Sie hat schon fast etwas von einem Rennen, die Suche der ehrenamtlichen Hilfsdienste nach Nachwuchs. In der Vergangenheit hatten die Feuerwehren da immer die schlechtesten Karten. Kinder durften ja lange Zeit erst mit zwölf Jahren den Jugendgruppen beitreten. "Das ist ein Alter, da sind sie in anderen Vereinen schon viele Jahre aktiv dabei", weiß Matthias Korn, der die Wildenheider "Feuerflitzer" mit gegründet hat. Dort dürften Kinder schon ab sechs Jahren Feuerwehr "spielen" - was sich zu einem Erfolgsrezept entwickelt hat.
Fünf "Feuerflitzer" haben die Wildenheider derzeit in ihren Reihen - was Christian Korn, dem Leiter der neun Mitglieder starken Jugendfeuerwehr, fast ein bisschen wenig ist.
"Wir könnten schon noch ein paar Neulinge gebrauchen", sagt der 33-Jährige und schlägt seinem älteren Bruder Matthias (der auch Vorsitzender des Feuerwehrvereins ist) gleich vor: "Wir könnten mal wieder was mit der Schule machen."
Ein pauschales Rezept, wie man Sechs- bis Zwölfjährige für den Feuerwehr-Nachwuchs gewinnen kann, haben die Wildenheider, trotz ihrer Erfolge, auch nicht parat. Klar: In den sozialen Medien präsent sein, Öffentlichkeitsarbeit betreiben - das helfe schon. Christian Korn erinnert sich zum Beispiel noch gut an eine Feuerwehrübung am Wildenheider Seniorenheim, als viele Kinder zuschauten und sich die Woche drauf gleich mehrere davon bei den "Feuerflitzern" anmeldeten. So kann es gehen...
Die beiden Korns berichten aber auch davon, dass Gruppen wie die "Feuerflitzer" am Anfang keine Selbstläufer waren. "Es gab schon Skepsis", erinnert sich Matthias insbesondere an die schwierige rechtliche Situation, wenn Kinder schon Mitglied einer Feuerwehr sein sollen. Diese Probleme haben sich, auch weil die Führungsspitze auf Landkreisebene voll hinter den Kindergruppen steht, inzwischen nahezu in Luft aufgelöst.
Jetzt geht es eher um praktische Fragen. Zum Beispiel um die, wie viel Ausbildung und Leistung denn so eine Kindergruppe denn braucht - immerhin werden ja einmal im Jahr die Kinderleistungsabzeichen für die Landkreis-Feuerwehren vergeben. Da hebt Matthias Korn gleich die Hand und relativiert: "Leistung sollte man hier in Klammern setzen." Denn ihm und den weiteren Organisatoren der Veranstaltung (die heuer am 26. September in Niederfüllbach stattfindet) geht es um andere Dinge als die pure Leistung. Um gemeinsamen Spaß, um gegenseitiges Kennenlernen, um Teamfähigkeit - all dies mit leichten, spielerischen, Übungen. "Und Prüfungen haben die Kinder in der Schule ja auch", relativiert Christian Korn. Allerdings gibt es dort keinen "Pokal, fast so groß wie in der Champions League", wie sein Bruder einwirft.
Richtig los, insbesondere beim Umgang mit Feuerwehr-Technik, geht es ohnehin erst bei der Jugendfeuerwehr. "Wenn wir da Schutzanzüge und Helme verteilen, dann sind die Jungen und Mädchen aber so was von stolz", erzählt Christian Korn, der seit inzwischen sieben Jahren gemeinsam mit Andreas Kaiser die Jugendfeuerwehr leitet. Jan Pertsch sitzt neben seinem "Chef" und grinst. "Ich war auch bei den Feuerflitzern. Mir gefällt einfach alles bei der Feuerwehr", sagt der Zwölfjährige dann. Seinem Kumpel, Felix Dötschel, geht es nicht anders. Er freut sich jetzt schon auf die 24-Stunden-Übung in Wildenheid Anfang August und geht fest davon aus, auch als Erwachsener der Feuerwehr treu zu bleiben. Das sind Sätze, bei denen Christian Korn - durchaus ein bisschen stolz - schmunzelt und sagt: "Hier sehen wir die zwei Wildenheider Kommandanten der Zukunft."

Die Schule steht an erster Stelle

Wenn nicht die Schule dazwischenkommt und Probleme bereitet. Diese Erfahrung hat Matthias Korn schon ein paar Mal gemacht. "Ich verstehe es, wenn Eltern einschreiten, wenn es mit der Schule und all den anderen Vereinsaktivitäten einmal zu viel wird", versichert der Vereinsvorsitzende. In Wildenheid gibt es deshalb eine klare Regel, versichert Christian Korn: "Wenn in der Schule wichtige Prüfungen anstehen, dann darf die Vorbereitung darauf nicht unter der Feuerwehr leiden."