"Wir waren alle sehr lange beim FC Coburg und im NLZ. Für diese Zeit mit der Top-Ausbildung bin ich sehr dankbar, vor allem meinen Jugendtrainern und den Verantwortlichen. Bis vor ein paar Wochen hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können, dass ich in der neuen Saison ein anderes Trikot trage".
Niklas Ehrlich und seinen Teamkollegen ist bei diesem Bekenntnis anzumerken, dass ihnen der Wechsel vom FC Coburg zum TSV Mönchröden sehr schwer gefallen ist. Frustriert sitzt er mit Konstantin Müller, Lukas Köhn, Daniel Puff und Miguel Malaj am hintersten Tisch im Sportheim des TSV Mönchröden - der neuen sportlichen Heimat dieser Spieler.
Zwei Spielerväter sind auch dabei. Und Reiner Geier vom TSV Mönchröden. Ihr gemeinsames Anliegen ist klar. Die am Wochenende erhobenen Vorwürfe von Hartmut Guhling, dem Beiratsvorsitzenden des FC Coburg, sollen von ihrer Seite nicht unkommentiert bleiben.


"Bis zum Schluss alles gegeben"

Den jungen Spielern wurmt vor allem der Vorwurf, dass sie ihr Wort nicht gehalten hätten und dem FC Coburg "ankündigungslos" - wie es Guhling formulierte - "von hinten ins Kreuz gesprungen" wären. Das würde nicht stimmen: "Ich habe meine Entscheidung noch vor den Relegationsspielen bekanntgegeben, um den Kopf frei zu haben und gegenüber dem Verein fair zu sein. Dann habe ich bis zur letzten Spielminute alles gegeben. Andere, ältere Spieler sind nach dem Abstieg gegangen", erzählt Ehrlich.
Lukas Köhn fühlte sich bei einem Gespräch in der Winterpause enorm unter Druck gesetzt, weil er noch keine Entscheidung darüber treffen wollte, wo er künftig spielt. "Mir wurde versprochen, dass keine externen Spieler auf meiner Position verpflichtet werden, dass der Verein auf mich baut und alle Spieler bei uns gleich behandelt werden". Das war alles nicht der Fall, der FCC hat hier mehrmals sein Wort gebrochen", ärgert sich nicht nur er, sondern auch seine Altersgenossen.


"Verlogene Personalpolitik"

Die "verlogene Personalpolitik" - so einer wörtlich - sei einer der wesentlichen Gründe für den Entschluss, den FC Coburg zu verlassen. Unzufrieden waren die jungen Männer aber vor allem auch mit der sportlichen Führung, insbesondere mit der Arbeit ihres bisherigen Trainers Matthias Christl. "Wir hatten keine Spielidee, agierten oft viel zu ängstlich. Das Training war lasch, die Beteiligung oft sehr mies. Außerdem herrschte eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Jung und Alt", kritisieren die Spieler unisono.
Miguel Malaj geht sogar noch einen Schritt weiter: "Ich wurde links liegengelassen, öfters sogar vom Training heimgeschickt, weil wir zu wenig Leute für das Reservetraining waren, anstatt uns bei der Ersten zu integrieren. Nach dem ich rechtzeitig bekannt gab, dass ich nach Mönchröden wechseln werde, wurde ich quasi nicht mehr beachtet."
Auch Konstantin Müller führt sportliche Gründe für seinen Wechsel an: "Ich bekam gar keine Chance, obwohl mir vor der Saison versprochen wurde, dass ich integriert werde. Schon vor der ersten Trainingseinheit entschied man, dass ich nicht bei der Ersten mittrainieren darf. Ich wurde immer vertröstet und hingehalten. Klar, dass man sich dann als Lückenbüßer fühlt, obwohl ich mich am Ende trotzdem ins Team gekämpft habe".
Dabei hätten die Spieler für den Fußball gelebt. Sie verzichteten auf ihre Abitur-Abschlussfahrten oder brachen Familienurlaub wegen der Relegation ab. "Wir Jungen haben kaum ein Training verpasst, während ältere Spieler gekommen sind wann sie wollten und sich vor Punktspielen sogar alleine aufwärmen durften", beklagt Köhn.
Und Müller ergänzt: "Wir haben auch immer gerne für die Zweite gespielt. Samstag fünfmal in Folge bei der Ersten auf der Bank ohne Einsatz und am Sonntag Kreisliga - da sinkt irgendwann die Motivation. Zumal ich die Zeit vor Klausuren zum Lernen gebraucht hätte."


