und Schulverweigerung

Matuschek berät Jugendliche mit den unterschiedlichsten Problemen. Häufig hat er mit Schulverweigerern zu tun. "Die Kinder gehen nicht mehr zur Schule, in einem Maß, das nicht tolerierbar ist. Wir müssen dann in Kooperation mit den Eltern intensiv daran arbeiten, dass sie wieder in den Schulalltag zurückgeführt werden", erzählt der Diplomsozialpädagoge aus seinem Alltag. Wie er feststellen musste, hat sich das Mobbing in den letzten Jahren außerdem verändert. "Mobbing in den Schulen hat es schon immer gegeben. Mit dem Aufkommen von Cybermobbing hat das ganze aber eine andere Dimension angenommen. Die Schüler sind auch in ihrer Freizeit und daheim betroffen."

Matuschek sieht sich selbst in einer "Scharnierfunktion", weil er intensiv mit dem Jugendamt und den Schulen zusammenarbeitet. "Früher habe ich selbst im Jugendamt gearbeitet, deshalb kenne ich beide Seiten von innen. Eine gute Kooperation und Vernetzung ist wichtig, um den Kindern und Jugendlichen möglichst schnell helfen zu können."

Vor allem wegen der schnellen und unkomplizierten Hilfe für die Schüler ist Manuela Oppel, Rektorin der Grund- und Mittelschule Bad Rodach, sehr dankbar dafür, dass ihre Schule zu den Schulen im Landkreis gehört, die im September einen Jugendsozialarbeiter bekommen. "Ich war vorher an der Neustadter Mittelschule am Moos tätig und habe lange mit Herr Matuschek zusammengearbeitet. In Bad Rodach gibt es die gleichen Probleme wie in Neustadt", erzählt Oppel.

Seit mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie mehr digital läuft, hat sie den Eindruck, dass die Probleme der Kinder und Jugendlichen zugenommen hätten. "Als Schulleiterin bin ich sehr froh, wenn jemand vor Ort ist, dem die Schüler sich anvertrauen können. Wir wünschen uns professionelle Hilfe für die Schüler, die kurzfristig und unbürokratisch läuft", sagt die Schulleiterin.

Jugendsozialarbeiter sind nicht nur gut vernetzt, sondern haben auch ein deutlich größeres Zeitfenster, um sich um Einzelfälle zu kümmern. "Wir haben eine ganz andere Ausbildung genossen als die Lehrkräfte und mehr Zeit zur Verfügung. Die Lehrer müssen sich schließlich um ganze Klassen kümmern", sagt Matuschek.

Unterschied zur Schulsozialpädagogik

Die Jugendsozialarbeit, die sich auf Einzelfälle konzentriert, ist von der Schulsozialpädagogik abzugrenzen. "Schulsozialpädagogen arbeiten ebenfalls vor Ort an den Schulen. Hier werden in erster Linie ganze Klassen zusammengenommen", erklärt Kerstin Spindler, die beim Landratsamt Coburg im Fachbereich Jugend, Familie und Senioren tätig ist, den Unterschied. Während die Schusozialpädagogik ans Kultusministerium angegliedert ist, liegt die Zuständigkeit für die Jugendsozialarbeit beim Sozialministerium. "Die Jugendsozialarbeit an Schulen ist an die öffentliche Jugendhilfe angegliedert."