Es war gewiss ein Wagnis und ein Experiment, in das ansonsten klassisch ausgerichtete Jugend-Musikfestival im Rodachtal ein Jazzkonzert aufzunehmen. So bangte der Veranstalter - zumal auch noch schlechtes Wetter aufzog - um die Zuhörerzahlen, die sich dann doch einigermaßen einpendelten, obwohl die diesmal in Rot getauchte Stadthalle mindestens eine Nummer zu groß war.
Jazz ist eben durch den allgegenwärtigen Pop in eine Nische für Kenner gedrängt worden. Dabei ist er eine anspruchsvolle Musikgattung, die durch die Spontaneität der Improvisation eine besondere Faszination erhält, der sich niemand entziehen kann.
So war auch der letzte Zweifler am Ende hingerissen von dem instrumentalen Können und dem Fantasiereichtum der jungen Leute, die allein schon von ihrem Alter her bestens zu der Grundidee des Festivals passten.
"Jazz kann man nicht erklären, man muss ihn erleben!" Moderator Marcel Wagner machte Mut und führte mit launigen Sprüchen und praktischen Beispielen humorvoll durch den Abend, dessen ersten Teil sechs Studenten der lettischen Hafenstadt Venspils unter ihrem Leiter und Dozenten der Musikakademie Sergejs Somiks bestritten.
Zuerst präsentierte sich ein Quintett mit Edvards Grieze (Keyboard und Gesang), Rihards Goba (E-Gitarre), Zane Aispure (Altsaxophon), Ilmars Priede (E-Bass) sowie Pauls Kierpe (Schlagzeug), das recht progressiven Jazz gekonnt darbot, wobei auch Eigenkompositionen von Goba und Grieze dabei waren.
Später gesellten sich die ansprechende Sängerin Sallija Taucus und der überragend am Keyboard improvisierende Leiter Sergejs Somiks hinzu. Die zwischen getragenen und virtuosen Nummern abwechselnden Stücke gaben den fähigen Musikern viele Möglichkeiten zu brillanten Soli, die sie schon als echte Jazzer auswiesen. Mit viel Beifall und nicht ohne Zugabe wurden die lettischen Nachwuchsjazzer entlassen.
Den zweiten Teil bestritt anstelle der ursprünglich vorgesehenen Gruppe "Triopated" das ebenfalls aus Belgien stammende Benjamin Hermans Quartett mit dem Namensgeber (Alt- und Baritonsaxofon), Tristan Schmidt (Keyboard), Cyrille Obermüller (Zupfbass) und Klaas de Somer (Schlagzeug).
Stilistisch ähnlich wie das lettische Ensemble musizierend, brachte das Quartett noch deutlich mehr Routine und instrumentale Fähigkeiten mit, die sich in atemberaubenden Soli - besonders von Saxofon und Keyboard - äußerten und das Publikum zu Beifallsstürmen hinrissen. Am Schluss gab es sogar noch eine echte Jam-Session, in der sich die Spieler beider Ensembles mischten und noch zwei Standardnummern spektakulär zum Besten gaben. Festivalleiter Oleg Dynov bekannte, er sei heute zum Jazz-Fan geworden und wolle dieser Musik auch im nächsten Jahr einen Platz im Programm einräumen.

Coburg — Das 10. Internationale Jugend-Musikfestival im Rodachtal wird heute Abend um 20.30 Uhr mit der Klavier-Gala im HUK-Foyer auf der Bertelsdorfer Höhe in Coburg fortgeführt. Der Abend bringt ein Wiederhören mit dem Pianisten Leonhard Dering, der mittlerweile an der Musikhochschule Frankfurt studiert. Neben weiteren Solisten ist erneut das Junge Sinfonieorchester Berlin zu hören.

Stressenhausen — Ein neues Konzertformat offeriert der morgige Samstag um 15 Uhr im Kulturstadel in Stressenhausen. Unter dem Motto "Süßigkeitenkonzert" gibt es kaum ein Alterslimit nach unten. Die jüngste Teilnehmerin (eine Enkelin von Dynovs Frau Alla Schatz) ist gerade mal vier Jahr alt.

Seßlach — Der Seßlacher Marktplatz wird am Samstag ab 21.30 Uhr Schauplatz für eine Open-Air-Gala. Vokal- und Instrumentalsolisten musizieren zusammen mit dem Jungen Sinfonieorchester Berlin.

Ahorn — Das Abschlusskonzert findet am Sonntag um 15 Uhr in der Schlosskirche Ahorn statt, wiederum mit dem Jungen Sinfonieorchester Berlin. Das Hauptwerk bildet Charles Gounods Cäcilien-Messe, interpretiert vom Theater- und Konzertkinderchor Coburg.