Persönlich total enttäuscht

All das seien Beweggründe weshalb es zu diesem Vereinstausch im Kollektiv kam. Menschlich persönlich total enttäuscht ist die Gruppe aber vor allem über das "heftige Nachtreten" von Hartmut Guhling, der sich dabei auch selbst widersprechen würde: "Wir hätten eher sagen sollen, wenn uns etwas nicht passt. Dann meint er aber, dass ihm die Worte fehlen, wenn ein Spieler moniert, dass er mit seiner Position unzufrieden ist", so Niklas Ehrlich. Dass die Coburger jetzt einsehen, dass sie künftig ihren Kontakt zu den Jungen verbessern wollen, findet er gut.


Direktes Gespräch wäre fairer

Und abschließend sind sich die betroffenen Spieler noch einmal einig: "Wir haben großen Respekt vor Hartmut Guhlings Wirken und wir schätzen ihn alle sehr. Umso enttäuschter sind wir aber über die sehr persönlichen Vorwürfe über die Zeitung. Ein direktes Gespräch wäre doch besser und fairer für alle gewesen", glaubt Niklas Ehrlich.


Das Guhling-Interview und seine Folgen

Selten hat ein Fußball-Interview im Tageblatt für so viel Gesprächsstoff gesorgt, wie das mit Hartmut Guhling, dem Beiratsvorsitzenden des FC Coburg. Mehrere Vereinsvertreter meldeten sich bei uns zu Wort und stiegen in die Diskussion um umstrittene Vertragsamateure ein. Aber auch direkt betroffene Spieler oder deren enttäuschte Väter gaben ihren Unmut über gewisse Äußerungen von Guhling kund.

Der verantwortliche Vereinsfunktionär des FCC kritisierte die gängige Praxis, dass junge Spieler als sogenannte Vertragsamateure quasi zum "Nulltarif" ihren Ausbildungsverein verlassen können und abgebende Klubs finanziell leer ausgehen.

Guhling schilderte aber auch detailliert die Umstände, die zum Wechsel mehrerer FCC-Spieler in dieser Wechselperiode führten und unterstellte den 18- und 19-Jährigen Wortbruch. Außerdem warf er die Frage auf, ob die Heranwachsenden eventuell noch charakterlichen Entwicklungsbedarf hätten oder ob die Ursache ihres Handels im persönlichen Umfeld zu suchen sei. oph


Stimmen

Niklas Ehrlich (Spieler): "Ich hatte eine Top-Ausbildung in Coburg. Dafür bin ich sehr dankbar. Bis vor kurzem hätte ich mir nicht vorstellen können, ein anderes Trikot zu tragen".

Konstantin Müller (Spieler): "Was wir im NLZ gelernt haben, wurde bei den Herren überhaupt nicht umgesetzt. Außerdem hatten ältere Spieler gegenüber jüngeren einen gewissen Bonus".

Miguel Malaj (Spieler): Es wurde versprochen, dass keine Spieler für meine Position geholt werden und dann erfahre ich von Freunden, dass genau solche Leute verpflichtet wurden. Das ist Wortbruch. Noch dazu, weil es zuvor hieß, dass man genau diesen Spieler nicht mehr haben will".

Lukas Köhn (Spieler): "Das Training war lasch und es gab keinen Teamgeist, sondern eine Zwei-Klassen- Gesellschaft. Einmal wurde sogar ein Spieler aus dem Ausland extra eingefahren und junge Spieler mussten auf die Reservebank".

Marc Köhn (Spielervater): "Ich kann doch nicht sagen, dass ich alles richtig gemacht habe, wenn nahezu ein ganzer Jahrgang - noch dazu ein Goldener - den Verein verlässt. Und damit nicht genug: Jetzt gehen ja die jüngeren A-Jugendlichen auch schon weg".

Steffen Ehrlich (Spielervater): "Charakterlicher Entwicklungsbedarf - vielleicht besteht dieser auch in der Führung beim FC Coburg".

Thomas Hüttl (Trainer TSV Mönchröden): "Mich stört an dem Interview, dass Herr Guhling den Spielern einen schlechten Charakter vorwirft. Das stimmt nicht. Ich kenne die Jungs nicht erst seit drei Trainingseinheiten, sondern schon sehr lange. Die sind alle in Ordnung".

Stefan Finzel (Sponsor beim SC Sylvia Ebersdorf): "Ich fand das Interview mit Herrn Guhling klasse.
Er hat in vielen Punkten recht, vor allem bei den Vertragsamateuren".

Reiner Geier (Fußball-Abteilungsleiter TSV Mönchröden): "Ich kann die Coburger durchaus verstehen. Ich würde mich auch ärgern, wenn ich so viele Talente verliere. Zur Diskussion über die Vertragsamateure: So lange es diese Regel gibt, werden wir sie anwenden".

Ein Handwerker-Meister in Ruhestand: "Das ist doch wie im Handwerk: Die einen bilden aufwendig und gewissenhaft junge Leute aus, und andere Betriebe holen sich später diese Fachleute dann weg".